Bildgebung bei PRP-Injektionen: Ultraschall und Fluoroskopie im Vergleich

PRP präzise applizieren: Was Ultraschall und Fluoroskopie leisten

Fachinformation für Ärztinnen, Ärzte und medizinisches Fachpersonal. Der Beitrag ordnet den Forschungsstand ein und ersetzt weder Leitlinien noch ärztliche Einzelfallentscheidung. Stand der Recherche: September 2026.

Bildgeführte PRP-Injektion

Bei kleinen, tiefen oder anatomisch eng begrenzten Zielräumen kann die Lage der Nadelspitze darüber entscheiden, ob ein Präparat tatsächlich dort appliziert wird, wo es geplant ist. Ultraschall und Fluoroskopie kontrollieren diese Lage auf unterschiedliche Weise.

Bei der ultraschallgeführten PRP-Injektion lassen sich Weichteile, Nadel und angrenzende Gefäße oder Nerven in Echtzeit darstellen. Die fluoroskopisch geführte PRP-Injektion orientiert sich vor allem an knöchernen Strukturen; Kontrastmittel kann die Lage in Gelenk-, Diskus- oder Epiduralräumen zusätzlich bestätigen.

Entscheidend ist die wissenschaftliche Trennung: Bildführung kann die Zielgenauigkeit erhöhen. Ob dadurch auch das klinische Ergebnis einer PRP-Behandlung besser wird, ist eine eigene Frage und bislang nur für wenige Indikationen direkt untersucht.

Von 100 Injektionen landen im Gelenk …

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Knie, ohne Bildführung

Iliosakralgelenk, mit Bildführung

75 %intraartikulär

Anteromedialer Zugang ohne Bildführung, Lage fluoroskopisch geprüft. Jackson et al. 2002

Treffer: Landmarkenführung Treffer: Bildführung außerhalb des Gelenks

Gerundete Darstellung publizierter Trefferquoten1,2,8. Die Werte stammen aus unterschiedlichen Studien mit Kortikosteroid-, Hyaluronsäure- oder Kontrastmittelinjektionen und sagen nichts über die Wirksamkeit von PRP aus.

Kurzfassung

Das Wichtigste in vier Sätzen

Treffergenauigkeit hängt von Ziel und Zugang ab.Am Knie erreichen günstige landmarkengeführte Zugänge hohe Trefferquoten, andere Zugänge deutlich niedrigere. Bildführung verbessert die Genauigkeit in vielen muskuloskelettalen Interventionen.24

Bildgebung ist nicht gleich Bildgebung.Die EULAR bevorzugt Ultraschall bei gezielten Interventionen an peripheren Gelenken und Nerven. Für Wirbelsäule und Iliosakralgelenk soll die Wahl nach Zielstruktur, Verfahren, Erfahrung, Verfügbarkeit und Strahlenexposition erfolgen.25

Direkte PRP-Vergleiche gibt es – aber nur wenige.Bei lateraler Epicondylitis zeigte eine randomisierte Studie keinen klinischen Vorteil der Ultraschallführung; eine kleine randomisierte Kiefergelenkstudie von 2026 fand dagegen höhere Treffergenauigkeit und bei einzelnen Endpunkten bessere Verläufe.26,27

Präzision ist nicht gleich Wirksamkeit.Eine korrekt platzierte Injektion belegt noch nicht, dass PRP für die jeweilige Indikation wirksam ist. Herstellung, Applikation und klinischer Effekt müssen getrennt bewertet werden.

Ausgangslage

Warum der Injektionsort bei PRP besonders ins Gewicht fällt

Mehr anatomische Präzision führt nicht bei jedem Injektat automatisch zu einem besseren klinischen Ergebnis. In einer doppelblinden Studie zur Rotatorenmanschette war beispielsweise eine ultraschallgeführte subakromiale Steroidinjektion nicht signifikant wirksamer als dieselbe Dosis bei systemischer intramuskulärer Gabe7. Solche Steroiddaten lassen sich nicht auf PRP übertragen, zeigen aber, warum Treffergenauigkeit und Behandlungserfolg getrennt untersucht werden müssen.

Für PRP ist eine lokale Wirkung biologisch plausibel: Thrombozyten und freigesetzte Mediatoren befinden sich zunächst dort, wo das Präparat appliziert wird. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass jede millimetergenaue Platzierung klinisch überlegen ist. Genau diese Frage wurde bislang nur in wenigen direkten PRP-Vergleichsstudien untersucht.26,27

Bildgebung kann zusätzlich Informationen liefern, die über die reine Nadellage hinausgehen: Sonografisch können beispielsweise Ergüsse, Sehnenstruktur, Gefäße und Nerven dargestellt werden. Ein Erguss verändert Volumen und Verteilung im Gelenk; ob eine Aspiration vor PRP das klinische Ergebnis verbessert, ist damit jedoch nicht automatisch belegt. Die Qualität der PRP-Aufbereitung und die Qualität der Applikation bleiben zwei getrennte Prozessschritte.

