Dyspareunie, PRP und Lebensqualität: Was aktuelle Studien zeigen

Dyspareunie · PRP · Evidenz

Dyspareunie, PRP und Lebensqualität: Was die aktuelle Forschung zeigt

Schmerzen beim Geschlechtsverkehr können sehr unterschiedliche Ursachen haben. Genau deshalb ist die Frage nach PRP komplizierter als ein einfaches „wirkt“ oder „wirkt nicht“. Die aktuelle Literatur zeigt erste kontrollierte Signale bei bestimmten vulvovaginalen Erkrankungen, liefert aber keinen Nachweis für PRP als allgemeine Standardtherapie der Dyspareunie.

Recherche-Stand: 03.09.2026 Fokus: GSM, VVA, Lichen sclerosus, Sexualfunktion Keine individuelle Therapieempfehlung
Kurzantwort: Die Datenlage zu PRP in der Gynäkologie ist 2026 interessanter als noch vor wenigen Jahren. Randomisierte Studien berichten Verbesserungen einzelner Beschwerden und Sexualfunktions-Scores, besonders bei vulvovaginaler Atrophie beziehungsweise Genitourinary Syndrome of Menopause (GSM). Gleichzeitig fehlen große, langfristige und standardisierte Studien. Dyspareunie selbst ist keine einheitliche PRP-Indikation.

Visueller Schnellüberblick

Die aktuelle PRP-Evidenz auf einen Blick

18Studien umfasst die aktuelle systematische Übersicht zu vulvovaginalem PRP.3
480Personen wurden in dieser Übersichtsarbeit insgesamt erfasst.3
2randomisierte Studien liefern derzeit die stärksten klinischen Signale bei VVA beziehungsweise GSM.45
1offene S3-Leitlinienempfehlung gibt es 2026 für PRP bei genitalem Lichen sclerosus.8

Evidenzlandkarte 2026

Mit Maus oder Tastatur über die Balken gehen: Die Hinweise fassen zusammen, wie belastbar die Datenlage je Themenfeld aktuell wirkt.

Dyspareunie allgemein
schwach
Keine robuste Evidenz dafür, PRP indikationsübergreifend als allgemeine Behandlung der Dyspareunie darzustellen.
GSM / VVA
Signal
Hier liegen derzeit die interessantesten randomisierten Daten vor: Verbesserungen bei FSFI, Schmerz und teils Lebensqualität, aber noch keine Standardtherapie.
Weibliche Sexualfunktion
begrenzt
Das placebo-kontrollierte RCT von 2026 ist interessant, untersucht aber nicht gezielt Patientinnen mit diagnostizierter Dyspareunie.
Genitaler Lichen sclerosus
offen empfohlen
Die S3-Leitlinie 2026 ordnet PRP hier erstmals ausdrücklich ein: PRP kann erwogen werden, ersetzt aber die Standardtherapie nicht.
Vulvodynie / Beckenboden / tiefe Dyspareunie
kaum Daten
Für diese Bereiche reicht die Evidenz aktuell nicht aus, um PRP als etablierten Ansatz zu präsentieren.
nicht belegt klinisches Signal offene Leitlinienempfehlung
Wichtig: Die Balken zeigen keine Effektschätzer und keine Meta-Analyse. Sie sind eine redaktionelle Visualisierung der im Artikel eingeordneten Evidenzstärke.

