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Eine Tasse anheben, eine Tür öffnen oder jemandem die Hand geben: Bei einem Tennisarm können bereits alltägliche Bewegungen starke Schmerzen an der Außenseite des Ellenbogens auslösen. Halten die Beschwerden über Monate an, wird häufig über eine Injektion mit plättchenreichem Plasma, kurz PRP, gesprochen. Doch wie belastbar ist die wissenschaftliche Grundlage?

Kurz eingeordnet

PRP ist bei chronischem Tennisarm eine diskutierte Behandlungsoption, aber kein wissenschaftlich gesichertes Heilverfahren. Gegenüber Kortison zeigen einige Studien im längeren Verlauf günstigere Ergebnisse. Gegenüber Placebo konnte ein verlässlicher Zusatznutzen bislang jedoch nicht bestätigt werden.

Was ist ein Tennisarm?

Der sogenannte Tennisarm wird medizinisch meist als laterale Ellenbogentendinopathie bezeichnet. Betroffen ist vor allem der gemeinsame Sehnenansatz der Handgelenkstrecker an der Außenseite des Ellenbogens.

Der ältere Begriff „Epicondylitis“ lässt eine klassische Entzündung vermuten. Bei länger bestehenden Beschwerden stehen jedoch häufig Veränderungen der Sehnenstruktur, eine gestörte Anpassung an Belastung und eine verminderte Belastbarkeit des Gewebes im Vordergrund. Eine rein entzündungshemmende Betrachtung greift daher oft zu kurz.

Typische Beschwerden

Schmerzen beim Greifen, Heben, Drehen des Unterarms oder Strecken des Handgelenks.

Häufig betroffen

Nicht nur Tennisspieler, sondern auch Menschen mit wiederholten manuellen oder beruflichen Belastungen.

Möglicher Verlauf

Die Beschwerden können über Wochen oder Monate anhalten und die Griffkraft deutlich einschränken.

Differenzialdiagnose

Nervenreizungen, Gelenkveränderungen oder Beschwerden aus der Halswirbelsäule können ähnliche Symptome verursachen.

Vor einer Injektion sollte deshalb geklärt sein, ob tatsächlich eine laterale Ellenbogentendinopathie vorliegt. Bildgebung kann je nach Befund sinnvoll sein, ersetzt aber nicht die klinische Untersuchung.

Warum wird PRP bei Sehnenbeschwerden diskutiert?

PRP wird aus dem Blut des Patienten gewonnen. Durch Zentrifugation entsteht eine Plasmafraktion, die im Verhältnis zum Ausgangsblut eine erhöhte Konzentration an Thrombozyten enthalten kann.

Aktivierte Thrombozyten setzen verschiedene Signalstoffe frei. Diese sind unter anderem an der Zellkommunikation, an der Regulation von Entzündungsprozessen und am Umbau der extrazellulären Matrix beteiligt. Daraus ergibt sich ein biologisch nachvollziehbarer Ansatz für die Behandlung von Sehnenbeschwerden.

Wichtig: Eine plausible biologische Wirkung ist noch kein klinischer Wirksamkeitsnachweis. Eine höhere Thrombozytenkonzentration führt nicht automatisch zu einem besseren Behandlungsergebnis. Eine systematische Arbeit von 2024 fand keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Plättchenkonzentration und der Schmerzlinderung bei Tennisarm. [5]

PRP ist außerdem keine Stammzelltherapie. Die therapeutische Rationale beruht vor allem auf den Thrombozyten, den enthaltenen Plasmaproteinen und den freigesetzten Botenstoffen.

Was zeigen aktuelle Studien zu PRP bei Tennisarm?

Die Antwort hängt stark davon ab, womit PRP verglichen wird. Gerade dieser Unterschied erklärt einen großen Teil der scheinbar widersprüchlichen Studienergebnisse.

VergleichKurzfristigLängerfristigEinordnung
PRP vs. KortisonKortison zeigt häufig eine schnellere Schmerzlinderung.PRP erreicht in mehreren Arbeiten nach sechs bis zwölf Monaten günstigere Schmerz- oder Funktionswerte.Teilweise positiv
Nicht jeder statistische Unterschied ist klinisch deutlich spürbar.
PRP vs. PlaceboKein verlässlicher Vorteil bei Schmerz oder Funktion.Auch bei längerer Nachbeobachtung kein konsistenter Zusatznutzen.Nicht bestätigt
Die placebokontrollierten Daten sprechen gegen eine pauschale Wirksamkeitsaussage.
PRP plus RehabilitationErgebnisse hängen von Patientenauswahl, Belastungssteuerung und Begleittherapie ab.Individuell
PRP sollte nicht losgelöst von einem funktionellen Behandlungskonzept betrachtet werden.