Treffsicherheit

Was landmarkengeführte Injektionen tatsächlich treffen

Die meistzitierte Arbeit zum Knie stammt von Jackson und Kollegen. Ein erfahrener Orthopäde injizierte 240-mal in Kniegelenke ohne Erguss, je 80-mal über drei Zugänge, und prüfte die Lage anschließend fluoroskopisch mit Kontrastmittel. Lateral-midpatellar lagen 93 Prozent der Injektionen intraartikulär, anteromedial 75 Prozent, anterolateral 71 Prozent1.

Ein systematischer Review mit 23 Publikationen bestätigt das Muster2. Gepoolt war der superolaterale Zugang ohne Bildführung mit 87 Prozent am genauesten, der medial-midpatellare mit 64 Prozent am ungenauesten. Insgesamt war etwa jede fünfte blinde Kniegelenksinjektion extraartikulär. Bildgeführte Injektionen waren moderat genauer, vor allem an den ungünstigen Zugängen. Erfahrene Injizierende erreichten blind am superolateralen Zugang gute Werte.

Je tiefer und knöchern verborgener das Ziel, desto größer wird der Abstand. Am Iliosakralgelenk verglich eine prospektive randomisierte Studie Ultraschall und Fluoroskopie direkt: 87,3 Prozent der sonografisch geführten und 98,2 Prozent der fluoroskopisch geführten Injektionen lagen intraartikulär8.

Eine breitere systematische EULAR-Auswertung von 66 Studien, darunter 49 randomisierte Studien, kommt in dieselbe Richtung: Bildgeführte Verfahren waren in vielen Vergleichen genauer als reine Palpation oder anatomische Landmarken. Die Autoren betonen jedoch die Heterogenität der Studien und ein häufig moderates bis hohes Verzerrungsrisiko; aus den direkten Vergleichen der Bildgebungsverfahren ließ sich kein universell überlegenes Verfahren ableiten.24

Die American Medical Society for Sports Medicine fasste die Literatur 2015 ebenfalls zusammen. Ultraschallgeführte Injektionen wurden dort als genauer als landmarkengeführte bewertet (SORT A), während Wirksamkeit und Kosteneffektivität schwächer gestützt waren (SORT B).3 Die neueren EULAR Points to Consider gehen deshalb zielstrukturspezifisch vor: Ultraschall wird für periphere Gelenke und Nerven bevorzugt, bei Wirbelsäule und Iliosakralgelenk soll die Modalität individuell gewählt werden.25

Einordnung

Treffsicherheit ist nicht dasselbe wie Wirksamkeit

Dass die Nadel die geplante Struktur erreicht, ist ein technischer Endpunkt. Ob die Patientin oder der Patient dadurch einen zusätzlichen klinischen Nutzen hat, ist ein anderer Endpunkt. Genau diese Unterscheidung ist für PRP zentral.

Eine direkte randomisierte PRP-Studie bei chronischer lateraler Epicondylitis verglich 30 palpationsgeführte mit 30 ultraschallgeführten Injektionen. Schmerz, DASH-Score und Griffkraft verbesserten sich in beiden Gruppen; nach einem, drei und sechs Monaten bestand kein signifikanter Unterschied zwischen den Verfahren.26

Anders fiel eine kleine randomisierte Studie von 2026 am Kiefergelenk aus. Bei 64 Patienten wurde die Lage nach PRP-Injektion fluoroskopisch mit Kontrastmittel kontrolliert. Ultraschall erreichte in dieser Studie 32 von 32 korrekte Platzierungen, Palpation 22 von 32 (100 % vs. 68,8 %). Für einzelne Schmerz- und Funktionsparameter zeigten sich nach drei beziehungsweise sechs Monaten Vorteile der Ultraschallgruppe.27 Wegen der kleinen Stichprobe, des einzelnen Operateurs und der speziellen Zielregion lässt sich daraus keine generelle Überlegenheit ultraschallgeführten PRP ableiten.

Auch PRP-Studien, in denen Bildführung in beiden Gruppen standardisiert eingesetzt wird, mahnen zur Trennung von Applikation und Wirksamkeit. Bei chronischer Achillessehnen-Tendinopathie war ultraschallgeführt appliziertes PRP in randomisierten Studien nicht besser als die jeweilige Kontrollbehandlung.10,11 Präzise Applikation kann einen methodischen Fehler reduzieren; sie ersetzt aber nicht den Wirksamkeitsnachweis für die Indikation.

