Fachinformation · PRP · Kontraindikationen

PRP-Therapie: Kontraindikationen, Risiken und ärztliche Abklärung

PRP wird in verschiedenen medizinischen Fachbereichen eingesetzt und wissenschaftlich untersucht. Trotzdem ist das Verfahren nicht für jede Patientin und jeden Patienten geeignet. Entscheidend sind Indikation, Anamnese, Begleiterkrankungen, Medikation, Laborwerte und die ärztliche Einzelfallbewertung.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen fachlichen Information. Er ersetzt keine ärztliche Diagnose, keine individuelle Aufklärung und keine Therapieentscheidung.

Was ist PRP?

PRP steht für „platelet-rich plasma“, also plättchenreiches Plasma. Es handelt sich um ein aus Eigenblut gewonnenes Plasma mit erhöhter Konzentration an Thrombozyten im Vergleich zu Vollblut. Thrombozyten sind an der Blutgerinnung beteiligt und enthalten bioaktive Bestandteile, die in der Forschung im Zusammenhang mit Gewebereaktionen, Wundheilungsprozessen und regenerativen Fragestellungen untersucht werden.

Wichtig ist: PRP ist kein einheitlich standardisiertes Produkt. Die Zusammensetzung kann je nach System, Röhrchen, Zentrifugationsprotokoll, Leukozytenanteil, Thrombozytenkonzentration, Aktivierung und Entnahmetechnik variieren. Deshalb lassen sich Studienergebnisse nicht ohne Weiteres auf jedes PRP-Protokoll übertragen.

Für die medizinische Praxis bedeutet das: PRP sollte nicht pauschal bewertet werden. Entscheidend sind Indikation, Aufbereitungsprotokoll, Patientensituation und die fachliche Einschätzung der behandelnden Ärztin oder des behandelnden Arztes.

Ablauf einer PRP-Anwendung

Eine PRP-Anwendung folgt in der Regel einem strukturierten Ablauf. Die konkrete Durchführung richtet sich nach Indikation, Praxisstandard, verwendetem System und Herstellerangaben.

Blutentnahme

Zunächst wird venöses Blut entnommen. Die benötigte Menge hängt vom verwendeten PRP-System, der geplanten Anwendung und dem benötigten Plasmavolumen ab.

Zentrifugation

Das Blut wird in geeigneten Röhrchen oder einem dafür vorgesehenen System zentrifugiert. Dabei werden Blutbestandteile nach ihrer Dichte getrennt. Für die Vergleichbarkeit ist nicht nur die Drehzahl in RPM relevant, sondern vor allem die relative Zentrifugalbeschleunigung, also der RCF- bzw. g-Wert.

Entnahme der Plasmafraktion

Die vorgesehene Plasmafraktion wird nach Protokoll entnommen. Ob ein leukozytenarmes oder leukozytenreicheres Präparat angestrebt wird, hängt vom Verfahren und der Indikation ab.

Anwendung durch qualifiziertes Personal

Vorab müssen Kontraindikationen, Medikation, Infektionszeichen, Aufklärung, Einwilligung und hygienische Anforderungen geprüft werden.

PRP-Kontraindikationen: Wann ist Vorsicht geboten?

Die folgenden Punkte sind typische Situationen, in denen eine PRP-Anwendung kontraindiziert sein kann oder nur nach sorgfältiger ärztlicher Abwägung erfolgen sollte. Die Liste ist nicht abschließend. Maßgeblich bleiben die individuelle Patientensituation, die Indikation und die Gebrauchsanweisung des verwendeten Systems.

Aktive Infektionen, Fieber und Sepsis

Bei aktiven Infektionen sollte eine elektive PRP-Anwendung in der Regel verschoben werden. Das gilt besonders bei Infektionen im geplanten Behandlungsareal, bei Fieber, systemischen Infektionszeichen oder Sepsis.

Blutgerinnungsstörungen

Relevante Blutgerinnungsstörungen oder klinisch auffällige Blutungsneigung können gegen eine PRP-Anwendung sprechen. Bei unklarer Anamnese ist eine ärztliche Abklärung erforderlich.

Antikoagulanzien und Thrombozytenhemmer

Gerinnungshemmende Medikamente erfordern eine sorgfältige Bewertung. Sie dürfen nicht eigenmächtig pausiert, reduziert oder abgesetzt werden.

Thrombozytopenie und hämatologische Erkrankungen

Bei erniedrigter Thrombozytenzahl, gestörter Thrombozytenfunktion oder hämatologischen Erkrankungen kann die Gewinnung eines geeigneten PRP-Präparats eingeschränkt sein.