PRP im Vergleich zu Kortison

Metaanalysen aus den Jahren 2024 und 2025 zeigen ein wiederkehrendes Muster: Kortikosteroid-Injektionen können in den ersten Wochen bessere Ergebnisse liefern. Bei einer Nachbeobachtung von sechs Monaten oder länger schneiden PRP-Gruppen in einigen Studien bei Schmerz und Funktion günstiger ab. [2] [4]

Eine randomisierte Studie aus dem Jahr 2026 berichtete ebenfalls stärkere kurzfristige Verbesserungen nach Kortison und günstigere Resultate der PRP-Gruppe nach sechs und zwölf Monaten. [2]

Dieser Vergleich allein reicht jedoch nicht aus. Ein besseres Ergebnis gegenüber einer Therapie mit nachlassender Langzeitwirkung beweist noch nicht, dass PRP stärker wirkt als Placebo oder der natürliche Verlauf.

PRP im Vergleich zu Placebo

Eine 2026 veröffentlichte Metaanalyse randomisierter, placebokontrollierter Studien kam zu einem zurückhaltenden Ergebnis: PRP zeigte gegenüber Placebo zu keinem der untersuchten Zeitpunkte eine signifikante Verbesserung von Schmerz oder Funktion. [1]

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam eine randomisierte Studie aus dem Jahr 2025. Untersucht wurden PRP, Kortison, Hyaluronsäure und Kochsalzlösung. Langfristig verbesserten sich die Beschwerden in allen Gruppen. Keine der Injektionen war der Placebogruppe eindeutig überlegen. Kortison zeigte lediglich zu Beginn einen kurzfristigen Vorteil. [3]

Was lässt sich daraus ableiten?

PRP kann gegenüber Kortison im längeren Verlauf günstiger erscheinen. Gegenüber Placebo ist ein eigenständiger klinischer Zusatznutzen bislang jedoch nicht zuverlässig belegt. Eine allgemeine Aussage, PRP heile einen Tennisarm oder repariere die Sehne sicher, wäre wissenschaftlich nicht haltbar.

Warum unterscheiden sich die Studienergebnisse so deutlich?

„PRP“ bezeichnet kein vollständig einheitliches Präparat. Die verwendeten Systeme und Studienprotokolle unterscheiden sich teilweise erheblich.

  • Thrombozytenkonzentration und gewonnenes Plasmavolumen
  • Leukozytengehalt des PRP
  • Verwendetes Antikoagulans und mögliche Aktivierung
  • Zentrifugationskraft, Laufzeit und Zahl der Zentrifugationsschritte
  • Eine oder mehrere Injektionen
  • Ultraschallgestützte oder anatomisch orientierte Applikation
  • Dauer und Schwere der Beschwerden
  • Begleitende Physiotherapie und Belastungssteuerung
  • Unterschiedliche Endpunkte und Nachbeobachtungszeiten

Ergebnisse eines bestimmten Studienprotokolls lassen sich daher nicht automatisch auf jedes Röhrchensystem, jede Zentrifuge und jeden Patienten übertragen.

Hinzu kommt die Frage der klinischen Relevanz. Ein statistisch messbarer Unterschied ist nicht zwingend groß genug, um von Patienten als klare Verbesserung wahrgenommen zu werden. Deshalb sollte neben dem p-Wert auch der klinisch relevante Mindestunterschied betrachtet werden.

Was bedeutet die Evidenz für den Praxisalltag?

PRP sollte weder als garantierte Heilung noch als vollständig nebenwirkungsfreie Eigenblutbehandlung dargestellt werden. Autologes Ausgangsmaterial reduziert bestimmte immunologische Risiken, macht einen invasiven Eingriff aber nicht risikofrei.

Je nach Verfahren können vorübergehende Schmerzen, lokale Reaktionen, Hämatome oder andere injektionsbedingte Komplikationen auftreten. Ein Behandlungserfolg lässt sich nicht garantieren.

Eine sachliche Aufklärung sollte verdeutlichen:

  • Die wissenschaftliche Datenlage ist gemischt und hängt vom jeweiligen Vergleich ab.
  • Ein Wirkungseintritt lässt sich nicht auf eine feste Zahl von Tagen oder Wochen festlegen.
  • Es gibt kein universell belegtes Schema mit einer bestimmten Zahl von Sitzungen.
  • Eine vorübergehende Verstärkung der Beschwerden ist möglich.
  • PRP ersetzt keine angemessene Belastungssteuerung oder funktionelle Rehabilitation.