Direkte PRP-Daten: vorhanden, aber dünn

Die Aussage „es gibt keine direkten Vergleichsstudien“ ist nicht mehr haltbar. Es gibt mindestens randomisierte Daten für laterale Epicondylitis und das Kiefergelenk, mit unterschiedlichen Ergebnissen.26,27 Für eine belastbare, indikationsübergreifende Aussage reicht das nicht. Zusätzlich bleibt die standardisierte Beschreibung von PRP-Präparat und Applikation wichtig; dafür wurde unter anderem die MIBO-Checkliste entwickelt.20

Ultraschall

Ultraschall: das Echtzeitbild für Weichteile und periphere Gelenke

Für oberflächliche Ziele wie Sehnen, Knie, Ellenbogen und Schulter werden hochfrequente Linearsonden eingesetzt. Sie liefern eine feine Auflösung, verlieren aber mit der Tiefe an Bildqualität. Für die Hüfte und für Patienten mit viel Weichteilgewebe braucht es niederfrequente Curved-Array-Sonden, die tiefer eindringen und dafür gröber auflösen.

Bei der Nadelführung unterscheidet man zwei Techniken. In-Plane verläuft die Nadel in der Schallebene und ist über ihre gesamte Länge sichtbar. Out-of-Plane kreuzt sie die Ebene und erscheint nur als heller Punkt, wobei man den Schaft leicht für die Spitze hält. Je steiler der Einstichwinkel, desto schlechter reflektiert die Nadel den Schall zurück zur Sonde.

Der praktische Vorteil liegt im bewegten Bild: Zielstruktur und Nadel können während des Vorschubs beobachtet werden, und auch die Verteilung des Injektats lässt sich je nach Gewebe und Zielraum sonografisch verfolgen. Passt das beobachtete Verteilungsmuster nicht zum geplanten Ziel, kann die Position erneut geprüft werden. Mit Dopplerverfahren lassen sich zusätzlich Gefäße im geplanten Nadelweg darstellen.

Für periphere Gelenke und Nerven bevorzugen die EULAR Points to Consider Ultraschall gegenüber anderen Bildgebungsverfahren.25 Dass Ultraschall in PRP-Studien breit eingesetzt wird, zeigt auch ein systematischer Review zu Tendinopathien mit 33 randomisierten Studien und 2.025 Teilnehmenden.28 Diese Studien belegen jedoch nicht automatisch, dass der Ultraschall selbst den PRP-Effekt verursacht.

Stärken

  • Keine ionisierende Strahlung; wiederholte Echtzeitkontrolle möglich
  • Verteilung des Injektats in Echtzeit sichtbar
  • Erguss, Sehnenläsion, Gefäße und Nerven im selben Bild
  • Praxistauglich, vergleichsweise geringe Investition

Grenzen

  • Stark anwenderabhängig; Ausbildung, regionale Anatomiekenntnis und praktische Erfahrung sind entscheidend
  • Kein Einblick hinter oder in Knochen
  • Nachlassende Bildqualität in der Tiefe und bei Adipositas
  • Am Iliosakralgelenk häufiger Lage im dorsalen Bandapparat statt intraartikulär8

Fluoroskopie

Fluoroskopie: Kontrastmittel zeigt, was PRP nicht zeigt

Unter dem C-Bogen sind Nadel und knöcherne Landmarken direkt sichtbar. Bei vielen intraartikulären und spinalen Interventionen wird zusätzlich eine kleine Menge jodhaltiges Kontrastmittel verwendet, um das Verteilungsmuster im vorgesehenen Zielraum zu kontrollieren und Hinweise auf eine unerwünschte vaskuläre oder intrathekale Lage zu erkennen. Kontrastmittel ergänzt damit die anatomische Nadelkontrolle; es ist nicht bei jeder fluoroskopischen Anwendung in identischer Weise erforderlich.

Eine wichtige Besonderheit: PRP ist nicht röntgendicht und deshalb unter der Durchleuchtung nicht direkt als eigenes Kontrastmittel sichtbar. Wird vorher Kontrastmittel eingesetzt, bestätigt dessen Muster die Position beziehungsweise den zugänglichen Zielraum; die spätere Verteilung von PRP selbst wird damit nicht unmittelbar sichtbar gemacht.

