Fachbeitrag · PRP-Zellprofil & Evidenz
Ist leukozytenarmes PRP grundsätzlich besser für Gelenke und leukozytenreiches PRP besser für Sehnen? Solche einfachen Zuordnungen finden sich häufig. Die aktuelle Studienlage ist jedoch deutlich komplexer.
- Nur für Fachanwender
- Evidenzstand: Oktober 2026
- ca. 14 Min. Lesezeit
- 18 Fachquellen
01 · Grundfrage
LR-PRP oder LP-PRP: Ist eines grundsätzlich besser?
Nach dem aktuellen Forschungsstand lässt sich keine der beiden PRP-Kategorien generell als überlegen einordnen.
Kniearthrose
Es liegen inzwischen direkte randomisierte LR-vs.-LP-Studien sowie mehrere systematische Reviews und Meta-Analysen vor. Die direkten Vergleiche zeigen bislang keinen konsistenten klinischen Vorteil einer Formulierung.
Eine aktuelle Network-Meta-Analyse mit 21 RCTs und 2.254 Patienten fand ebenfalls keinen statistisch signifikanten Unterschied im direkten Vergleich; die Evidenzsicherheit für diesen Vergleich wurde allerdings als niedrig bewertet.13
Tendinopathien
Die Situation ist noch uneinheitlicher. Einzelne Studien liefern Signale zugunsten von LP-PRP, andere Analysen sehen mögliche Vorteile für LR-PRP – die bei strengeren Sensitivitätsanalysen teilweise verschwinden.
Biologisch unterschiedlich bedeutet nicht automatisch klinisch überlegen oder unterlegen.
Die Bezeichnung LR oder LP beschreibt einen Aspekt der Zellzusammensetzung. Sie ist weder eine vollständige Charakterisierung noch eine allgemeine Qualitätsstufe.
02 · Begriffe
Was bedeuten LR-PRP und LP-PRP überhaupt?
LR-PRP steht für leukocyte-rich platelet-rich plasma, LP-PRP für leukocyte-poor platelet-rich plasma. Auf Deutsch spricht man meist von leukozytenreichem beziehungsweise leukozytenarmem PRP.
Die beiden Begriffe wirken wie eine klare binäre Einteilung. In der wissenschaftlichen Literatur existiert jedoch keine weltweit einheitliche absolute Leukozytengrenze, die in sämtlichen Klassifikationssystemen identisch verwendet wird.
Die resultierende Zellzusammensetzung hängt von Ausgangsblut und Aufbereitung ab. Das Schema zeigt keine konkrete Herstellungs- oder Entnahmetechnik.
Auch die gängigen Klassifikationen fassen „leukozytenreich“ unterschiedlich:
Dohan Ehrenfest et al. · 20091
Die historische Klassifikation unterscheidet Präparate anhand der Anwesenheit von Leukozyten und ihrer Fibrinarchitektur.
PAW-Klassifikation · 20122
PAW berücksichtigt dagegen die Leukozytenkonzentration relativ zum Ausgangsblut und erfasst zusätzlich die neutrophilen Granulozyten.
03 · Zelltypen
Warum die Gesamtzahl der Leukozyten allein zu kurz greift
„Leukozyten“ bezeichnet keine einheitliche Zellpopulation. Zwei PRP-Präparate können deshalb eine ähnliche Gesamtzahl weißer Blutzellen besitzen und dennoch ein deutlich unterschiedliches Differentialblutbild aufweisen.
Neutrophile Granulozyten
Gehören zur angeborenen Immunantwort und können unter anderem proteolytische Enzyme sowie unterschiedliche Entzündungsmediatoren freisetzen. Ein höherer Neutrophilenanteil kann daher mit einem veränderten Zytokin- und Proteaseprofil einhergehen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Neutrophile pauschal als unerwünscht oder „schädlich“ einzustufen wären.
Monozyten
Gehören ebenfalls zum angeborenen Immunsystem und werden im Zusammenhang mit Entzündungsregulation, Gewebeumbau und Reparaturvorgängen diskutiert.
Eine hohe oder niedrige Monozytenzahl ist für sich jedoch kein validierter Qualitäts- oder Wirksamkeitsmarker.
Lymphozyten
Erhalten in der klassischen LR-/LP-Diskussion weniger Aufmerksamkeit als neutrophile Granulozyten.
