Fachinformation für medizinische Anwender

PRP-Therapie in der Dermatologie: Evidenz, Anwendungen und Grenzen

Was aktuelle Studien zu Haarausfall, Aknenarben, Hautregeneration und chronischen Wunden tatsächlich zeigen.

Stand: August 2026PRP · Dermatology · Evidence review
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Die Studienlage auf einen Blick

Am besten untersucht

Androgenetische Alopezie

Moderate Evidenz für eine Verbesserung der Haardichte. Ein genereller Vorteil gegenüber etablierten Verfahren ist nicht belegt.

Mögliche Ergänzung

Atrophische Aknenarben

PRP wird vor allem zusammen mit Microneedling, Laser oder Subzision untersucht. Die Studienqualität bleibt uneinheitlich.

Vorläufige Daten

Hautregeneration

Hinweise auf moderate Effekte bei Hautstruktur und feinen Linien; standardisierte Protokolle und Langzeitdaten fehlen.

Spezialisierter Einsatz

Chronische Wunden

Positive Ergebnisse insbesondere bei diabetischen Fußulzera, jedoch nur als Teil eines strukturierten Wundkonzepts.

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Was ist plättchenreiches Plasma?

Plättchenreiches Plasma, kurz PRP, wird aus dem eigenen Blut der behandelten Person gewonnen. Nach der Blutentnahme werden die Blutbestandteile durch Zentrifugation getrennt. Die aufbereitete Plasmafraktion enthält eine gegenüber dem Ausgangsblut erhöhte Konzentration an Thrombozyten. Nach ihrer Aktivierung können diese Wachstumsfaktoren, Zytokine und weitere Signalstoffe freisetzen, die an Gewebereparatur, Zellkommunikation, Gefäßneubildung und dem Aufbau extrazellulärer Matrix beteiligt sind.

Diese biologische Plausibilität bedeutet nicht automatisch, dass jede PRP-Behandlung klinisch wirksam ist. Diagnose, Ausgangsbefund, PRP-Zusammensetzung, Aufbereitung und Applikation beeinflussen das Ergebnis.

Wichtig: PRP ist kein einheitlich standardisiertes Produkt. Unterschiedliche Systeme können deutlich verschiedene Zell- und Plasmazusammensetzungen liefern.
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Warum sich Studien und Behandlungsergebnisse unterscheiden

Unter dem Begriff PRP werden sehr unterschiedliche Präparate zusammengefasst. Unterschiede bestehen bei Thrombozytenkonzentration, Leukozytenanteil, Resterythrozyten, Plasmavolumen, Aktivierung, Zentrifugation und Applikation.

Auch Zahl und Abstand der Sitzungen, Injektionstiefe, behandelte Fläche, Kombinationen mit Microneedling oder Laser und die Messmethoden sind häufig nicht vergleichbar. Aus einer positiven Einzelstudie lässt sich deshalb kein universelles PRP-Protokoll ableiten.

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PRP bei androgenetischer Alopezie

Für den erblich bedingten Haarausfall bei Frauen und Männern liegt die derzeit umfangreichste dermatologische Evidenz vor. Eine große systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025 bewertet die Evidenz insgesamt als moderat. Verbessert wurden vor allem Haardichte, klinisch wahrgenommener Haarverlust und Patientenzufriedenheit; für Haardicke und weitere follikelbezogene Messwerte waren die Ergebnisse weniger eindeutig.[1]

Eine 2026 veröffentlichte Metaanalyse verglich PRP direkt mit topischem Minoxidil. Für Haardichte und terminale Haaranzahl zeigte sich kein klarer genereller Vorteil von PRP. Teilweise fielen Zufriedenheit und Hair-Pull-Test zugunsten von PRP aus, die Studien waren jedoch stark heterogen.[2]

PRP kann bei geeigneter Diagnose eine ergänzende oder alternative Option sein. Es ist kein pauschaler Ersatz für etablierte Therapien. Diffuser Haarverlust, androgenetische Alopezie, Alopecia areata und vernarbende Alopezien müssen voneinander abgegrenzt werden.