PRP-spezifische Daten unter Fluoroskopie stammen vor allem aus axialen und tiefen Zielregionen. Bei diskogenem Rückenschmerz zeigte eine kleine doppelblinde randomisierte Studie nach intradiskalem PRP kurzfristige Vorteile gegenüber der Kontrollgruppe.13 Für lumbale intradiskale und epidurale PRP-Verfahren bewertet die ASIPP-Leitlinie von 2025 die Evidenz als Level III („fair“), für Facetten- und Iliosakralgelenk als Level IV („limited“).30

Am Iliosakralgelenk zeigt sich außerdem, warum technische Präzision und Wirksamkeit getrennt bleiben müssen: In einer doppelt verblindeten fluoroskopisch geführten RCT mit 26 Patienten verbesserten sich PRP und Kortikosteroid, PRP war der Steroidgruppe jedoch nicht überlegen.29 Eine Meta-Analyse von 2026 über zehn randomisierte beziehungsweise quasi-randomisierte Studien zu Facetten- und SI-Gelenksschmerz fand zwar spätere Schmerzvorteile zugunsten von PRP, bewertete die Evidenz insgesamt aber weiterhin als nicht abschließend.31

CT kann bei ausgewählten spinalen Interventionen eine Alternative sein, etwa bei interlaminären epiduralen PRP-Injektionen.15 Umgekehrt wurde Ultraschall auch für transforaminale PRP-Injektionen randomisiert untersucht.21 Die Verfahren sind deshalb nicht pauschal austauschbar; Zielstruktur, Intervention, Erfahrung, Geräteverfügbarkeit und Strahlenexposition gehören gemeinsam in die Entscheidung.25

Strahlenschutz in Deutschland

Bei medizinischer Anwendung ionisierender Strahlung ist eine rechtfertigende Indikation durch einen Arzt oder Zahnarzt mit der erforderlichen Fachkunde im Strahlenschutz vorgeschrieben (§ 83 StrlSchG). Die Strahlenschutzverordnung konkretisiert unter anderem die Bewertung des Verfahrens beziehungsweise eines besonders zu begründenden Heilversuchs sowie die Anforderungen an die technische Durchführung (§§ 119, 145 StrlSchV).22 Die Exposition ist so weit einzuschränken, wie es medizinisch vertretbar ist.

Zielstruktur

Welches Verfahren passt zu welcher Zielstruktur?

Die Wahl hängt nicht nur von der Tiefe ab. Zielstruktur, geplanter Eingriff, anatomische Überlagerung, Erfahrung des Anwenders, Geräteverfügbarkeit und bei Röntgenverfahren die Strahlenexposition spielen zusammen.25 Die folgende Zuordnung ist deshalb eine Orientierung und keine Verfahrensvorgabe.

Weichteile und periphere Gelenke

Achsenskelett und Knochen

Lage der Zielstruktur: Oberflächlich

Kniegelenk

Ultraschall, LinearsondeOhne Bildführung: superolateral am genauesten

Warum dieses Verfahren

Der Recessus suprapatellaris ist gut darstellbar. Ein Erguss wird erkannt und kann vor der PRP-Gabe abpunktiert werden, damit das Präparat nicht verdünnt wird.

Belege

Ohne Bildführung lag etwa jede fünfte Injektion extraartikulär; bildgeführt waren Injektionen moderat genauer, vor allem an medial-midpatellaren und anterolateralen Zugängen2.

Stolperstein

Beim trockenen Arthroseknie fehlt der Erguss als Orientierung. Anteromediale und anterolaterale Zugänge sind ohne Bild deutlich unzuverlässiger als der lateral-midpatellare1.

Evidenz

Die Studienlage auf einen Blick

Filtern Sie nach Bildgebung und Studientyp. Achten Sie auf die Kennzeichnung oben rechts: Viele Aussagen zur Treffsicherheit stammen nicht aus PRP-Studien.

Bildgebung

Studientyp

Studienübersicht wird geladen

Jackson et al. 2002Treffsicherheit

240 Knieinjektionen ohne Erguss, ein Untersucher, Lage fluoroskopisch geprüft

Intraartikulär: lateral-midpatellar 93 %, anteromedial 75 %, anterolateral 71 %.1

KnieOhne Bildführung
Maricar et al. 2013Treffsicherheit

Systematischer Review, 23 Publikationen

Blind etwa jede fünfte Injektion extraartikulär; bildgeführt moderat genauer. Unter Ultraschall kurzfristig, nicht längerfristig bessere Ergebnisse.2

KnieUltraschallOhne Bildführung
Finnoff et al. 2015 (AMSSM)Treffsicherheit

Positionspapier auf Basis eines systematischen Reviews

Ultraschallgeführte Injektionen genauer (Grad A), wirksamer (Grad B) und kosteneffektiver (Grad B) als landmarkengeführte.3

Gelenke und WeichteileUltraschall
Sibbitt et al. 2009Steroid-Vergleich

Randomisierte Studie, 148 Gelenke, Triamcinolon, Beobachtung zwei Wochen

Sonografisch geführt: 43 % weniger Eingriffsschmerz, höhere Responderrate, häufiger erkannte Ergüsse.4