Zellanalysen zeigen jedoch, dass einzelne als LR-PRP klassifizierte Präparate stark lymphozytendominiert sein können.
LR-PRP ist nicht automatisch neutrophilenreiches PRP.
LR-A · lymphozytendominiert
Hohe Gesamt-WBC; das Differential wird überwiegend von Lymphozyten getragen – so, wie es Zellanalysen für einzelne LR-Systeme beschreiben.
LR-B · relativ mehr Neutrophile
Ähnlich hohe Gesamt-WBC wie LR-A, aber ein anderes Differential. Gleiches Etikett „LR“ – andere Zellzusammensetzung.
LP · geringe Gesamt-WBC
Deutlich weniger Leukozyten insgesamt. Auch LP-Präparate können sich untereinander bei Thrombozyten, Erythrozyten und Volumen deutlich unterscheiden.
- Lymphozyten
- Neutrophile
- Monozyten
Tipp: Wechseln Sie zwischen LR-A und LR-B – die Zahl der Zellen bleibt gleich, nur die Zusammensetzung ändert sich.
04 · Herkunft des Zellprofils
Zellprofil entsteht aus Ausgangsblut und Aufbereitung
Nicht nur das verwendete Aufbereitungssystem beeinflusst die Zusammensetzung eines PRP-Präparats. Auch das Ausgangsblut spielt eine Rolle.
Untersuchungen mit detaillierter Immunzellcharakterisierung zeigen Unterschiede bei Granulozyten, Monozyten, B- und T-Lymphozyten sowie weiteren Immunzellpopulationen.8 Damit kann sich das resultierende PRP sowohl zwischen Aufbereitungssystemen als auch zwischen verschiedenen Ausgangsproben unterscheiden.
05 · Molekulares Profil
Wie hängt der Leukozytengehalt mit dem molekularen Profil zusammen?
Leukozyten sind biologisch relevant, weil sie selbst bioaktive Moleküle enthalten beziehungsweise freisetzen können. Studien zu PRP zeigen jedoch kein eindimensionales Muster, bei dem „mehr Leukozyten“ automatisch mit einer einheitlichen molekularen Wirkung gleichzusetzen wäre.
Kobayashi et al. · 20163
Wachstumsfaktoren und Proteasen
Verglichen wurden LR-PRP, LP-PRP und nahezu leukozytenfreies PRP bei vergleichbarer Thrombozytenkonzentration. Mit zunehmendem Leukozytengehalt zeigten sich unter anderem positive Zusammenhänge mit PDGF-BB und VEGF sowie eine ausgeprägte positive Beziehung zu MMP-9.
Weitere Charakterisierungsstudie5
Auch Matrixmetalloproteinasen folgen keinem einfachen LR-/LP-Muster
LR-PRP war unter anderem mit höheren Konzentrationen von IL-1-Rezeptorantagonist, PDGF-AA, PDGF-AB/BB und MMP-1 verbunden. Andere Matrixmetalloproteinasen – darunter MMP-2, MMP-3 und MMP-12 – waren hingegen im untersuchten LP-PRP höher.
Jayaram et al. · 20239
Pro- und antiinflammatorisch interpretierte Signale können gleichzeitig auftreten
LR- und LP-PRP wurden parallel aus denselben Patienten hergestellt. Im LR-PRP waren unter anderem IL-1Ra, IL-4, IL-8 und MMP-9 erhöht; für TNF-α, IL-1β, IL-6 und IL-10 ergaben sich dagegen keine signifikanten Unterschiede.
Biologische Plausibilität kann eine Hypothese erklären. Sie beweist keine klinische Überlegenheit.
06 · Mehrere Stellgrößen
LR und LP unterscheiden sich in Studien oft nicht nur bei den Leukozyten
Eines der größten Probleme der LR-/LP-Literatur besteht darin, dass unterschiedliche Aufbereitungsverfahren häufig gleichzeitig mehrere Eigenschaften des Präparats verändern.
