Technischer Leitfaden für Fachanwender

PRP-Röhrchen und Zentrifugen richtig kombinieren

Kompatibilität, RCF, RPM, Rotorradius und ein nachvollziehbares PRP-Protokoll – erklärt am Referenzsystem aus Vi PRP-PRO und Hettich EBA 200 MD.

Zielkraft1.200 × g
Laufzeit7 Minuten
01
Vi PRP-PRORöhrchensystem mit Natriumcitrat und Trenngel
02
Hettich EBA 200 MDReferenzzentrifuge mit 8-fach-Winkelrotor
System statt Einzelgerät

Die passende Einstellung beginnt beim Röhrchen

Bei der PRP-Aufbereitung bilden Röhrchen, Rotor, Adapter, Zentrifugalkraft und Laufzeit ein zusammenhängendes System. Eine Drehzahl kann deshalb nie losgelöst vom Rotorradius beurteilt werden.

Die vom Röhrchenhersteller definierte Zielgröße ist in erster Linie die relative Zentrifugalkraft, kurz RCF oder × g. Erst anhand des Rotorradius wird daraus die benötigte Drehzahl der konkreten Zentrifuge berechnet.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht: „Welche Drehzahl ist für PRP am besten?“ Sondern: „Welche Kraft und Laufzeit verlangt das eingesetzte Röhrchensystem, und welche Drehzahl erzeugt diese Kraft in meiner Zentrifuge?“

Eine bekannte RPM-Zahl ist kein übertragbares PRP-Protokoll. Ohne Rotorradius bleibt sie technisch unvollständig.

Grundsatz für die Übertragung von Zentrifugationswerten
RöhrchensystemMaterial, Volumen, Additive
Rotor & AdapterPosition und sicherer Sitz
RCFTatsächlich wirkende Kraft
LaufzeitProduktspezifischer Wert
DokumentationNachvollziehbarer Praxisablauf
RCF und RPM verstehen

Gleiche Drehzahl, unterschiedliche Kraft

Derselbe RPM-Wert kann bei verschiedenen Rotoren eine andere relative Zentrifugalkraft erzeugen. Der wirksame Radius reicht von der Drehachse bis zum Röhrchenboden in Zentrifugierposition.

Drehzahl3.500
kleiner Radius

Bei einem kleineren Radius liegt die wirkende RCF niedriger. Eine bekannte Drehzahl darf nicht blind übernommen werden.

Drehzahl3.500
mittlerer Radius

Mit zunehmendem Abstand zur Drehachse steigt die Zentrifugalkraft – obwohl die eingestellten Umdrehungen gleich bleiben.

Drehzahl3.500
größerer Radius

Ein größerer Rotor erzeugt bei derselben Drehzahl mehr × g. Deshalb gehört der Rotorradius zu jeder sauberen Umrechnung.

RCF = 1,118 × 10⁻⁵ × r × RPM² Der Radius r wird in Zentimetern eingesetzt. Für 1.200 × g bei 8,6 cm Radius ergeben sich rechnerisch rund 3.530 U/min.
Konkretes Beispiel

Das Referenzsystem im Detail

Vi PRP-PRO und Hettich EBA 200 MD dienen hier als klar definierte Kombination. Die Werte dürfen nicht ungeprüft auf andere Röhrchen oder Zentrifugen übertragen werden.

PRP-Röhrchen

Vi PRP-PRO

Steriles Vakuumröhrchen aus Borosilikatglas mit Natriumcitrat und thixotropem Trenngel.

Blutaufnahmeca. 9 ml
Antikoagulans0,8 ml Natriumcitrat
TrennsystemThixotropes Gel
Referenzwert1.200 × g / 7 Min.
Vi PRP-PRO ansehen
Zentrifuge

Hettich EBA 200 MD

Kompakte Zentrifuge mit festem 8-fach-Winkelrotor für medizinische Einrichtungen.

Rotor8-fach-Winkelrotor
Rotorwinkel33°
Radius bei 9–10 ml86 mm
Referenzdrehzahlca. 3.500 U/min
EBA 200 MD ansehen
Fünf Prüfbereiche

Wann sind Röhrchen und Zentrifuge kompatibel?

1

Abmessungen und Form

Das Röhrchen muss vollständig, aufrecht und spannungsfrei in der vorgesehenen Aufnahme sitzen. Durchmesser, Länge und Bodenform sind wichtiger als das Nennvolumen allein.

2

Zulässige Zentrifugalkraft

Die Ziel-RCF des Protokolls muss erreichbar sein, ohne die zulässige Belastung des Röhrchens zu überschreiten.

3

Wirksamer Rotorradius

Für die Umrechnung wird der Radius der konkreten Röhrchenposition benötigt – nicht der Durchmesser des Rotors und nicht ein Wert eines anderen Gerätes.

4

Rotor und Adapter

Ein anderer Adapter oder eine abweichende Röhrchenlänge verändert die Position des Röhrchenbodens. Dadurch kann sich auch die berechnete Drehzahl ändern.

5

Symmetrische Beladung

Gegenüberliegende Positionen werden mit Röhrchen gleicher Bauart und vergleichbarer Masse bestückt. Eine Unwuchtkontrolle ersetzt das korrekte Ausbalancieren nicht.