Grundlagen

Dyspareunie beschreibt ein Symptom, keine einheitliche Erkrankung

Dyspareunie bezeichnet wiederkehrende oder anhaltende Schmerzen im Zusammenhang mit Geschlechtsverkehr beziehungsweise vaginaler Penetration. Die Beschwerden können bereits beim Eindringen auftreten, sich auf Vulva oder Scheideneingang konzentrieren oder als tiefer Beckenschmerz wahrgenommen werden. In der modernen sexualmedizinischen Terminologie wird Dyspareunie teilweise gemeinsam mit Vaginismus unter dem Begriff genito-pelvic pain/penetration disorder zusammengefasst.1

Für die klinische Einordnung ist entscheidend, woher der Schmerz kommt. Eine Patientin mit postmenopausaler Schleimhautatrophie hat eine andere Ausgangslage als eine Patientin mit Lichen sclerosus, Beckenbodendysfunktion, Vestibulodynie oder Endometriose. Aktuelle Übersichten betonen deshalb eine individuelle Diagnostik und ursachenbezogene Behandlung.2

Warum Schmerzen beim Geschlechtsverkehr so unterschiedliche Ursachen haben können

Schleimhaut & Hormone

GSM und vulvovaginale Atrophie

Nach der Menopause können Trockenheit, verminderte Lubrikation, Fragilität des Gewebes und Brennen zu Schmerzen bei Penetration beitragen.

Dermatologie & Entzündung

Lichen sclerosus und andere Dermatosen

Entzündliche Erkrankungen können Fissuren, Narben, Schmerzen oder Brennen verursachen und dadurch die sexuelle Funktion beeinträchtigen.

Muskulär & neurologisch

Beckenboden und Schmerzsyndrome

Überaktive Beckenbodenmuskulatur, Vestibulodynie, neuropathische Beschwerden oder andere chronische Schmerzmechanismen können beteiligt sein.

Auch psychische Belastungen, Erwartungsangst, frühere Schmerzerfahrungen und Beziehungsfaktoren können Beschwerden verstärken. Das macht den Schmerz nicht „psychisch“. Bei chronischen Schmerzsyndromen können körperliche Reize, Angst vor erneutem Schmerz und muskuläre Schutzspannung einander verstärken.

Biologischer Ansatz

Wo kommt Platelet-Rich Plasma überhaupt ins Spiel?

Platelet-Rich Plasma (PRP) ist eine aus autologem Blut gewonnene Plasmafraktion mit erhöhter Thrombozytenkonzentration. Thrombozyten enthalten zahlreiche Signalproteine und Wachstumsfaktoren. Daraus ergibt sich die biologische Hypothese, dass PRP Prozesse wie Gewebereparatur, Angiogenese und lokale Zellkommunikation beeinflussen könnte.

Wichtig: Biologische Plausibilität ist noch kein klinischer Wirksamkeitsnachweis. Ob eine PRP-Anwendung Schmerzen, Dyspareunie oder sexuelle Funktionsstörungen zuverlässig verbessert, muss in kontrollierten Studien gezeigt werden.

Hinzu kommt: „PRP“ ist kein vollständig standardisiertes Produkt. Aufbereitungssystem, Antikoagulans, Zellzusammensetzung, Aktivierung, Endvolumen, Injektionsort und Anzahl der Behandlungen unterscheiden sich in der Literatur erheblich. Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit zu vulvovaginalem PRP nennt diese Heterogenität ausdrücklich als zentrale Einschränkung.3

Grundlagen zur technischen Gewinnung sind im internen Fachbeitrag „Was ist Platelet-Rich Plasma (PRP)?“ zusammengefasst.

Studienlage 2025/2026

Was zeigt die aktuelle Evidenz zu PRP bei Beschwerden, die mit Dyspareunie verbunden sein können?

Bereich Was liegt vor? Einordnung 2026
Dyspareunie allgemein Keine überzeugende Evidenz für PRP als universelle Behandlung unabhängig von der Ursache. Nicht belegt
GSM / vulvovaginale Atrophie Randomisierte Studien mit Verbesserungen von FSFI, vaginalen Gesundheitsparametern und teils Lebensqualität. Klinisches Signal
Weibliche Sexualfunktion 2026 publiziertes placebo-kontrolliertes RCT zeigt einen größeren Anstieg des Gesamt-FSFI unter PRP. Interessant, noch begrenzt
Genitaler Lichen sclerosus Aktuelle deutschsprachige S3-Leitlinie: PRP kann bei Frauen mit genitalem LS erwogen werden. Offene Leitlinienempfehlung
Vulvodynie / Beckenboden / tiefe Dyspareunie Keine ausreichende Evidenz für PRP als etablierte Behandlung. Nicht als Standard darstellen

