Autologes PRP wird aus dem Blut desselben Tieres gewonnen, für das es anschließend vorgesehen ist. Durch Zentrifugation entsteht eine Plasmafraktion mit konzentrierten Thrombozyten. Deren Botenstoffe sind an Gerinnungs-, Entzündungs- und Reparaturprozessen beteiligt.
PRP ist jedoch kein einheitliches Präparat. Zellgehalt, Volumen, Antikoagulans, Aufbereitung und Aktivierung unterscheiden sich teils erheblich. Darum lässt sich das Ergebnis einer Studie nicht automatisch auf ein anderes System oder eine andere Tierart übertragen.
Was die Studienlage derzeit hergibt
Hund: Arthrose
Hier liegen vergleichsweise viele klinische Daten vor. Ein systematischer Review von 2025 erfasste 18 Studien mit 379 Hunden. Die Berichte sprechen für mögliche Verbesserungen von Schmerz oder Funktion bei einem Teil der Tiere. Unterschiedliche Präparate, unvollständige Angaben und ein häufig hohes Verzerrungsrisiko verhindern aber eine eindeutige Wirksamkeitsaussage.
Pferd: Gelenke
Eine Metaanalyse von 2024 fand positive Signale für intraartikuläre PRP-Produkte. Nur fünf Studien konnten quantitativ zusammengeführt werden; viele Arbeiten hatten ein hohes Verzerrungsrisiko. Eine Verlangsamung der Arthrose oder Regeneration von Knorpel ist damit nicht belegt.
Pferd: Sehnen und Bänder
Einzelne Studien berichten bessere klinische oder bildgebende Befunde. Eine systematische Übersichtsarbeit von 2024 zeigte für biologische Verfahren insgesamt jedoch keinen gesicherten Vorteil bei der Rückkehr zur Leistung. Für PRP allein ist auch ein Schutz vor erneuter Verletzung nicht nachgewiesen.
Katze, Wunde und Auge
Hier ist die Evidenz deutlich schwächer. Es gibt kleine Pilotstudien und Fallserien, häufig ohne geeignete Kontrollgruppe. Sie liefern Forschungsansätze, aber keine Grundlage für eine allgemeine Routineempfehlung.
Korrekt ist: PRP kann bei ausgewählten Patienten als Ergänzung erwogen werden. Nicht belegt ist, dass PRP Arthrose heilt, Knorpel oder Sehnen zuverlässig regeneriert, eine Operation ersetzt oder einen bestimmten Behandlungserfolg garantiert.
Was ist plättchenreiches Plasma?
PRP steht für Platelet-Rich Plasma, also plättchen- oder thrombozytenreiches Plasma. Nach einer Blutentnahme werden die Blutbestandteile durch Zentrifugation getrennt. Verwendet wird eine Plasmafraktion, die gegenüber dem Ausgangsblut mehr Thrombozyten enthalten soll.
Thrombozyten speichern zahlreiche Signalproteine. Nach ihrer Aktivierung können sie Stoffe freisetzen, die an Entzündung, Gefäßneubildung und Gewebereparatur beteiligt sind. Dieser nachvollziehbare biologische Mechanismus ist aber noch kein klinischer Wirksamkeitsnachweis.
Warum „PRP“ allein zu wenig beschreibt
Die Zusammensetzung kann sich je nach Tier, Ausgangsblut und Aufbereitungssystem stark unterscheiden. Für eine sachliche Bewertung sind unter anderem relevant:
- Ausgangs- und Endvolumen
- Thrombozytenzahl und absolute Thrombozytendosis
- Leukozyten, Neutrophile und Erythrozyten
- verwendetes Antikoagulans
- relative Zentrifugalkraft und Laufzeit
- Zahl der Zentrifugationsschritte
- Entnahmeschicht und Lagerung
- Aktivierung und Applikationsweg
Eine besonders hohe Thrombozytenkonzentration ist nicht automatisch besser. Ebenso kann leukozytenreiches PRP andere Entzündungssignale auslösen als leukozytenarmes PRP. Aussagen zu Wirkung und Verträglichkeit müssen sich deshalb auf das konkret untersuchte Präparat beziehen.
Wie wird PRP bei Tieren aufbereitet?
Es gibt kein universelles Protokoll für alle Tiere und Erkrankungen. Der konkrete Ablauf richtet sich nach der Tierart, dem klinischen Befund, dem verwendeten System und der vorgesehenen Anwendung.