Verschiedene GelenkeUltraschall
Ekeberg et al. 2009Steroid-Vergleich

Doppelblinde randomisierte Studie, Rotatorenmanschette

Ultraschallgeführte subakromiale Injektion nicht signifikant wirksamer als systemische Gabe in den Gesäßmuskel.7

SchulterUltraschall
Zadro et al. 2021 (Cochrane)Steroid-Vergleich

Systematischer Review, Aktualisierung von Bloom et al. 2012

Kein klinisch relevanter Vorteil bildgeführter gegenüber blinder Glukokortikoid-Injektion bei Schulterschmerz.5,6

SchulterBildgeführt vs. blind
Jee et al. 2014Treffsicherheit

Prospektive randomisierte Studie, Iliosakralgelenk

Intraartikulär: fluoroskopisch 98,2 %, sonografisch 87,3 %.8

ISGUltraschallFluoroskopie
Dragoo et al. 2014PRP-Studie

Doppelblinde randomisierte Studie, 23 Patienten, Patellarsehnen-Tendinopathie

Dry Needling plus leukozytenreiches PRP nach 12 Wochen besser als Dry Needling allein; nach 26 Wochen kein signifikanter Unterschied.9

SehneUltraschall
de Vos et al. 2010PRP-Studie

Randomisierte Studie, 54 Patienten, chronische Achillodynie

Ultraschallgeführtes PRP nach 24 Wochen nicht besser als Kochsalzlösung, jeweils mit exzentrischem Training.10

SehneUltraschall
Kearney et al. 2021 (ATM)PRP-Studie

Multizentrische randomisierte Studie, 240 Patienten, Achillodynie

Kein Unterschied zwischen PRP und Scheininjektion im VISA-A nach sechs Monaten (54,4 vs. 53,4 Punkte).11

Sehne
Singla et al. 2017PRP-Studie

Randomisierte Studie, 40 Patienten, Iliosakralgelenk

Ultraschallgeführtes PRP nach sechs Wochen und drei Monaten mit geringeren Schmerzwerten als Methylprednisolon.12

ISGUltraschall
Tuakli-Wosornu et al. 2016PRP-Studie

Doppelblinde randomisierte Studie, 47 Patienten, diskogener Rückenschmerz

Intradiskales PRP nach acht Wochen mit stärkerer Verbesserung von Schmerz, Funktion und Zufriedenheit als die Kontrollgruppe mit Kontrastmittel.13

BandscheibeFluoroskopie
Centeno et al. 2017Lysat-Studie

Registerfallserie, 470 Patienten, 13 Zentren, ohne Kontrollgruppe, industriefinanziert

Epidurales Thrombozytenlysat unter C-Bogen mit Kontrastmittelbestätigung; Schmerz und Funktion verbessert. Das Injektat enthielt zusätzlich Lidocain und Hydrocortison.14

EpiduralraumFluoroskopie
Sánchez et al. 2016PRP-Studie

Pilotstudie, 14 Patienten, schwere Gonarthrose

Kombination aus intraartikulärem und subchondralem PRP unter Durchleuchtung; KOOS-Schmerz nach sechs Monaten von 61,6 auf 74,6 Punkte.16

KnochenFluoroskopie
Bise et al. 2020PRP-Studie

Nicht randomisierte Vergleichsstudie, 60 Patienten, lumbaler Radikulärschmerz

CT-gesteuerte interlaminäre epidurale Injektion: PRP- und Steroidgruppe nach sechs Wochen jeweils signifikant verbessert.15

EpiduralraumCT
Xu et al. 2021PRP-Studie

Prospektive randomisierte Studie, lumbaler Bandscheibenvorfall

Ultraschallgeführte transforaminale PRP-Injektion im Vergleich mit Steroid; zeigt, dass Ultraschall auch an der Lendenwirbelsäule eingesetzt wird.21

EpiduralraumUltraschall
Dallaudière et al. 2018In vitro

Laborstudie mit PRP und jodhaltigen Kontrastmitteln

Iodixanol und Iopamidol ohne signifikanten Einfluss auf die PRP-Funktion zu einem frühen Zeitpunkt.18

Kontrastmittel
Dregalla et al. 2021In vitro

Laborstudie zu Lokalanästhetika und Thrombozytenfunktion

Bupivacain 0,75 % beeinträchtigte die Thrombozyten; Lidocain 1 % und Ropivacain 0,5 % bis zu einem Mischverhältnis von 1:1 vergleichsweise verträglich.19

Lokalanästhetika
Bosch et al. 2021 (EULAR-SLR)Systematischer Review

66 Studien, davon 49 randomisiert; verschiedene muskuloskelettale Interventionen

Bildgebung erhöhte in vielen Vergleichen die Platzierungsgenauigkeit gegenüber Palpation. Die Studien waren heterogen; ein universell bestes Bildgebungsverfahren ließ sich nicht ableiten.24