Die wichtigsten neuen Studien im Überblick

2025

60 postmenopausale Frauen mit vulvovaginaler Atrophie: PRP versus Kochsalz

In einer prospektiven, doppelblinden randomisierten Studie erhielten 30 Teilnehmerinnen intramukosales PRP und 30 Kochsalz. Nach vier Monaten verbesserten sich der Female Sexual Function Index (FSFI) und mehrere Lebensqualitätsbereiche unter PRP stärker als unter Placebo.4

Einordnung: relevantes Placebo-kontrolliertes Signal, aber kleine Stichprobe und kurze Nachbeobachtung.

2025

90 postmenopausale Frauen: drei PRP-Sitzungen versus vaginales Estriol

Beide Gruppen verbesserten sich bei FSFI und Vaginal Health Index. Der mittlere Anstieg des Gesamt-FSFI war unter PRP etwas größer, der Unterschied zwischen den Gruppen jedoch nicht statistisch signifikant. Auch Dyspareunie verbesserte sich in beiden Gruppen.5

Einordnung: kein Nachweis einer Überlegenheit von PRP gegenüber lokaler Estrioltherapie.

2026

52 prämenopausale Frauen: PRP versus Kochsalz zur sexuellen Funktion

Ein randomisiertes, placebo-kontrolliertes Pilot-RCT untersuchte eine einmalige Injektion in die distale vordere Vaginalwand. Der Gesamt-FSFI stieg unter PRP stärker. Nach sechs Monaten berichteten 69,2 % der PRP-Gruppe gegenüber 34,6 % der Kontrollgruppe über eine subjektive Verbesserung im PGI-I. Schwere unerwünschte Ereignisse wurden nicht berichtet.6

Einordnung: positive Daten zur Sexualfunktion, aber keine spezifische Studie an Patientinnen mit diagnostizierter Dyspareunie.

2026

Systematische Übersicht: 18 vulvovaginale PRP-Studien, 480 Personen

Die häufigsten untersuchten Bereiche waren Lichen sclerosus, sexuelle Dysfunktion und vulvovaginale Atrophie. Insgesamt wurden zwar Verbesserungen berichtet, die Autoren betonen aber kleine Kollektive, unterschiedliche Protokolle und methodische Schwächen, die definitive Schlussfolgerungen verhindern.3

PRP bei vulvovaginaler Atrophie und GSM

Für das Genitourinary Syndrome of Menopause (GSM) ist die Evidenz inzwischen konkreter als für viele andere Ursachen von Dyspareunie. Die neuen PRP-Studien zeigen Verbesserungen bei vaginaler Gesundheit, Lubrikation, Schmerz und Sexualfunktions-Scores. Das ist klinisch interessant, ändert aber die Leitlinienlage noch nicht grundsätzlich.

Die AUA/SUFU/AUGS-Leitlinie zum GSM von 2025 sieht die robusteste Evidenz weiterhin bei niedrig dosiertem lokalem vaginalem Östrogen. Je nach Situation werden außerdem vaginale DHEA-Präparate, Ospemifen sowie nicht-hormonelle Feuchtigkeitsprodukte oder Lubrikanzien beschrieben. PRP gehört dort nicht zu den etablierten Standardbehandlungen.7

Wichtig für die Interpretation: Einige der relevanten PRP-Studien wurden erst nach Erstellung der 2025er Leitlinie veröffentlicht. Das macht die neuen Daten wissenschaftlich interessant, aber noch nicht automatisch leitlinienverändernd.

Was wissen wir über PRP und weibliche Sexualfunktion?