- Tierärztliche Untersuchung und Indikationsstellung
- Entnahme eines festgelegten Blutvolumens
- Aufbereitung nach einem definierten, hygienisch kontrollierten Verfahren
- Entnahme und gegebenenfalls Charakterisierung der vorgesehenen Plasmafraktion
- Applikation nach tierärztlicher Entscheidung, gegebenenfalls bildgeführt
- Individuelle Nachsorge und Verlaufskontrolle
RPM-Werte lassen sich nicht einfach zwischen Zentrifugen übertragen. Die tatsächlich wirkende relative Zentrifugalkraft, kurz RCF, hängt auch vom Rotorradius ab. Trotzdem legt eine mathematisch korrekte Umrechnung noch kein geeignetes veterinärmedizinisches Behandlungsprotokoll fest. Vorrang haben die dokumentierte Zweckbestimmung, Herstellerangaben und ein für das konkrete Verfahren validierter Ablauf.
Zur rein mathematischen Kontrolle stehen der RCF/RPM-Rechner und die Zentrifugen-Rotorradius-Datenbank bereit. Beide Werkzeuge rechnen beziehungsweise dokumentieren technische Werte; sie legen kein veterinärmedizinisches Aufbereitungsprotokoll fest.
Humanmedizinische Protokolle und CE-Kennzeichnungen lassen sich nicht automatisch auf veterinärmedizinische Anwendungen übertragen. Die Zweckbestimmung des jeweiligen Produkts ist entscheidend.
PRP beim Hund
Arthrose und Gelenkbeschwerden
Am häufigsten wird PRP beim Hund im Zusammenhang mit Arthrose untersucht. Studien erfassen vor allem Schmerz, Lahmheit, Mobilität oder Belastung der betroffenen Gliedmaße. Manche Arbeiten zeigen zeitlich begrenzte Verbesserungen, andere keinen klaren Unterschied zur Kontrollbehandlung.
Der aktuelle systematische Review zur Hüft-, Ellbogen- und Kniearthrose beschreibt ein mögliches klinisches Potenzial, aber auch erhebliche methodische Lücken. Nur sieben der 18 eingeschlossenen Studien nutzten eine objektive Ganganalyse; bei vielen fehlten zentrale Angaben zur Zusammensetzung des PRP. Offen bleibt daher, welches Präparat für welchen Hund geeignet sein könnte und wie lange ein möglicher Effekt anhält.
Arthrose wird in der Regel multimodal behandelt. Gewichtsmanagement, angepasste Bewegung, Physiotherapie, Schmerztherapie und gegebenenfalls chirurgische Maßnahmen bleiben unabhängig von einer möglichen PRP-Anwendung relevant.
Weitere orthopädische Anwendungen
PRP wurde beim Hund auch im Zusammenhang mit Sehnen- und Bandverletzungen, Knochenheilung und orthopädischen Eingriffen untersucht. Ein Review von 2025 fand teilweise positive frühe biologische oder funktionelle Signale, langfristig waren die Ergebnisse jedoch häufig mit den Kontrollgruppen vergleichbar. PRP stabilisiert kein instabiles Gelenk und ersetzt keine notwendige Operation oder Rehabilitation.
Vertiefender Beitrag: PRP beim Hund – Einordnung bei Arthrose und orthopädischen Beschwerden
PRP beim Pferd
Sehnen- und Bandverletzungen
Bei Sportpferden wird PRP seit vielen Jahren vor allem bei Sehnen- und Bandverletzungen eingesetzt und untersucht. Kleinere Studien berichten Veränderungen von Lahmheit, Ultraschallbefund oder Gewebeorganisation. Die Präparate, Verletzungen und Rehabilitationsprogramme unterscheiden sich jedoch stark.
Eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse von 2024 fand für die untersuchten biologischen Verfahren keine höhere Wahrscheinlichkeit einer Rückkehr zur Leistung. Ein geringeres Risiko erneuter Verletzungen zeigte sich für mesenchymale Stromazellen beziehungsweise deren Kombination mit PRP, nicht aber gesichert für PRP allein. Daraus lässt sich weder eine Erfolgsgarantie noch eine pauschale Verkürzung der Rehabilitation ableiten.
Gelenkerkrankungen
Für equine Gelenkerkrankungen liegen ebenfalls kontrollierte Studien vor. Die 2024 veröffentlichte Metaanalyse fand positive Signale, betonte aber die geringe Zahl zusammenführbarer Studien, unterschiedliche PRP-Produkte und ein häufig hohes Verzerrungsrisiko. Kurzfristige Veränderungen von Lahmheit oder Funktion sind nicht gleichbedeutend mit einer strukturellen Regeneration des Gelenkknorpels.