EULARGenauigkeit
Dejaco et al. 2022 (EULAR)Empfehlung

EULAR Points to Consider für bildgeführte muskuloskelettale Interventionen

Ultraschall wird für periphere Gelenke und Nerven bevorzugt; an Wirbelsäule und SI-Gelenk soll die Modalität nach Ziel, Verfahren, Expertise, Verfügbarkeit und Strahlenexposition gewählt werden.25

EULARVerfahrenswahl
Sağlam & Çetinkaya Alişar 2023Direkter PRP-Vergleich

Randomisiert, 60 Patienten, chronische laterale Epicondylitis

Ultraschall- und palpationsgeführtes PRP verbesserten VAS, DASH und Griffkraft; nach 1, 3 und 6 Monaten kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen.26

EllenbogenUltraschall vs. Palpation
Pazhanivel et al. 2026Direkter PRP-Vergleich

Randomisiert, 64 Patienten, Kiefergelenk; Lage anschließend fluoroskopisch kontrolliert

Korrekte Platzierung 100 % (32/32) unter Ultraschall versus 68,8 % (22/32) palpationsgeführt; bei einzelnen klinischen Endpunkten Vorteile der Ultraschallgruppe. Kleine, zentrumsgebundene Studie.27

KiefergelenkUltraschall vs. Palpation
Masiello et al. 2023PRP-Systematic Review

33 randomisierte Studien, 2.025 Teilnehmende, Tendinopathien und verwandte Indikationen

Zeigt die breite Verwendung ultraschallgeführter PRP-Injektionen in Studien. Der Review prüft jedoch nicht die Ultraschallführung als isolierte Wirkvariable.28

SehnenUltraschall
Chen et al. 2022PRP-RCT

Doppelt verblindet, 26 Patienten, fluoroskopisch geführte SI-Gelenk-Injektion

PRP und Kortikosteroid verbesserten sich; PRP war der Steroidgruppe nicht überlegen. Präzise Bildführung belegt daher nicht automatisch die Wirksamkeit des injizierten Präparats.29

ISGFluoroskopie
ASIPP 2025Leitlinie

Evidenzbasierte Leitlinie zu regenerativen Verfahren bei chronischem Kreuzschmerz

PRP: intradiskal und epidural Evidenzlevel III („fair“), Facetten- und SI-Gelenk Evidenzlevel IV („limited“).30

WirbelsäuleLeitlinie
Alatefi et al. 2026Meta-Analyse

10 randomisierte oder quasi-randomisierte Studien, 392 Patienten, Facetten- und SI-Gelenksschmerz

Spätere Schmerzendpunkte fielen teils zugunsten von PRP aus; die Autoren bewerten die Evidenz wegen der begrenzten Datenlage weiterhin als nicht abschließend.31

Facette/ISG2026

Verfahrensdetails

Was mit dem PRP in Kontakt kommt

Je nach Verfahren können zusätzliche Substanzen mit dem Ablauf verbunden sein. Jodhaltiges Kontrastmittel wird vor allem bei fluoroskopischen oder CT-gestützten Interventionen zur Lagekontrolle eingesetzt. Lokalanästhetika sind dagegen keine Besonderheit der Bildgebung und können unabhängig vom gewählten Bildgebungsverfahren verwendet werden. Für einen direkten Kontakt mit PRP stammen die verfügbaren Daten überwiegend aus Laboruntersuchungen.

In-vitro-Befund

Was untersucht wurde

Lidocain 1 % und Ropivacain 0,5 % zeigten im Labor bis zu einem Mischverhältnis von 1:1 mit PRP vergleichsweise geringe Effekte auf die Thrombozyten19.

Einordnung

Klinische Daten, aus denen sich ein allgemeines Mischprotokoll für PRP und Lokalanästhetika ableiten ließe, fehlen. In der Registerstudie zu epiduralem Lysat wurde beispielsweise 4-prozentiges Lidocain verwendet, also eine andere Konzentration als in der Laborstudie.14 Laborergebnisse dürfen deshalb nicht auf beliebige Konzentrationen oder PRP-Systeme übertragen werden.

Laborbefunde sind keine Anwendungsempfehlung. Ob und womit PRP kombiniert wird, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt unter Beachtung der Herstellerangaben des Aufbereitungssystems.

Ablauf

Vom Röhrchen zur Nadelspitze

Der folgende Ablauf ist eine schematische Gegenüberstellung und kein Behandlungsprotokoll. Welche Schritte erforderlich sind, richtet sich nach Zielstruktur, Bildgebungsverfahren, Produktangaben und den fachlichen Standards des jeweiligen Eingriffs. Wie sich zusätzlicher Zeitaufwand wirtschaftlich einordnen lässt, zeigt unsere PRP-Kosten-Nutzen-Analyse.