Der 2026 veröffentlichte Versuch von Clarke und Kollegen ist derzeit eine der methodisch interessanteren Arbeiten, weil eine Kochsalz-Kontrollgruppe vorhanden war. Der Gesamt-FSFI entwickelte sich unter PRP günstiger, und auch die subjektiv wahrgenommene Verbesserung war nach sechs Monaten häufiger.6

Die Einschränkung ist für das Thema Dyspareunie entscheidend: Die Teilnehmerinnen wurden nicht wegen einer diagnostizierten Dyspareunie aufgenommen und hatten keine schwere sexuelle Funktionsstörung. Die Studie liefert daher ein Signal zur Sexualfunktion, aber keinen Beweis dafür, dass PRP eine allgemeine Therapie gegen Schmerzen beim Geschlechtsverkehr ist.

Neue Leitlinienentwicklung

Sonderfall Lichen sclerosus: PRP ist 2026 erstmals konkret in der S3-Leitlinie eingeordnet

Lichen sclerosus ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung, die im Genitalbereich unter anderem Juckreiz, Schmerzen, Fissuren, Vernarbungen und Dyspareunie verursachen kann. Für diesen Bereich ist die Entwicklung 2026 besonders relevant.

Die deutschsprachige evidenz- und konsensbasierte S3-Leitlinie formuliert für Frauen mit genitalem Lichen sclerosus: Eine Behandlung mit Platelet-Rich Plasma kann erwogen werden. Es handelt sich ausdrücklich um eine offene Empfehlung bei mehr als 75 % Konsens. Die Leitlinie erklärt selbst, dass eine offene Empfehlung bedeutet, dass aufgrund der Datenlage derzeit keine klare Empfehlung für oder gegen das Verfahren möglich ist.8

Das ist keine Ablösung der Standardtherapie. Potente beziehungsweise ultrapotente topische Glukokortikoide in Kombination mit pflegenden Externa bleiben die Standardbehandlung des genitalen Lichen sclerosus.8

Warum ist diese Leitlinienaussage trotzdem relevant?

Weil PRP damit nicht mehr nur in Fallserien und kleineren Studien diskutiert wird, sondern in einer aktuellen S3-Leitlinie indikationsspezifisch eingeordnet ist. Gleichzeitig schützt die Formulierung „kann erwogen werden“ vor einer Überinterpretation: Sie ist gerade keine Routineempfehlung.

Eine Review aus 2026 bewertet PRP bei genitalem Lichen sclerosus ebenfalls als potenziell ergänzenden Ansatz, weist aber auf kleine Fallzahlen, fehlende Kontrollgruppen, kurze Nachbeobachtung und nicht standardisierte Protokolle hin.9

PRP ist nicht gleich PRP – und Dyspareunie nicht gleich Dyspareunie

Ein häufiger Fehler in der öffentlichen Diskussion besteht darin, Studien aus verschiedenen Indikationen zusammenzuwerfen. Ein positiver Befund bei postmenopausaler Atrophie lässt sich nicht automatisch auf Vulvodynie übertragen. Ergebnisse bei Lichen sclerosus sind kein Wirksamkeitsnachweis für Endometriose. Und ein besserer Gesamt-FSFI bedeutet nicht zwangsläufig, dass eine klinisch relevante Dyspareunie verschwunden ist.

1 · DiagnoseWas verursacht die Schmerzen?
2 · PRP-PräparatWie wurde das Blutprodukt hergestellt?
3 · AnwendungWo, wie oft und in welchem Volumen wurde injiziert?
4 · EndpunktWurde Schmerz, FSFI, Gewebeparameter oder Lebensqualität gemessen?

Die derzeitige Forschung spricht deshalb eher für indikationsabhängige Effekte, die getrennt untersucht werden müssen, als für eine allgemeine „PRP-Behandlung der Dyspareunie“.

Patientenrelevante Endpunkte

Was bedeutet „Verbesserung der Lebensqualität“ in den Studien?