Maligne Erkrankungen

Bei aktiver Krebserkrankung ist besondere Zurückhaltung erforderlich. Bei zurückliegender Tumorerkrankung sollte die Entscheidung individuell und gegebenenfalls nach onkologischer Rücksprache getroffen werden.

Autoimmunerkrankungen und Immunsuppression

Autoimmunerkrankungen stellen nicht automatisch eine absolute Kontraindikation dar. Entscheidend sind Krankheitsaktivität, Organbeteiligung, aktuelle Medikation und Allgemeinzustand.

Schwangerschaft und Stillzeit

Für viele PRP-Anwendungen in Schwangerschaft und Stillzeit liegen nur begrenzte belastbare Daten vor. Medizinisch nicht notwendige ästhetische Anwendungen sollten in dieser Zeit in der Regel verschoben werden.

Schwere systemische Erkrankungen

Schwere oder dekompensierte systemische Erkrankungen können gegen eine PRP-Anwendung sprechen, etwa bei deutlich reduziertem Allgemeinzustand, schwerer Organinsuffizienz oder schlecht eingestelltem Diabetes mellitus.

Medikamente vor PRP: Was muss beachtet werden?

Verschiedene Arzneimittel können die Gerinnung, Thrombozytenfunktion oder Gewebereaktion beeinflussen. Dazu zählen unter anderem:

  • Antikoagulanzien
  • Thrombozytenaggregationshemmer
  • nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen
  • systemische oder lokale Kortikosteroide
  • bestimmte onkologische oder immunsuppressive Therapien

Ob und wie lange ein Medikament vor einer PRP-Anwendung pausiert werden sollte, lässt sich nicht pauschal festlegen. Maßgeblich sind Grunderkrankung, Indikation, Dosierung, Risikoabwägung und ärztliche Entscheidung. Patientinnen und Patienten sollten Medikamente niemals selbstständig absetzen.

PRP-Risiken und mögliche Nebenwirkungen

PRP wird aus Eigenblut gewonnen. Das bedeutet aber nicht, dass die Anwendung risikofrei ist. Je nach Applikationsform können unter anderem auftreten:

  • Schmerzen oder Druckgefühl an der Einstichstelle
  • Hämatome
  • Schwellung oder Rötung
  • lokale Reizung
  • Infektion
  • vorübergehende Beschwerdezunahme
  • Kreislaufreaktionen im Zusammenhang mit Blutentnahme oder Injektion

Bei invasiven Anwendungen sind hygienisches Arbeiten, geeignete Materialien, korrekte Technik, Indikationsstellung und Nachsorge entscheidend. Patientinnen und Patienten sollten über Warnzeichen informiert werden, etwa zunehmende Schmerzen, starke Rötung, Fieber, Sekretion oder deutliche Schwellung.

Anamnese und Patientenauswahl

Eine strukturierte Anamnese ist ein zentraler Bestandteil jeder PRP-Anwendung. Sie sollte mindestens folgende Punkte erfassen:

  • nachvollziehbare Indikation
  • Infektionszeichen oder Fieber
  • Gerinnungsstörungen oder Blutungsanamnese
  • Antikoagulanzien oder Thrombozytenhemmer
  • Thrombozytopenie oder hämatologische Erkrankungen
  • aktive oder zurückliegende Tumorerkrankung
  • Schwangerschaft oder Stillzeit
  • schwere systemische Erkrankungen
  • vollständige Medikamentenliste
  • Aufklärung, Einwilligung und Nachsorge
  • IFU, SOP und Hygienevorgaben

Ein Blutbild mit Thrombozytenzahl kann je nach Patientensituation sinnvoll sein. Bei auffälliger Anamnese können weitere Werte wie INR, aPTT oder zusätzliche fachärztliche Untersuchungen erforderlich sein.

Forschungsstand: Warum PRP nicht pauschal bewertet werden sollte

Die wissenschaftliche Literatur zu PRP ist umfangreich, aber heterogen. Studien unterscheiden sich häufig hinsichtlich Indikation, Patientengruppe, Aufbereitung, Thrombozytenkonzentration, Leukozytenanteil, Aktivierung, Applikationsform und Endpunkten. Deshalb sind Ergebnisse nicht automatisch auf andere Protokolle oder Fachbereiche übertragbar.

Für die Praxis bedeutet das: Aussagen zu PRP sollten indikationsbezogen, quellenkritisch und zurückhaltend formuliert werden. Eine seriöse Bewertung berücksichtigt immer das konkrete Verfahren, die Patientenauswahl und die vorhandene Evidenz zur jeweiligen Fragestellung.