Bei Equiden, die der Lebensmittelgewinnung dienen können, gelten zusätzliche arzneimittel- und rückstandsrechtliche Anforderungen. Auch der Eintrag im Equidenpass ist zu berücksichtigen. Im deutschen Turniersport führt die FN PRP aktuell als im Wettkampf verbotene Substanz nach Anhang I der ADMR. Vor einer Anwendung sind deshalb die jeweils aktuellen FN-/ADMR-Regeln und gegebenenfalls weitere Verbandsvorgaben zu prüfen; eine pauschale Karenzzeit wird hier bewusst nicht genannt.
Katzen, Wunden und Augenheilkunde
PRP bei Katzen
Für Katzen ist die klinische Evidenz sehr begrenzt. Eine explorative Fallserie von 2024 umfasste nur sechs Katzen mit Arthrose und hatte keine Kontrollgruppe. Solche Pilotdaten können die Machbarkeit untersuchen, belegen aber weder eine verlässliche Wirksamkeit noch eine allgemeine Sicherheit. Ergebnisse aus Hunde- oder Pferdestudien dürfen nicht einfach auf Katzen übertragen werden.
Wunden
Bei Hunden wurden kleine Studien zu ausgewählten chronischen oder komplexen Wunden veröffentlicht. Eine Fallserie umfasste lediglich sechs Tiere ohne Kontrollgruppe. Zudem sind Ergebnisse nicht einheitlich: In einem kontrollierten equinen Wundmodell war PRP mit überschießendem Granulationsgewebe und einer verzögerten frühen Heilungsphase verbunden. Die Aussage, PRP beschleunige Wundheilung generell, ist daher nicht haltbar.
Augenheilkunde
Zu Hornhautdefekten bei Hunden und Katzen liegen kleine, teils unkontrollierte Untersuchungen vor. Ein systematischer Review von 2025 bewertete die Mehrzahl der eingeschlossenen Studien als hoch verzerrungsgefährdet und sah keine Grundlage für PRP als Standardversorgung. Erkrankungen der Hornhaut können rasch fortschreiten und müssen tierärztlich beziehungsweise ophthalmologisch abgeklärt werden.
Risiken, Grenzen und Gegenanzeigen
Autologes PRP stammt vom behandelten Tier selbst. Dadurch stehen Unverträglichkeiten gegenüber fremdem Spendermaterial weniger im Vordergrund. Risikofrei ist das Verfahren trotzdem nicht.
- Schmerzen, Blutung oder Hämatom bei der Blutentnahme
- Belastungen und Risiken einer erforderlichen Sedierung oder Anästhesie
- vorübergehende lokale Reizung, Entzündungsreaktion oder verstärkte Lahmheit
- Infektion durch Kontamination oder nach einer Injektion
- Verletzung benachbarter Strukturen oder Fehlplatzierung
- mögliche Einflüsse von Antikoagulanzien oder Aktivatoren
- ausbleibender oder nur vorübergehender klinischer Effekt
Blutbildveränderungen, Gerinnungsstörungen, Infektionen, systemische Erkrankungen, Medikamente und der Allgemeinzustand können die Nutzen-Risiko-Abwägung beeinflussen. Eine allgemein gültige Ausschlussliste gibt es nicht; die Entscheidung muss auf den einzelnen Patienten und das konkrete Verfahren bezogen werden.
Was dokumentiert werden sollte
Die Angabe „PRP wurde verwendet“ reicht weder für die wissenschaftliche Bewertung noch für einen reproduzierbaren Praxisablauf. Eine nachvollziehbare Dokumentation sollte – soweit für das Verfahren relevant – mindestens enthalten:
- Tierart, Diagnose und Behandlungsziel
- Ausgangsblutmenge und Antikoagulans
- Aufbereitungssystem, RCF, Laufzeit und Zahl der Schritte
- Ausgangs- und Endvolumen
- Thrombozyten-, Leukozyten- und Erythrozytenwerte, sofern erhoben
- Aktivierung und applizierte Menge
- Applikationsort und gegebenenfalls Bildführung
- Begleitbehandlung, Nachsorge und definierte Verlaufskriterien
Für Studien und wissenschaftliche Berichte bieten standardisierte Mindestangaben wie MIBO eine sinnvolle Orientierung. Sie helfen, unterschiedliche PRP-Präparate und Ergebnisse überhaupt vergleichbar zu machen.