Nicht belegt: Die Aussage, PRP bilde vollständig neue Haarfollikel, geht über die klinischen Daten hinaus.
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PRP bei Aknenarben – nicht mit aktiver Akne verwechseln

Bei atrophischen Aknenarben wird PRP meist ergänzend zu Microneedling, fraktioniertem Laser oder Subzision eingesetzt. Eine Übersicht systematischer Reviews aus dem Jahr 2024 kam zu dem Ergebnis, dass die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz niedrig bis sehr niedrig ist. Viele Studien sind klein und verwenden unterschiedliche Narbenskalen und Protokolle.[3]

Eine Netzwerk-Metaanalyse von 2025 bewertete die Kombination aus Laser und PRP bei der Verringerung der Narbenschwere vergleichsweise günstig. Solche Ranglisten ersetzen jedoch keine belastbaren standardisierten Empfehlungen.[4]

Aktive entzündliche Akne ist ein anderes Krankheitsbild. Für Aussagen, PRP entferne Bakterien, Talg oder „Giftstoffe“ und verhindere neue Pickel, fehlt eine tragfähige klinische Grundlage. Die aktuelle Akne-Leitlinie empfiehlt etablierte topische und systemische Verfahren; PRP gehört nicht zu den Standardtherapien aktiver Akne.[9]

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Hautregeneration und Zeichen der Hautalterung

In der ästhetischen Dermatologie wird PRP zur Verbesserung von Hautstruktur, feinen Linien, Elastizität und subjektiv wahrgenommener Hautqualität untersucht. Die Anwendung erfolgt allein oder ergänzend zu Microneedling und fraktionierten Verfahren.

Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025 fand Hinweise auf Verbesserungen bei Falten und Hauttextur. Kleine Gruppen, unterschiedliche Aufbereitungsmethoden, variable Intervalle und uneinheitliche Messinstrumente begrenzen jedoch die Aussagekraft.[5]

Realistisch sind mögliche moderate Veränderungen der Hautqualität. Aussagen wie „entfernt Falten“, „beseitigt Augenringe“ oder „löscht Pigmentierungen“ sind wissenschaftlich nicht abgesichert.

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PRP in der Versorgung chronischer Wunden

Ein weiterer Einsatzbereich ist die unterstützende Behandlung chronischer Wunden. Am besten untersucht sind diabetische Fußulzera. Eine Metaanalyse randomisierter Studien aus dem Jahr 2025 berichtete gegenüber konventioneller Versorgung eine höhere Rate vollständiger Wundheilung und kürzere Heilungszeiten.[6]

Diese Ergebnisse dürfen nicht auf jede Wunde übertragen werden. Chronische Wunden erfordern die Abklärung von Durchblutung, Druckbelastung, Infektion, Neuropathie und Stoffwechsellage. PRP ersetzt weder Debridement noch Infektionskontrolle, Druckentlastung oder die Behandlung der Grunderkrankung.

Abgrenzung: Es ist nicht belegt, dass eine PRP-Anwendung zukünftige diabetische Ulzera verhindert.
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Melasma, Vitiligo und Dehnungsstreifen

Melasma

Für Melasma liegen kleinere Studien zu PRP allein und in Kombination mit Microneedling oder anderen Verfahren vor. Systematische Auswertungen zeigen mögliche Effekte, aber keinen stabilen Nachweis einer generellen Überlegenheit. PRP ist daher eher eine untersuchte Zusatzoption als eine etablierte Standardtherapie.[7]

Vitiligo

Einzelne Studien berichten positive Ergebnisse, besonders in Kombination mit fraktioniertem Laser. Kleine Fallzahlen, unterschiedliche Körperregionen und uneinheitliche Repigmentierungsmaße begrenzen die Übertragbarkeit.