PRP-Röhrchen und Materialauswahl

Für die Aufbereitung von PRP werden geeignete Röhrchen, Zentrifugen und sterile Verbrauchsmaterialien benötigt. Die Materialauswahl sollte sich an der geplanten Anwendung, der Praxis-SOP, den Herstellerangaben und den geltenden hygienischen Anforderungen orientieren.

Fachkreise finden bei prpmed eine Übersicht in der Kategorie PRP-Röhrchen. Technische Angaben zu einzelnen Produkten, etwa den Vi PRP-PRO PRP-Röhrchen, sollten stets zusammen mit der jeweiligen Gebrauchsanweisung und dem vorgesehenen Arbeitsablauf betrachtet werden.

Neutraler Materialhinweis für Fachkreise

Die Wahl eines Röhrchens oder Systems ersetzt keine Indikationsstellung, keine ärztliche Risikoabwägung und keine fachgerechte Durchführung. Aus Produktangaben darf kein Behandlungserfolg abgeleitet werden.

Häufige Fragen zu PRP-Kontraindikationen

Ist PRP für jeden geeignet?

Nein. Kontraindikationen, Medikation, Infektionen, Blutwerte, Begleiterkrankungen und die konkrete Indikation müssen vorab ärztlich geprüft werden.

Darf man Schmerzmittel vor einer PRP-Anwendung einnehmen?

Das hängt vom Wirkstoff, der Dosierung, der Indikation und der Grunderkrankung ab. Nichtsteroidale Antirheumatika können die Thrombozytenfunktion beeinflussen. Ob eine Pause sinnvoll oder notwendig ist, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.

Ist PRP bei Schwangerschaft oder Stillzeit geeignet?

Für viele PRP-Anwendungen in Schwangerschaft und Stillzeit liegen nur begrenzte belastbare Daten vor. Medizinisch nicht notwendige ästhetische Anwendungen sollten in dieser Zeit in der Regel verschoben werden.

Ist PRP bei Krebs erlaubt?

Bei aktiver Krebserkrankung ist besondere Zurückhaltung erforderlich. Je nach Situation kann PRP kontraindiziert sein. Bei zurückliegender Tumorerkrankung sollte die Entscheidung individuell und gegebenenfalls nach onkologischer Rücksprache getroffen werden.

Sind PRP-Röhrchen für das Ergebnis entscheidend?

PRP-Röhrchen sind Teil des Aufbereitungsprozesses. Relevant sind außerdem Zentrifuge, RCF/g-Wert, Zentrifugationszeit, Entnahmetechnik, Protokoll, Hygiene und die fachgerechte Anwendung. Ein Produkt allein erlaubt keine Aussage über einen Behandlungserfolg.

Fazit

PRP ist ein Verfahren, das in verschiedenen medizinischen Fachbereichen eingesetzt und wissenschaftlich untersucht wird. Gleichzeitig ist es nicht für jede Patientin und jeden Patienten geeignet. Kontraindikationen, Begleiterkrankungen, Medikation, Laborwerte und der klinische Zustand müssen vor einer Anwendung sorgfältig geprüft werden.

Entscheidend sind eine klare Indikationsstellung, strukturierte Anamnese, realistische Aufklärung, saubere Dokumentation, hygienisches Arbeiten und die Einhaltung der Herstellerangaben. Wo Unsicherheit besteht, sollte eine PRP-Anwendung verschoben oder fachärztlich abgeklärt werden.

Compliance-Hinweis für Fachkreise: Dieser Beitrag stellt keine Therapieempfehlung, keine ärztliche Beratung und keine Zusicherung bestimmter Behandlungsergebnisse dar. Die Entscheidung über Indikation, Durchführung, Materialauswahl und Nachsorge liegt bei der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt. Herstellerangaben, Gebrauchsanweisungen, SOPs und geltende rechtliche Vorgaben sind zu beachten.

Quellen und weiterführende Literatur

  1. Heilmittelwerbegesetz, § 3 Irreführende Werbung: https://www.gesetze-im-internet.de/heilmwerbg/__3.html
  2. Eymard F. et al. Indications and contraindications to platelet-rich plasma injections in musculoskeletal diseases in case of infectious, oncological and haematological comorbidities: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40260684/
  3. Lim J. J. et al. Most Orthopaedic Platelet-Rich Plasma Investigations Don’t Sufficiently Report Preparation and Composition: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38522650/
  4. Kon E. et al. The chimera of reaching a universal consensus on platelet-rich plasma: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39073848/

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