Der namensgebende Parameter. Ohne gemessenen Wert und angegebene Definition bleibt offen, was „reich“ oder „arm“ im konkreten Präparat bedeutet.
variiert mit dem LR-/LP-Status: jaErgänzt den Gesamt-WBC-Wert um ein Differentialmerkmal. Ein höherer Neutrophilenanteil kann mit einem veränderten Zytokin- und Proteaseprofil einhergehen – ist aber kein pauschaler Negativmarker.
variiert mit dem LR-/LP-Status: jaKönnen das Differential eines LR-Präparats dominieren – in einer Systemuntersuchung lag der Lymphozytenanteil über 89 %.
variiert mit dem LR-/LP-Status: jaKann sich zwischen LR- und LP-Präparaten erheblich unterscheiden – im beschriebenen Epicondylitis-RCT etwa um den Faktor 2,7.
variiert mit dem LR-/LP-Status: jaErgibt sich aus Konzentration und verwendetem Volumen. Eine ähnliche Konzentration bedeutet daher nicht zwingend eine ähnliche Gesamtzahl.
variiert mit dem LR-/LP-Status: jaResterythrozyten sind eine weitere Zellkomponente, die je nach Verfahren und Entnahme variiert.
variiert mit dem LR-/LP-Status: jaBeeinflusst die enthaltene Gesamtzellzahl und damit die Vergleichbarkeit zweier Präparate.
variiert mit dem LR-/LP-Status: jaBeschreibt, welcher Anteil der Thrombozyten aus dem Ausgangsblut im Präparat wiedergefunden wird.
variiert mit dem LR-/LP-Status: jaOb und wie ein Präparat aktiviert wird, gehört zur methodischen Beschreibung und unterscheidet sich zwischen Protokollen.
variiert mit dem LR-/LP-Status: jaSystem, Zentrifugationsschritte und Einstellungen verändern häufig mehrere der genannten Parameter gleichzeitig.
variiert mit dem LR-/LP-Status: jaEin klinischer Unterschied zwischen zwei PRP-Präparaten ist nicht automatisch ein Leukozyteneffekt.
07 · Klinische Evidenz
Was zeigt die klinische Evidenz bei Kniearthrose?
Für die konkrete LR-/LP-Frage ist Kniearthrose derzeit der am besten direkt untersuchte klinische Bereich.
-
2022
Direkter randomisierter Vergleich mit 192 Patienten
Patienten mit symptomatischer Kniearthrose der Kellgren-Lawrence-Grade 1 bis 3 wurden auf LR- oder LP-PRP randomisiert. Die Thrombozytenkonzentrationen der beiden Präparate waren relativ ähnlich, beim Leukozytengehalt bestand dagegen ein ausgeprägter Unterschied.
Nach zwölf Monaten bestanden keine signifikanten Unterschiede bei den klinischen Scores zwischen den Gruppen. Milde lokale Reaktionen wurden numerisch häufiger nach LR-PRP beobachtet, der Unterschied war jedoch nicht statistisch signifikant.
Kein signifikanter Unterschied nach 12 Monaten -
2024
Zweiter doppelblinder RCT mit 132 Patienten
Über zwölf Monate verbesserten sich beide Gruppen. Einige isolierte Unterschiede wurden zu einzelnen Zeitpunkten beziehungsweise bei einzelnen Messgrößen beobachtet, insgesamt zeigte sich jedoch keine konsistente klinische Überlegenheit einer Formulierung.
Keine konsistente Überlegenheit -
2024KonsensusESSKA-ORBIT, Laver et al.11
Europäischer Konsensus
Der ESSKA-ORBIT-Konsensus bewertete die Evidenz zu LR versus LP bei Kniearthrose insgesamt als inkonklusiv und unterstützt keine der beiden Formulierungen generell gegenüber der anderen.
Evidenz insgesamt inkonklusiv -
2026
Ranking ist nicht gleich Überlegenheit
LP-PRP lag in bestimmten P-Score-Rankings höher. Im direkten LR-/LP-Vergleich zeigte sich jedoch kein statistisch signifikanter Unterschied; die Evidenzsicherheit für diesen direkten Vergleich war niedrig.
Methodisch wichtig: Ein Netzwerk-Ranking ist keine direkte klinische Überlegenheit. Rankings und direkte paarweise Vergleiche beantworten nicht exakt dieselbe Frage.LP im Ranking vorn – direkt nicht signifikant -
09/2026
Eine aktuelle Subgruppenanalyse liefert ein LP-Signal – aber keine eindeutige LR-/LP-Antwort
Die Meta-Analyse verglich PRP mit Hyaluronsäure. In vordefinierten Subgruppen waren die Effekte in Studien mit leukozytenarmem PRP größer; zugleich war die Heterogenität der Hauptergebnisse sehr hoch.