Technischer Ablauf

Referenzprotokoll für Vi PRP-PRO und EBA 200 MD

Der Ablauf beschreibt die technische Aufbereitung auf Systemebene. Er ist keine Therapieanweisung und ersetzt weder die Gebrauchsanweisung noch die medizinische Entscheidung des verantwortlichen Fachanwenders.

01
Produkt prüfenVerpackung, Charge, Verfall
02
Vollständig befüllenVorgesehenes Vakuum nutzen
03
Sanft mischenNicht stark schütteln
04
AusbalancierenPaarweise und symmetrisch
05
Zentrifugieren1.200 × g / 7 Min.
06
Trennung prüfenRuhig und aufrecht entnehmen
07
DokumentierenWerte und Auffälligkeiten
Referenzwert: Bei einem wirksamen Rotorradius von 86 mm entsprechen 1.200 × g rechnerisch rund 3.530 U/min. Für die Hettich EBA 200 MD wird dieser Wert als etwa 3.500 U/min angegeben. Die aktuelle Gebrauchsanweisung der eingesetzten Produkte bleibt verbindlich.
ParameterReferenzwertWarum er dokumentiert wird
Ziel-RCF1.200 × gBeschreibt die tatsächlich wirkende relative Zentrifugalkraft.
Laufzeit7 MinutenIst Teil des produktspezifischen Aufbereitungsablaufs.
Rotorradius86 mmWird für die Umrechnung zwischen RCF und RPM benötigt.
Drehzahlca. 3.500 U/minGilt für die beschriebene Referenzkonfiguration, nicht universell.
Qualitätsmanagement

Was in einem PRP-Protokoll stehen sollte

Eine nachvollziehbare Dokumentation erleichtert die Fehleranalyse und verhindert, dass nur eine isolierte Drehzahl ohne Systembezug festgehalten wird.

VerbrauchsmaterialRöhrchensystem, Artikelnummer, Charge und Verfallsdatum.
GerätekonfigurationZentrifugenmodell, Rotor, Adapter und verwendete Röhrchenposition.
ZentrifugationswerteRCF oder RPM, Rotorradius und Laufzeit.
BeladungAnzahl der Röhrchen, Füllstand und verwendete Ausgleichsprobe.
SichtprüfungTrennung, Auffälligkeiten und ungefähr gewonnenes Volumen.
AbweichungenUnterbrechungen, Fehlermeldungen oder Abweichungen vom freigegebenen Ablauf.
Typische Fehler

Was bei der Übertragung von Einstellungen schiefgeht

RPM von einem anderen Gerät übernehmen

Ein anderer Rotorradius kann bei gleicher Drehzahl eine deutlich andere RCF erzeugen.

RCF und RPM gleichsetzen

1.200 × g sind nicht 1.200 U/min. Es handelt sich um verschiedene physikalische Größen.

Zu allgemeine Werte verwenden

Breite Bereiche wie 6–10 Minuten ersetzen kein produktspezifisch definiertes Protokoll.

Röhrchen unterfüllen

Bei einem Vakuumröhrchen verändert eine unzureichende Blutaufnahme das Verhältnis zum vorhandenen Antikoagulans.

Unterschiedliche Massen ausbalancieren

Gegenüberliegende Röhrchen sollten hinsichtlich Bauart und Füllmenge vergleichbar sein.

PRP und PRF vermischen

Röhrchen mit Natriumcitrat und Trenngel folgen einem anderen System als klassische PRF-Röhrchen ohne Antikoagulans.

Kurz beantwortet

Häufige Fragen

Welche Einstellung gilt für Vi PRP-PRO?
Der produktspezifische Referenzwert beträgt 1.200 × g für 7 Minuten. Die aktuelle Gebrauchsanweisung ist maßgeblich.
Welche Drehzahl wird bei der Hettich EBA 200 MD benötigt?
Bei einem Rotorradius von 86 mm entsprechen 1.200 × g rechnerisch ungefähr 3.530 U/min. Als gerundeter Referenzwert werden etwa 3.500 U/min verwendet.
Kann ich 3.500 U/min auf eine andere Zentrifuge übertragen?
Nicht ungeprüft. Zuerst muss anhand des Rotorradius berechnet werden, welche Drehzahl bei dem anderen Gerät tatsächlich 1.200 × g erzeugt.
Ist eine höhere Zentrifugalkraft automatisch besser?
Nein. Maßgeblich ist der validierte beziehungsweise vom Hersteller vorgegebene Ablauf des verwendeten Röhrchensystems.
Passen alle 9- oder 10-ml-Röhrchen in die EBA 200 MD?
Nicht zwangsläufig. Durchmesser, Länge, Bodenform, Adapter, zulässige RCF und Herstellerangaben müssen ebenfalls berücksichtigt werden.
Ist Vi PRP-PRO ein PRF-Röhrchen?
Nein. Vi PRP-PRO enthält Natriumcitrat und Trenngel und ist für einen PRP-Aufbereitungsablauf vorgesehen.
Produkt zur Wunschliste hinzugefügt
Produkt zum Vergleich hinzugefügt.
group_work Cookie-Zustimmung