Aktive Rehabilitation bleibt die Grundlage

Aktuelle physiotherapeutische Leitlinien stellen aktive Maßnahmen in den Mittelpunkt. Dazu gehören belastungsangepasste isometrische, konzentrische und exzentrische Übungen der Handgelenkstrecker. Je nach Befund können manuelle Therapie, ergonomische Anpassungen und ein schrittweiser Belastungsaufbau ergänzt werden. [6]

Eine Injektion sollte deshalb nicht isoliert geplant werden. Für die praktische Entscheidung sind unter anderem folgende Fragen relevant:

  1. Ist die Diagnose ausreichend gesichert?
  2. Wie lange bestehen die Beschwerden?
  3. Welche konservativen Maßnahmen wurden bereits umgesetzt?
  4. Wurde die auslösende Belastung tatsächlich angepasst?
  5. Gibt es einen nachvollziehbaren Rehabilitationsplan?
  6. Wie werden Schmerz, Funktion und Griffkraft dokumentiert?

Für die Verlaufskontrolle können beispielsweise der Patient-Rated Tennis Elbow Evaluation Score, kurz PRTEE, standardisierte Schmerzskalen und die schmerzfreie Griffkraft eingesetzt werden.

Worauf kommt es bei der PRP-Aufbereitung wirklich an?

Ein Röhrchen oder eine Zentrifuge entscheidet nicht allein über das klinische Ergebnis. Für einen professionellen und nachvollziehbaren Ablauf sollte die technische Aufbereitung jedoch möglichst konstant durchgeführt und dokumentiert werden.

  • Medizinprodukte entsprechend ihrer Zweckbestimmung und Gebrauchsanweisung auswählen
  • Kompatibilität von Röhrchen, Zentrifuge, Rotor und Adapter prüfen
  • Sterile beziehungsweise hygienisch kontrollierte Abläufe einhalten
  • Relative Zentrifugalbeschleunigung in × g dokumentieren
  • Laufzeit, Charge, gewonnenes Volumen und verwendetes Zubehör erfassen
  • Drehzahlen nicht ungeprüft zwischen unterschiedlichen Zentrifugenmodellen übertragen

RCF statt pauschaler RPM-Werte: Die Zentrifugalkraft hängt von Drehzahl und Rotorradius ab. Zwei Geräte können bei derselben Drehzahl eine unterschiedliche relative Zentrifugalbeschleunigung erzeugen. Entscheidend ist deshalb der vorgesehene Zielwert in × g und nicht eine universelle RPM-Angabe.

Zum RCF/RPM-Rechner für Zentrifugen

Technischer Produktbezug für Fachanwender

Vi PRP-PRO im professionellen PRP-Workflow

Vi PRP-PRO ist ein steriles PRP-Röhrchen aus Borosilikatglas für die professionelle Aufbereitung von plättchenreichem Plasma. Das Produkt ist CE-gekennzeichnet und als Medizinprodukt der Klasse IIa dokumentiert.

Vorgesehene Blutaufnahmeetwa 9 ml pro Röhrchen
Antikoagulans0,8 ml Natriumcitrat
Trennkomponentethixotropes Trenngel
Mögliche PRP-Ausbeuteetwa 4 bis 4,5 ml pro Röhrchen
Standardprotokoll1200 × g für 7 Minuten
Packungsinhalt10 sterile Röhrchen

Die tatsächliche Ausbeute kann vom Ausgangsmaterial und vom Aufbereitungsprozess abweichen. Maßgeblich bleiben die aktuelle Gebrauchsanweisung, die Zentrifugenfreigabe, der verwendete Rotor und die internen Arbeitsanweisungen der medizinischen Einrichtung.

Ein standardisiertes Röhrchensystem kann einen reproduzierbaren technischen Ablauf unterstützen. Daraus lässt sich jedoch keine Garantie für die Wirksamkeit bei Tennisarm oder einer anderen konkreten Indikation ableiten.

Internationale Verfügbarkeit über prpmed.de

Vi PRP-PRO und weiteres Zubehör für professionelle PRP-Workflows sind über prpmed.de in zahlreichen europäischen und ausgewählten internationalen Märkten erhältlich. Die konkrete Lieferbarkeit hängt vom Zielland, dem Versandweg sowie den dort geltenden Einfuhr- und Produktbestimmungen ab. Verfügbare Versandoptionen und Kosten werden im Bestellprozess angezeigt.

Häufige Fragen zu PRP bei Tennisarm

Hilft PRP bei Tennisarm?

Die Studienlage ist nicht eindeutig. Gegenüber Kortison zeigen einige Untersuchungen nach mehreren Monaten günstigere Ergebnisse. Gegenüber Placebo wurde ein zuverlässiger Zusatznutzen bislang nicht bestätigt.

Ist PRP besser als Kortison?