In der Meta-Regression wurden Arthrosegrad und Zahl der Injektionen, nicht aber der Leukozytenstatus als statistisch bestätigte Effektmodifikatoren hervorgehoben. Zudem handelt es sich überwiegend um indirekte Vergleiche von LP-PRP versus HA und LR-PRP versus HA.
LP-Subgruppensignal – überwiegend indirekt
08 · Verträglichkeit
Gibt es Unterschiede bei lokalen Reaktionen?
Im Vergleich mit Hyaluronsäure zeigte sich das erhöhte Signal für diese milden lokalen Reaktionen in der LR-Untergruppe, während LP-PRP keinen signifikanten Unterschied gegenüber HA zeigte. Die direkten LR-vs.-LP-RCTs fanden dagegen keinen konsistent signifikanten Sicherheitsunterschied.
Einige Meta-Analysen zeigen bei LR-PRP ein stärkeres Signal für vorübergehende lokale Schmerzen oder Schwellungen. Direkte randomisierte LR-/LP-Vergleiche bestätigen bislang jedoch keinen konsistenten signifikanten Sicherheitsunterschied.
09 · Tendinopathien
Was wissen wir bei Tendinopathien?
LR-PRP für Sehnen, LP-PRP für Gelenke.
Durch die aktuelle Literatur als allgemeine Matrix nicht gerechtfertigtLaterale Epicondylitis: direkter RCT mit wichtigem Confounder
Eine 2026 publizierte randomisierte Studie untersuchte 71 Patienten und verglich LP-PRP, LR-PRP und Kochsalzlösung.15 LP-PRP zeigte bei mehreren Schmerz- und Funktionsparametern günstigere Ergebnisse als LR-PRP.
Für die Interpretation ist jedoch entscheidend, dass sich die Präparate nicht nur beim Leukozytengehalt unterschieden:
Das LR-PRP enthielt etwa 3,8-mal mehr Leukozyten, gleichzeitig aber 2,7-mal weniger Thrombozyten als das LP-PRP.15
Network-Meta-Analyse 2026: mögliches LR-Signal, aber nicht robust
Eine Network-Meta-Analyse mit 23 RCTs und 1.484 Teilnehmern differenzierte ausdrücklich zwischen LR- und LP-PRP.16 In einzelnen Analysen erschien LR-PRP zunächst günstig. Nach Ausschluss von Studien mit hohem Bias-Risiko blieb dieser Vorteil jedoch nicht bestehen.
Oktober 2026: Kraftendpunkte lösen die Frage ebenfalls nicht
Eine weitere randomisierte Publikation aus demselben Forschungsumfeld untersuchte ebenfalls 71 Teilnehmer.18 Beim primären Kraftendpunkt überschritten die Gruppenunterschiede nicht die vorab definierte Schwelle für klinische Relevanz.
Da Teilnehmerzahl, Autorenumfeld und Studiendesign starke Überschneidungen mit der zuvor publizierten 71-Patienten-Untersuchung aufweisen, sollte diese Arbeit nicht ohne detaillierten Kohortenabgleich als vollständig unabhängige Bestätigung einer zweiten Population gewertet werden.
Bei Tendinopathien ist die Evidenz zum Einfluss des Leukozytengehalts uneinheitlich. Zusätzlich unterscheiden sich die verglichenen Präparate häufig bei weiteren Zell- und Herstellungsparametern.
Außerdem darf laterale Epicondylitis nicht pauschal auf andere Sehnen übertragen werden. „Sehne“ ist keine einheitliche Indikation.
10 · Dermatologie & Ästhetik
Was wissen wir außerhalb der Orthopädie?
Für Dermatologie, Haaranwendungen und ästhetische Medizin ist die direkte LR-vs.-LP-Evidenz deutlich schwächer. Aktuelle Reviews beschreiben erhebliche Unterschiede bei Studiendesign, Aufbereitung, Zellzusammensetzung, Aktivierung und PRP-Protokollen.
Daraus ergibt sich keine belastbare Grundlage für Aussagen wie „LP-PRP ist grundsätzlich das bessere PRP für Haare oder ästhetische Anwendungen“.