Rechtlicher Rahmen und Produktzweck
Die rechtliche Einordnung hängt vom konkreten Verfahren ab. In Deutschland erfolgen Indikationsstellung, patientenbezogene Aufbereitung und Anwendung im rechtlich belastbaren Regelfall unter tierärztlicher Verantwortung und nach den Vorgaben des Tierarzneimittelrechts sowie der tierärztlichen Hausapotheke.
Die Zweckbestimmung eines Röhrchens, Kits oder Geräts ergibt sich aus den Herstellerangaben und der Kennzeichnung. Eine CE-Kennzeichnung für eine humanmedizinische Anwendung ist weder eine veterinärmedizinische Zulassung noch automatisch ein Nachweis der Eignung für Tiere. Aus diesem Grund verlinkt dieser Beitrag keine konkreten Aufbereitungsprodukte.
Dieser Abschnitt gibt nur eine allgemeine Orientierung für Deutschland und ersetzt keine rechtliche Prüfung des konkreten Verfahrens oder Produkts. In anderen Ländern gelten die jeweiligen nationalen Vorschriften.
Häufige Fragen
Kann PRP Arthrose bei Tieren heilen?
Nein, dafür gibt es keinen belastbaren Nachweis. Bei manchen Hunden und Pferden wurden Veränderungen von Schmerz, Lahmheit oder Funktion beobachtet. Eine zuverlässige Regeneration von geschädigtem Knorpel oder ein Stopp der Erkrankung ist nicht belegt.
Wie viele Anwendungen sind notwendig?
Es gibt keine allgemein akzeptierte Zahl. Studien verwenden Einzel- und Mehrfachanwendungen mit unterschiedlichen Abständen. Das Vorgehen hängt von Tierart, Diagnose, Präparat und Verlauf ab.
Kann PRP eine Operation ersetzen?
Nicht pauschal. PRP kann instabile Gelenke, vollständige Rupturen oder andere mechanische Probleme nicht beheben. Ob eine Operation erforderlich ist, entscheidet sich nach Diagnose und Befund.
Ist eine hohe Thrombozytenzahl immer besser?
Nein. Die biologische Wirkung hängt nicht nur von der Thrombozytenzahl ab. Absolute Dosis, Leukozyten, Erythrozyten, Volumen, Aktivierung und weitere Faktoren beeinflussen das Präparat.
Ist PRP bei allen Tierarten gleich einsetzbar?
Nein. Biologie, Blutvolumen, Erkrankungen und verfügbare Studien unterscheiden sich. Besonders für Katzen fehlen belastbare kontrollierte Daten.
Ausgewählte wissenschaftliche Literatur
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- Carmona JU, López C. Platelet-Rich Plasma in Equine Osteoarthritis: A Systematic Review of Clinical and Experimental Evidence. Animals. 2025. DOI: 10.3390/ani15182647
- M’Cloud WRC et al. Stem cells and platelet-rich plasma for the treatment of naturally occurring equine tendon and ligament injuries: a systematic review and meta-analysis. JAVMA. 2024. DOI: 10.2460/javma.23.12.0723
- Carmona JU, López C. Efficacy of Platelet-Rich Plasma in the Treatment of Equine Tendon and Ligament Injuries: A Systematic Review. Veterinary Sciences. 2025. DOI: 10.3390/vetsci12040382
- Huntingford JL et al. Intra-articular injection of an allogeneic platelet-rich plasma system in cats with naturally occurring osteoarthritis: an exploratory case series. Frontiers in Veterinary Science. 2024. DOI: 10.3389/fvets.2024.1394055
- Uribe JA et al. Platelet-Rich Plasma for Corneal Ulceration: A Systematic Review of In Vivo Studies. Veterinary Medicine International. 2025. DOI: 10.1155/vmi/9921619
- Iacopetti I et al. Autologous Platelet-Rich Plasma Enhances the Healing of Large Cutaneous Wounds in Dogs. Frontiers in Veterinary Science. 2020. DOI: 10.3389/fvets.2020.575449
- Carr BJ et al. Canine Platelet-Rich Plasma Systems: A Prospective Analysis. Frontiers in Veterinary Science. 2015. DOI: 10.3389/fvets.2015.00073
- Murray IR et al. Minimum Information for Studies Evaluating Biologics in Orthopaedics (MIBO). Journal of Bone and Joint Surgery. 2017. MIBO-Checkliste
Rechtsquellen Deutschland/EU: Tierarzneimittelgesetz, Tierärztliche Hausapothekenverordnung, Verordnung (EU) 2019/6 und Verordnung (EU) 2017/745.