Schmerzen beim Geschlechtsverkehr betreffen häufig mehr als den Schmerz selbst. Vermeidung sexueller Aktivität, Erwartungsangst, Belastungen der Partnerschaft und Veränderungen des eigenen Körpererlebens können hinzukommen. Studien versuchen diese Bereiche mit standardisierten Fragebögen abzubilden.

  • FSFI: bewertet unter anderem Verlangen, Erregung, Lubrikation, Orgasmus, Zufriedenheit und Schmerz.
  • SF-36: erfasst verschiedene Bereiche der gesundheitsbezogenen Lebensqualität.
  • PGI-I: bildet die subjektive globale Einschätzung einer Veränderung ab.
  • DIVA / VHI / VAS: werden je nach Studie für vaginale Beschwerden, Gewebeparameter oder Symptomintensität eingesetzt.
FSFIMisst mehrere Bereiche sexueller Funktion inklusive Schmerz und Zufriedenheit.patientenrelevant
SF-36Zeigt, ob ein möglicher Effekt über das Symptom hinaus den Alltag und das Wohlbefinden berührt.Lebensqualität
PGI-IErfasst die subjektive Gesamteinschätzung der Patientin nach der Behandlung.Globaler Eindruck
VHI / VAS / DIVAOrdnen Gewebequalität, Beschwerdestärke und alltagsnahe vaginale Symptome ein.kontextabhängig

In der placebo-kontrollierten VVA-Studie mit 60 Frauen verbesserten sich neben dem FSFI auch mehrere Bereiche des SF-36.4 Eine kleine prospektive Pilotstudie mit 20 Brustkrebsüberlebenden und GSM berichtete nach einer einmaligen PRP-Anwendung ebenfalls Verbesserungen mehrerer Symptom-, Sexualfunktions- und Lebensqualitätsparameter. Da die Studie keine Kontrollgruppe hatte, lässt sich daraus aber kein sicherer Behandlungseffekt ableiten.10

Saubere Formulierung: Einige Studien bei Erkrankungen, die mit Dyspareunie verbunden sein können, berichten Verbesserungen von Sexualfunktion und Lebensqualitätsparametern nach PRP. Ob diese Effekte reproduzierbar, langfristig und klinisch relevant sind, ist noch nicht abschließend geklärt.

Wie sicher sind vaginale oder vulväre PRP-Injektionen?

Die bisher publizierten Studien zeigen überwiegend leichte und vorübergehende Beschwerden. In der Pilotstudie bei Brustkrebsüberlebenden wurden unter anderem kurzfristiges Spotting, Reizung, Ausfluss, Brennen, Krämpfe oder leichte Schmerzen beschrieben; diese Ereignisse klangen innerhalb von 24 Stunden ab. Schwere unerwünschte Ereignisse wurden dort nicht beobachtet.10

Auch die systematische Übersicht über 18 vulvovaginale PRP-Studien berichtet überwiegend wenige und milde unerwünschte Ereignisse.3 Daraus folgt aber nicht, dass das Verfahren risikofrei wäre. Seltene Komplikationen und langfristige Auswirkungen können mit kleinen Studien und kurzen Beobachtungszeiträumen nur begrenzt erfasst werden.

Methodik & Reproduzierbarkeit

Warum es noch kein allgemeingültiges „PRP-Protokoll gegen Dyspareunie“ gibt

Die Studien verwenden unterschiedliche Blutmengen, Zentrifugationsverfahren, PRP-Volumina, Aktivierungsmethoden, Injektionsorte und Behandlungsintervalle. Manche untersuchen eine einzelne Anwendung, andere mehrere Sitzungen. Teilweise fehlt sogar eine ausreichende Charakterisierung des tatsächlich applizierten PRP.

Damit sind Ergebnisse eines Studienprotokolls nicht automatisch auf ein anderes Röhrchensystem oder eine andere Zentrifuge übertragbar. Fachanwender finden technische Hintergründe zu PRP-Röhrchen und ihren unterschiedlichen Aufbereitungskonzepten sowie zu Zentrifugen, RCF und Röhrchenkompatibilität in den entsprechenden Fachbereichen von PRPmed.