11 · Dokumentation
Wie sollte ein PRP-Zellprofil dokumentiert werden?
Für wissenschaftliche Vergleichbarkeit ist eine quantitative Charakterisierung aussagekräftiger als die alleinige Bezeichnung LR-PRP oder LP-PRP.10
Je mehr quantitative Angaben verfügbar sind, desto nachvollziehbarer lässt sich ein Präparat wissenschaftlich beschreiben.
Je nach wissenschaftlicher Fragestellung können zusätzliche Angaben zu Lymphozyten und Monozyten sinnvoll sein. Das bedeutet nicht, dass in jeder klinischen Situation zwingend ein vollständiges Immunzellprofil bestimmt werden muss.
Was Hersteller- und Systemangaben nicht beantworten können
Ein PRP-System oder PRP-Röhrchen kann technisch genau beschrieben sein. Diese Spezifikationen ersetzen jedoch keine quantitative Analyse des tatsächlich gewonnenen Präparats.
Ohne entsprechende Labor- oder Validierungsdaten lassen sich aus dem Produktnamen allein keine zuverlässigen individuellen Aussagen ableiten über:
- Gesamt-WBC
- Neutrophilenanteil
- Lymphozyten- und Monozytenanteile
- Resterythrozyten
- Konzentrationsfaktor
- Recovery
- absolute Thrombozytenzahl
12 · Einordnung
Was lässt sich derzeit ableiten – und was nicht?
- LR- und LP-Präparate können biologisch unterschiedlich sein.
- Gesamt-WBC beschreibt das Differentialblutbild nicht vollständig.
- LR-PRP kann lymphozytendominiert sein.
- Zellprofil und Aufbereitung beeinflussen die molekulare Zusammensetzung.
- Direkte Knie-RCTs zeigen keinen konsistenten LR-/LP-Sieger.
- Bei Tendinopathien ist die Evidenz widersprüchlich.
- LR-PRP ist grundsätzlich besser für Sehnen.
- LP-PRP ist grundsätzlich besser für Gelenke.
- LP-PRP ist grundsätzlich besser für ästhetische Anwendungen.
- LR-PRP ist generell „proinflammatorisch“.
- LP-PRP ist generell „antiinflammatorisch“.
- Die Leukozytenzahl allein erklärt klinische Unterschiede.
| Bereich | Evidenzbasis zur LR-/LP-Frage | Einordnung der LR-/LP-Evidenz |
|---|---|---|
| Kniearthrose | mehrere direkte RCTs sowie Meta-Analysen | direkte RCTs: kein konsistenter Wirksamkeitsunterschied |
| Lokale Reaktionen | begrenzte direkte Daten; zusätzlich indirekte Subgruppenanalysen | mögliches LR-Signal indirekt; direkte RCTs nicht eindeutig |
| Laterale Epicondylitis | wenige direkte Untersuchungen mit möglicher Kohortenüberlappung | widersprüchliche Ergebnisse und Präparate-Confounding |
| Andere Tendinopathien | kaum direkte LR-/LP-Vergleiche | keine Grundlage für eine allgemeine LR-/LP-Regel |
| Dermatologie / Ästhetik | unzureichende direkte LR-/LP-Vergleichsdaten | keine belastbare allgemeine Präferenz ableitbar |
Die Übersicht beschreibt die derzeitige Evidenzlage und stellt keine Empfehlung für eine bestimmte PRP-Zusammensetzung oder Anwendung dar.
Fazit: LR und LP sind Zellprofilmerkmale, keine Qualitätsstufen
LR-PRP und LP-PRP sind nützliche beschreibende Kategorien. Sie sind jedoch weder vollständige biologische Profile noch eine Rangliste für „gutes“ oder „schlechtes“ PRP.
Die Gesamtzahl der Leukozyten sagt nicht aus, welche Leukozytensubpopulationen dominieren. Gleichzeitig unterscheiden sich LR- und LP-Produkte in klinischen Studien häufig nicht ausschließlich bei den weißen Blutzellen. Auch Thrombozytenkonzentration, absolute Thrombozytenzahl, Erythrozyten, Volumen, Aktivierung und Herstellungsprozess können variieren.