  1. Indikation und Aufklärung

    Zielstruktur, Präparat und Verfahren festlegen und die Patientin oder den Patienten aufklären.

  2. Zielstruktur vorab darstellen

    Zielstruktur, Erguss und Nadelweg sonografisch darstellen; Gefäße im Power-Doppler identifizieren.

  3. PRP aufbereiten

    Blutentnahme und Zentrifugation nach dem validierten Protokoll des Systems, so getaktet, dass das Präparat bereitsteht, wenn die Nadel liegt. Die Verwendungsfrist des Herstellers gilt auch dann, wenn die Positionierung länger dauert. Protokolldaten etwa für Vi PRP-PRO und die Umrechnung auf Ihre Zentrifuge finden Sie im RCF/RPM-Rechner.

  4. Nadel positionieren

    Nadel unter geeigneten sterilen Bedingungen und gewählter Sonografietechnik vorschieben; eine gegebenenfalls geplante Aspiration ist von der Indikation und Situation abhängig. Kanülenlänge und Kaliber müssen zur Zieltiefe und zum Eingriff passen.

  5. Lage bestätigen und applizieren

    Die ersten Zehntelmilliliter beobachten: Die Verteilung im Zielraum ist sichtbar, eine Fehllage lässt sich sofort korrigieren.

  6. Dokumentieren

    Standbild oder Clip von Nadellage und Verteilung, dazu Zugang, Volumen und Präparatdaten.

Rechtsrahmen

Der rechtliche Rahmen in Deutschland, kompakt

Herstellung des PRP

Die Herstellung und Anwendung autologer Blutprodukte kann arzneimittelrechtlich relevant sein. § 13 Abs. 2b AMG enthält eine Ausnahme von der Herstellungserlaubnis für bestimmte patientenbezogene Herstellungsfälle unter unmittelbarer fachlicher Verantwortung einer zur Ausübung der Heilkunde befugten Person; § 67 AMG enthält Anzeigepflichten.23 Ob und wie diese Voraussetzungen im konkreten Praxisablauf erfüllt sind, muss anhand des tatsächlichen Herstellungs- und Anwendungskonzepts geprüft werden.

Wer was darf, erklärt der Beitrag Wer darf PRP-Therapie durchführen?

Bildgebung und Qualifikation

Für die Anwendung ionisierender Strahlung gelten Strahlenschutzgesetz und Strahlenschutzverordnung. Dazu gehören unter anderem die rechtfertigende Indikation, die erforderliche Fachkunde beziehungsweise Kenntnisse sowie Vorgaben für die Durchführung und Dokumentation.22

Für sonografische Leistungen in der GKV gilt die Ultraschall-Vereinbarung; unabhängig davon bieten die DEGUM-Stufen einen anerkannten Qualifikationsnachweis.

Abrechnung

PRP wird in der Regel privatärztlich erbracht. Wie Aufbereitung, Blutentnahme und Injektion nach GOÄ eingeordnet werden, erläutert der Praxisleitfaden zur PRP-Abrechnung nach GOÄ.

Medizinprodukte

PRP-Röhrchen und Zentrifugen haben eine definierte Zweckbestimmung für die Aufbereitung. Injektionsort, Bildgebung und Technik sind ärztliche Anwendungsentscheidungen. Worauf es bei der Produktauswahl ankommt, zeigt der Beitrag Woran Sie geeignete PRP-Röhrchen erkennen.

Diese Übersicht ist keine Rechtsberatung. Maßgeblich sind die geltenden Vorschriften und die Auskünfte der zuständigen Behörden und Kammern.

Kommunikation

Präzision korrekt kommunizieren

Bildführung kann ein technisches Qualitätsmerkmal der Applikation sein, darf aber nicht mit einem garantierten Behandlungserfolg gleichgesetzt werden. Das Heilmittelwerbegesetz verbietet irreführende Angaben, insbesondere zu nicht belegten Wirkungen (§ 3 HWG). Für die Praxiskommunikation ist deshalb entscheidend, technische Präzision und klinische Wirksamkeit sprachlich sauber zu trennen:

Durch Studien gedeckt

  • Bildführung erhöht bei vielen, aber nicht allen muskuloskelettalen Zugängen die dokumentierte Treffergenauigkeit gegenüber reiner Landmarkenführung.
  • Ultraschall zeigt Erguss, Sehnenveränderungen und Gefäße vor und während der Injektion.
  • Die Fluoroskopie bestätigt die Nadellage an Wirbelsäule und Iliosakralgelenk mit Kontrastmittel.
  • Am Iliosakralgelenk war die Fluoroskopie in einer randomisierten Studie genauer als Ultraschall.