Kortison kann kurzfristig schneller wirken. PRP erreicht in einigen Studien nach sechs bis zwölf Monaten günstigere Schmerz- oder Funktionswerte. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass PRP auch Placebo überlegen ist.

Wie viele PRP-Injektionen sind bei Tennisarm erforderlich?

Es gibt kein allgemein anerkanntes, durchgehend belegtes Schema. Zahl und Abstand möglicher Injektionen hängen vom verwendeten Protokoll, vom klinischen Befund und von der ärztlichen Entscheidung ab.

Wann kann eine Wirkung eintreten?

Ein fester Wirkungseintritt lässt sich nicht seriös vorhersagen. Studien verwenden unterschiedliche Nachbeobachtungszeiten. Individuelle Verläufe können deutlich voneinander abweichen.

Ist eine PRP-Injektion nebenwirkungsfrei?

Nein. Autologes Ausgangsmaterial reduziert zwar bestimmte immunologische Risiken, eine Injektion bleibt jedoch ein invasiver Eingriff. Vorübergehende Schmerzen, lokale Reaktionen, Hämatome und weitere verfahrensbedingte Komplikationen sind grundsätzlich möglich.

Welche Rolle spielt die Physiotherapie?

Belastungssteuerung und aktives Training gehören zu den zentralen konservativen Maßnahmen. Eine Injektion sollte nicht als Ersatz für einen strukturierten Rehabilitationsplan verstanden werden.

Welche Faktoren sind bei der PRP-Aufbereitung wichtig?

Entscheidend sind unter anderem Zweckbestimmung, Gebrauchsanweisung, Zentrifugationskraft in × g, Laufzeit, Rotor- und Adapterkompatibilität, Hygiene sowie eine nachvollziehbare Dokumentation des Ablaufs.

Fazit: PRP ist eine mögliche Option, aber kein bewiesenes Heilverfahren

Die wissenschaftliche Bewertung von PRP bei Tennisarm bleibt differenziert. Gegenüber Kortison berichten mehrere Studien über günstigere Langzeitergebnisse. Placebokontrollierte Untersuchungen konnten einen verlässlichen eigenständigen Nutzen bislang jedoch nicht bestätigen.

Für die Praxis bedeutet das: Eine mögliche Anwendung sollte auf gesicherter Diagnose, realistischer Aufklärung, individueller Indikationsstellung und einer strukturierten Rehabilitation beruhen. Garantierte Ergebnisse oder pauschale Heilungsversprechen sind weder wissenschaftlich noch kommunikativ vertretbar.

Für technisch standardisierte PRP-Workflows finden medizinische Fachanwender bei prpmed.de PRP-Röhrchen, Zentrifugen sowie Zubehör für Blutentnahme und Aufbereitung.

Wissenschaftliche Quellen

  1. Antunes Júnior CR et al.: Platelet-Rich Plasma Does Not Improve Pain or Function in Patients With Lateral Epicondylitis as Compared With Placebo: A Meta-analysis of Randomized Clinical Trials. American Journal of Sports Medicine, 2026. PubMed
  2. Wilson JJ et al.: A Randomized Controlled Trial of 1-Year Clinical Outcomes of Corticosteroid Versus Platelet-Rich Plasma Injection for Lateral Epicondylitis. Orthopaedic Journal of Sports Medicine, 2026. PubMed
  3. Dejnek M et al.: Comparative Efficacy of Platelet-Rich Plasma, Corticosteroid, Hyaluronic Acid and Saline Injection in Lateral Epicondylitis. Journal of Clinical Medicine, 2025. PubMed
  4. Maroun R et al.: Platelet-Rich Plasma Versus Corticosteroids for Lateral Epicondylitis: A Systematic Review and Meta-analysis. Clinics in Shoulder and Elbow, 2025. PubMed
  5. Averell N et al.: The Concentration of Platelets in PRP Does Not Affect Pain Outcomes in Patients With Lateral Epicondylitis: A Systematic Review and Meta-analysis. 2024. PubMed
  6. Lucado AM et al.: Lateral Elbow Pain and Muscle Function Impairments: Clinical Practice Guidelines. Journal of Orthopaedic & Sports Physical Therapy, 2022. Guideline
Medizinischer und regulatorischer Hinweis: Dieser redaktionelle Beitrag dient der allgemeinen wissenschaftlichen Information und richtet sich insbesondere an medizinische Fachanwender. Er ist keine offizielle Herstellerinformation und ersetzt weder die Gebrauchsanweisung des jeweiligen Medizinprodukts noch eine individuelle Diagnostik, Patientenaufklärung oder Therapieentscheidung. Medizinprodukte dürfen ausschließlich entsprechend ihrer Zweckbestimmung, Gebrauchsanweisung und den geltenden rechtlichen Vorgaben verwendet werden.
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