Die klinische Evidenz passt zu dieser biologischen Komplexität. Bei Kniearthrose zeigen direkte randomisierte Vergleiche bislang keinen konsistenten Wirksamkeitsunterschied. Bei Tendinopathien sind die Daten widersprüchlich und zusätzlich durch unterschiedliche Präparatecharakteristika erschwert.
Für einen belastbaren Vergleich sollte PRP deshalb nicht nur als LR oder LP bezeichnet, sondern möglichst quantitativ charakterisiert und nachvollziehbar dokumentiert werden.
Wissen & Tools
PRP-Zellprofil strukturiert einordnen
Wenn entsprechende Ausgangs- und Endwerte vorliegen, kann der PRP-Klassifikations- & Reporting-Rechner verfügbare Angaben zu Thrombozyten, Leukozyten, Recovery und weiteren Parametern strukturiert darstellen.
PRP-Klassifikation & Reporting öffnen ↗FAQ
Häufige Fragen zu LR-PRP und LP-PRP
Was ist LR-PRP?
Was ist LP-PRP?
Ab welchem Leukozytenwert gilt PRP als LR-PRP?
Ist LP-PRP besser für Gelenke?
Ist LR-PRP besser für Sehnen?
Sind Leukozyten im PRP schädlich?
Ist LR-PRP automatisch neutrophilenreich?
Welche Zellwerte sollten bei PRP dokumentiert werden?
Literatur
Ausgewählte wissenschaftliche Quellen
- 1KlassifikationDohan Ehrenfest DM et al. Classification of platelet concentrates. Trends Biotechnol. 2009. PMID 19187989.
- 2KlassifikationDeLong JM et al. Platelet-rich plasma: the PAW classification system. Arthroscopy. 2012. PMID 22738751.
- 3LaborKobayashi Y et al. Leukocyte concentration and composition in platelet-rich plasma influences the growth factor and protease concentrations. J Orthop Sci. 2016. PMID 27503185.
- 4LaborBaria M et al. Cellular Components and Growth Factor Content of Platelet-Rich Plasma With a Customizable Commercial System. Am J Sports Med. 2019. PMID 30848659.
- 5LaborZiegler CG et al. Characterization of Growth Factors, Cytokines, and Chemokines in Bone Marrow Concentrate and Platelet-Rich Plasma. Am J Sports Med. 2019. PMID 31034242.
- 6LaborMarathe A et al. Double-Spin Leukocyte-Rich Platelet-Rich Plasma Is Predominantly Lymphocyte Rich With Notable Concentrations of Other White Blood Cell Subtypes. 2022. PMID 35494265.
- 7RCTDi Martino A et al. Leukocyte-Rich versus Leukocyte-Poor Platelet-Rich Plasma for the Treatment of Knee Osteoarthritis. 2022. PMID 35103547.
- 8LaborNiemann M et al. Individual immune cell and cytokine profiles determine platelet-rich plasma composition. 2023. PMID 36627721.
- 9LaborJayaram P et al. Leukocyte-Rich Platelet-Rich Plasma Is Predominantly Anti-inflammatory Compared With Leukocyte-Poor Platelet-Rich Plasma. 2023. PMID 37199381.
- 10KonsensusHurley ET et al. Experts Achieve Consensus on a Majority of Statements Regarding Platelet-Rich Plasma Treatments. 2024. PMID 37625660.
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- 12RCTRomandini I et al. Leukocytes Do Not Influence the Safety and Efficacy of Platelet-Rich Plasma Injections for the Treatment of Knee Osteoarthritis. 2024. PMID 39394763.
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- 18RCTWałecka J et al. Comparative Efficacy of Leukocyte-Rich and Leukocyte-Poor PRP for Lateral Epicondylitis on Isokinetic and Isometric Upper Limb Strength under an Identical Rehabilitation Protocol. 2026. PMID 42829102.
Nur für Fachanwender. Dieser Fachbeitrag dient der wissenschaftlichen Einordnung von PRP-Zellprofilen und der aktuellen Fachliteratur. Er stellt keine Diagnose-, Therapie-, Dosierungs- oder Behandlungsempfehlung dar. Zweckbestimmung und Gebrauchsanweisung verwendeter Medizinprodukte sowie die fachliche Beurteilung im individuellen medizinischen Kontext bleiben maßgeblich.