Für die Übertragung von Zentrifugationswerten ist außerdem wichtig, RCF und RPM nicht gleichzusetzen. Der interne Leitfaden „PRP-Röhrchen und Zentrifugen richtig kombinieren“ erklärt den Zusammenhang zwischen Röhrchen, Rotor, Rotorradius, RCF und Laufzeit.

Was bedeutet der Forschungsstand für die medizinische Praxis?

Die aktuelle Evidenz spricht gegen eine pauschale Betrachtung von Dyspareunie als eigenständige PRP-Indikation. Vor einer interventionellen Behandlung sollte geklärt werden, ob zum Beispiel GSM, eine vulväre Dermatose, eine Beckenbodendysfunktion, Vulvodynie oder eine andere gynäkologische Ursache vorliegt.

Für GSM existieren etablierte leitlinienbasierte Optionen mit deutlich breiterer Evidenzbasis als PRP.7 Beim genitalen Lichen sclerosus hat PRP dagegen inzwischen eine indikationsspezifische offene Empfehlung erhalten, ohne die Standardtherapie mit potenten beziehungsweise ultrapotenten topischen Glukokortikoiden zu ersetzen.8

Wer die gynäkologische PRP-Literatur breiter einordnen möchte, findet dazu den internen Überblick „PRP in Gynäkologie: Was hinter ‚vaginaler Verjüngung‘ fachlich steckt“.

Fachliche Einordnung

Was lässt sich 2026 seriös über PRP bei Dyspareunie sagen?

Die Forschung ist inzwischen weiter als in älteren Übersichtsartikeln. Besonders bei postmenopausaler vulvovaginaler Atrophie beziehungsweise GSM zeigen erste randomisierte Studien Verbesserungen von Schmerz, Sexualfunktion und teilweise Lebensqualitätsparametern. Zusätzlich liefert ein placebo-kontrolliertes RCT aus 2026 ein positives Signal für die weibliche Sexualfunktion.46

Für eine allgemeine Behandlungsempfehlung gegen Dyspareunie reicht das jedoch nicht. Es fehlen größere multizentrische Studien, standardisierte PRP-Verfahren, klare indikationsbezogene Patientenselektion und belastbare Langzeitdaten. Die aktuelle systematische Übersicht kommt deshalb trotz überwiegend positiver Einzelbefunde zu dem Ergebnis, dass die methodischen Einschränkungen definitive Aussagen verhindern.3

Die wissenschaftlich sinnvollere Frage lautet nicht: „Wirkt PRP gegen Dyspareunie?“ Sondern: Bei welcher konkreten Ursache von Dyspareunie könnte PRP einen zusätzlichen Nutzen haben, und für welche Patientinnengruppe lässt sich dieser Nutzen kontrolliert nachweisen?

FAQ

Häufige Fragen zu PRP und Dyspareunie

Ist die Wirksamkeit von PRP gegen Dyspareunie wissenschaftlich bewiesen?

Nicht allgemein. Für vulvovaginale Atrophie beziehungsweise GSM liegen inzwischen positive randomisierte Studien vor. Diese Ergebnisse lassen sich jedoch nicht auf sämtliche Ursachen von Dyspareunie übertragen.

Ist PRP bei vaginaler Atrophie besser als lokales Östrogen?

Das ist bislang nicht belegt. In einer randomisierten Studie verbesserten sich sowohl PRP als auch vaginales Estriol. Der Unterschied im Gesamt-FSFI zwischen beiden Gruppen war nicht statistisch signifikant.5

Kann PRP bei Lichen sclerosus eingesetzt werden?