Nicht belegt

  • Bildgeführtes PRP ist generell und indikationsübergreifend wirksamer als PRP ohne Bildführung.
  • Bildführung garantiert oder verbessert den Behandlungserfolg.
  • Ergebnisse aus Kortikosteroid-Studien gelten unverändert für PRP.
  • Formulierungen wie „punktgenaue Regeneration“ oder vergleichbare Heilversprechen.

Werbeaussagen im Zweifel vor Veröffentlichung rechtlich prüfen lassen.

Häufige Fragen

Fragen aus der Praxis

Muss eine PRP-Injektion bildgeführt erfolgen?

Eine allgemeine gesetzliche Pflicht zur Bildführung jeder PRP-Injektion gibt es nicht. Fachlich hängt die Wahl von Zielstruktur und Verfahren ab. Die EULAR empfiehlt bei gezielten muskuloskelettalen Interventionen grundsätzlich, Bildgebung gegenüber reiner Palpation zu bevorzugen, favorisiert Ultraschall bei peripheren Gelenken und Nerven und verlangt für Wirbelsäule und Iliosakralgelenk eine individuelle Verfahrenswahl.25

Verbessert Bildführung das Ergebnis einer PRP-Behandlung?

Eine generelle Verbesserung ist nicht belegt. Direkte randomisierte PRP-Vergleiche existieren, sind aber selten und widersprüchlich: Bei lateraler Epicondylitis zeigte Ultraschall gegenüber Palpation keinen zusätzlichen klinischen Vorteil; eine kleine Kiefergelenkstudie von 2026 fand dagegen eine höhere Treffergenauigkeit und bei einzelnen späteren Endpunkten Vorteile der Ultraschallgruppe.26,27

Warum ist PRP unter Durchleuchtung nicht sichtbar?

PRP absorbiert Röntgenstrahlung kaum stärker als das umgebende Gewebe. Die Nadellage wird deshalb vorher mit einer kleinen Menge jodhaltigem Kontrastmittel bestätigt; die Verteilung des PRP wird daraus abgeleitet.

Wann ist Fluoroskopie dem Ultraschall überlegen?

Fluoroskopie ist besonders nützlich, wenn knöcherne Landmarken oder eine kontrastmittelgestützte Bestätigung eines tiefen Zielraums entscheidend sind. Am Iliosakralgelenk war die intraartikuläre Trefferquote in einer randomisierten Studie fluoroskopisch höher als sonografisch (98,2 % vs. 87,3 %). Daraus folgt aber keine pauschale klinische Überlegenheit; für Wirbelsäule und SI-Gelenk empfiehlt die EULAR eine situationsabhängige Auswahl.8,25

Darf PRP mit Kontrastmittel oder Lokalanästhetikum in Kontakt kommen?

Dazu gibt es vor allem Laborstudien. Für Iodixanol und Iopamidol wurden zu frühen Messzeitpunkten keine signifikanten Veränderungen der untersuchten PRP-Parameter gefunden; Bupivacain 0,75 % zeigte in vitro stärkere ungünstige Effekte auf Thrombozyten als Lidocain 1 % oder Ropivacain 0,5 %.18,19 Daraus lässt sich kein allgemeines klinisches Misch- oder Anwendungsprotokoll ableiten.

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Quellen

Literatur und Rechtsquellen

  1. Jackson DW, Evans NA, Thomas BM. Accuracy of needle placement into the intra-articular space of the knee. J Bone Joint Surg Am. 2002;84(9):1522–1527. PMID 12208907.
  2. Maricar N, Parkes MJ, Callaghan MJ, Felson DT, O’Neill TW. Where and how to inject the knee – a systematic review. Semin Arthritis Rheum. 2013;43(2):195–203. PMID 24157093.
  3. Finnoff JT, Hall MM, Adams E, et al. American Medical Society for Sports Medicine position statement: interventional musculoskeletal ultrasound in sports medicine. Clin J Sport Med. 2015;25(1):6–22. PMID 25536481. doi:10.1097/JSM.0000000000000175.
  4. Sibbitt WL Jr, et al. Does sonographic needle guidance affect the clinical outcome of intraarticular injections? J Rheumatol. 2009;36(9):1892–1902. PMID 19648304.
  5. Bloom JE, Rischin A, Johnston RV, Buchbinder R. Image-guided versus blind glucocorticoid injection for shoulder pain. Cochrane Database Syst Rev. 2012;(8):CD009147. PMID 22895984.
  6. Zadro J, et al. Image-guided glucocorticoid injection versus injection without image guidance for shoulder pain. Cochrane Database Syst Rev. 2021;8:CD009147. PMID 34435661.
  7. Ekeberg OM, Bautz-Holter E, Tveitå EK, et al. Subacromial ultrasound guided or systemic steroid injection for rotator cuff disease: randomised double blind study. BMJ. 2009;338:a3112.
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