Dehnungsstreifen

Bei Striae distensae wurden klinische und histologische Veränderungen beschrieben. Die Gesamtübersicht von 2024 zeigt jedoch eine breite, uneinheitliche Therapielandschaft ohne verlässlich überlegene Methode. Eine vollständige Entfernung sollte nicht versprochen werden.[8]

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Risiken, Kontraindikationen und Hygiene

Da PRP autolog ist, sind immunologische Reaktionen auf fremde Blutbestandteile weniger wahrscheinlich. Typische lokale Begleiterscheinungen sind Schmerzen, Rötung, Schwellung, Druckempfindlichkeit, Blutergüsse und kurzfristige Blutungen. Seltene, aber relevante Risiken umfassen Infektionen, Gefäß- oder Nervenverletzungen sowie Komplikationen durch eine ungeeignete Applikation.

Besondere Sorgfalt ist bei Gerinnungsstörungen, Thrombozytopenie, Antikoagulation, akuten Infektionen, bestimmten hämatologischen Erkrankungen und nicht kontrollierten Grunderkrankungen erforderlich.

Ein CDC-Bericht dokumentierte wahrscheinliche HIV-Übertragungen nach PRP-Microneedling in einer nicht zugelassenen Einrichtung mit mangelhafter Infektionskontrolle. Das Problem war nicht das autologe Plasma, sondern der unsachgemäße Umgang mit Blut, Nadeln und Mehrwegmaterialien.[10]

Hygiene ist nicht optional: sterile Einmalmaterialien, eindeutige Patientenzuordnung, validierte Aufbereitung, sichere Entsorgung und nachvollziehbare Dokumentation sind grundlegende Voraussetzungen.
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Praktische Einordnung der Evidenz

IndikationEinordnungWichtigste Einschränkung
Androgenetische AlopezieModerate EvidenzKeine einheitlichen Protokolle.
Atrophische AknenarbenNiedrig bis variabelMeist Kombinationstherapie.
HautregenerationVorläufigSubjektive Messungen, wenig Langzeitdaten.
Diabetische FußulzeraVielversprechendNur in strukturierter Wundversorgung.
Melasma, Vitiligo, StriaeNicht ausreichend standardisiertKeine pauschalen Wirksamkeitsversprechen.

Die Qualität eines PRP-Konzepts hängt außerdem von einem definierten Aufbereitungssystem, passenden Zentrifugationsparametern, steriler Arbeitsweise und einer dokumentierten SOP ab.

Technischer PRP-Workflow: systembezogen planen

Für die professionelle PRP-Aufbereitung müssen Röhrchen, Zentrifuge, Rotor, RCF, Laufzeit und interne SOP zusammenpassen. Werte dürfen nicht ungeprüft auf andere Systeme übertragen werden.

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Die Produktlinks dienen der technischen Orientierung für Fachanwender. Die konkrete Eignung ist anhand der Herstellerunterlagen, Gebrauchsanweisungen und internen Praxisvorgaben zu prüfen.

Ausgewählte Studien und Quellen

Die Auswahl bildet die wichtigsten Aussagen des Artikels ab und ersetzt keine vollständige systematische Literaturrecherche.

  1. 1Anitua E. et al. Platelet-Rich Plasma in the Management of Alopecia: A Comprehensive Systematic Review and Meta-Analysis. (2025)
  2. 2Umar M. et al. Comparative Efficacy and Safety of PRP versus Topical Minoxidil for Androgenetic Alopecia. (2026)
  3. 3Cruciani M. et al. Platelet rich plasma use for treatment of acne scars: an overview of systematic reviews. (2024)
  4. 4Wu B. et al. Optimal treatment options for acne scars: a network meta-analysis of randomized controlled trials. (2025)
  5. 5Rodríguez-Castro M. J. et al. Efficacy of platelet-rich plasma in facial rejuvenation: a systematic review. (2025)
  6. 6Xu H. et al. Efficacy and safety of platelet-rich plasma versus conventional treatment for diabetic foot ulcers. (2025)
  7. 7Alshammari N. M. et al. Efficacy and Safety of Platelet-Rich Plasma in Melasma: Systematic Review and Meta-Analysis. (2024)
  8. 8Zhu C. K. et al. A Systematic Review on Treatment Outcomes of Striae Distensae. (2024)
  9. 9Reynolds R. V. et al. Guidelines of care for the management of acne vulgaris. (2024)
  10. 10CDC. Investigation of Presumptive HIV Transmission Associated with Receipt of PRP Microneedling Facials. (2024)
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