Die deutschsprachige S3-Leitlinie 2026 formuliert für Frauen mit genitalem Lichen sclerosus eine offene Empfehlung: PRP kann erwogen werden. Das ist keine Routineempfehlung und ersetzt nicht die Standardtherapie mit potenten beziehungsweise ultrapotenten topischen Glukokortikoiden.8

Wie viele PRP-Anwendungen sind notwendig?

Dafür gibt es derzeit kein anerkanntes Universalprotokoll. Studien verwenden sowohl Einzelbehandlungen als auch Serien mehrerer Sitzungen. Die fehlende Standardisierung ist ein zentrales Problem der derzeitigen Evidenz.3

Wie lange hält ein möglicher Effekt an?

Das ist nicht ausreichend geklärt. Viele Studien beobachten die Teilnehmerinnen nur über Wochen oder wenige Monate. Dauerhafte Effekte lassen sich daraus nicht ableiten.

Ist PRP wegen der Verwendung von Eigenblut risikofrei?

Nein. Bisher wurden überwiegend milde und vorübergehende Nebenwirkungen beschrieben, aber kleine Studien können seltene oder langfristige Risiken nicht zuverlässig ausschließen.310

Quellen und weiterführende Literatur

  1. Carlson K, Mikes BA. Dyspareunia. StatPearls. Aktualisiert 2026. PubMed
  2. Evaluation and Treatment of Sexual Pain Disorders. 2025. Die Übersicht beschreibt die multifaktorielle Ätiologie sexueller Schmerzstörungen und die Notwendigkeit einer individualisierten Behandlung. PubMed
  3. De Ponte A, Cabrera S, Bermúdez Sparice SS, et al. Platelet-rich plasma in the management of vulvovaginal disorders: a systematic review. J Sex Med. 2026;23(1):qdaf307. PubMed
  4. Value of injection of plasma-rich platelets in the vaginal mucosa in cases with vulvovaginal atrophy: a prospective double-blinded randomized controlled study. Randomisierte Placebo-Studie mit 60 postmenopausalen Frauen. PubMed
  5. Sexual Quality of Life in Postmenopausal Women: A Comparative Randomized Controlled Trial of Intravaginal PRP Therapy Versus Local Hormonal Treatments. 2025. PubMed
  6. Clarke B, Gaddam N, Garcia B, et al. Vaginal Injection of Platelet-Rich Plasma for Sexual Function: A Randomized Controlled Trial. Obstet Gynecol. 2026;147(5):627-635. PubMed
  7. Kaufman MR, Ackerman AL, Amin KA, et al. The AUA/SUFU/AUGS Guideline on Genitourinary Syndrome of Menopause. J Urol. 2025;214(3):242-250. PubMed
  8. Kirtschig G, Woelber L, Günthert A, et al. Evidenz- und konsensbasierte (S3) Leitlinie: Lichen sclerosus. JDDG. 2026. DOI / Open Access
  9. El Attar A, DeLucia C, Landau M, Kroumpouzos G. Platelet-rich plasma in the management of genital lichen sclerosus: A review of mechanisms, evidence, and future directions. Clin Dermatol. 2026;44(2):356-362. PubMed
  10. Chen AH, Trabuco EC, Chumsri S, et al. Platelet-Rich Plasma for Genitourinary Syndrome of Menopause in Breast Cancer Survivors. Obstet Gynecol. 2025;146(5):728-736. PubMed
Medizinischer Hinweis: Dieser Beitrag dient der wissenschaftlichen und allgemeinen Information. Er ersetzt keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder individuelle Therapieentscheidung. Die Evidenz zu PRP unterscheidet sich je nach Indikation und Protokoll. Eine Anwendung invasiver Verfahren gehört in die Hand entsprechend qualifizierter Fachpersonen und muss unter Beachtung der jeweiligen Produktzweckbestimmung, Hygieneanforderungen, Aufklärungspflichten und geltenden rechtlichen Vorgaben erfolgen.
Produkt zur Wunschliste hinzugefügt
Produkt zum Vergleich hinzugefügt.
group_work Cookie-Zustimmung