Leben retten mit Blutplasma
Blutplasma ist weit mehr als die Flüssigkeit zwischen den Blutzellen. Es wird als Blutkomponente eingesetzt und dient als Ausgangsstoff für Arzneimittel. Beides kann für Patientinnen und Patienten wichtig sein – aber nur bei klarer Indikation und unter medizinischer Kontrolle.
Spenderplasma, Plasmaderivate und autologes PRP sind unterschiedliche Produkte mit unterschiedlichen Anwendungsbereichen.
Was ist Blutplasma?
Blutplasma ist der flüssige, weitgehend zellfreie Anteil des Blutes. Darin werden Blutzellen sowie zahlreiche gelöste Stoffe transportiert. Neben Wasser enthält Plasma unter anderem Proteine, Elektrolyte, Nährstoffe, Hormone und Stoffwechselprodukte.
Albumin
Albumin übernimmt Transportfunktionen und trägt zur Aufrechterhaltung des kolloidosmotischen Drucks bei.
Immunglobuline
Immunglobuline sind Antikörper. Sie werden aus menschlichem Plasma gewonnen und für definierte Erkrankungen als Arzneimittel eingesetzt.
Gerinnungsfaktoren
Verschiedene Gerinnungsfaktoren und ihre Inhibitoren sind an der kontrollierten Blutstillung beteiligt.2
Transport und Regulation
Plasma verteilt gelöste Stoffe im Körper und trägt zur Regulation von Flüssigkeitshaushalt, pH-Wert und Blutvolumen bei.
Wann therapeutisches Plasma eingesetzt wird
Therapeutisches Plasma enthält ein breites Spektrum an Gerinnungsfaktoren. Es kann Bestandteil eines umfassenden Behandlungskonzepts sein, wenn bei einer schweren Blutung relevante Gerinnungsfaktoren fehlen oder stark verdünnt wurden. Die Entscheidung richtet sich nach der klinischen Situation, der Gerinnungsdiagnostik und den geltenden transfusionsmedizinischen Leitlinien.3
Mögliche Einsatzsituationen
- schwere akute Blutungen mit relevanter Gerinnungsstörung
- bestimmte Plasmaaustauschverfahren
- ausgewählte Gerinnungsfaktormängel, wenn kein geeignetes Konzentrat verfügbar ist
Keine pauschale Anwendung
- nicht als allgemeiner Volumenersatz
- nicht zur künstlichen Ernährung
- nicht allein zur vorsorglichen Normalisierung einzelner Laborwerte
Sie hängt unter anderem von Körpergewicht, Blutverlust, Gerinnungswerten und klinischem Verlauf ab. Starre Literangaben gehören deshalb nicht in einen allgemeinen Patienten- oder Händlerartikel.
Arzneimittel aus gespendetem Plasma
Ein Teil des gespendeten Plasmas wird in spezialisierten Herstellungsverfahren in einzelne Proteinfraktionen aufgetrennt. Daraus entstehen zugelassene Arzneimittel, die jeweils für definierte Erkrankungen und Behandlungssituationen vorgesehen sind.4
Typische Produktgruppen
- Immunglobulinpräparate
- Gerinnungsfaktoren und Gerinnungsinhibitoren
- Humanalbumin
- Fibrinkleber und weitere spezielle Plasmaproteine
Warum Spenden weiterhin nötig sind
Einzelne Proteine können heute auch rekombinant hergestellt werden. Das gesamte Spektrum plasmabasierter Arzneimittel lässt sich dadurch jedoch nicht ersetzen. Die internationale Versorgung mit sicheren Plasmaprodukten bleibt daher eine Aufgabe der Blut- und Plasmaspendesysteme.5
Kontrollen senken Risiken – sie beseitigen sie nicht vollständig
Für Blut- und Plasmaspenden gelten Vorgaben zur Auswahl der Spenderinnen und Spender, zur Labortestung, zur Herstellung und zur Rückverfolgbarkeit. Je nach Produkt kommen weitere Verfahren wie Quarantänelagerung oder Pathogeninaktivierung hinzu.
Mögliche Reaktionen
- allergische Reaktionen
- Kreislauf- und Volumenüberlastung
- seltene schwere Transfusionsreaktionen
- bei hohen Mengen mögliche Citrat- und Elektrolytstörungen
Ärztliche Überwachung
Therapeutisches Plasma wird ausschließlich unter medizinischer Kontrolle eingesetzt. Vor der Transfusion werden Indikation, Verträglichkeit, Blutgruppe und weitere patientenbezogene Faktoren geprüft.
Spenderplasma ist nicht dasselbe wie PRP
Bei PRP wird aus dem Eigenblut einer Patientin oder eines Patienten eine plättchenreiche Plasmafraktion aufbereitet. Therapeutisches Spenderplasma stammt dagegen aus einer Fremdspende und wird als Blutkomponente beziehungsweise als Ausgangsmaterial für Plasmaderivate verwendet. Herkunft, Zusammensetzung, Regulierung und medizinischer Zweck unterscheiden sich grundlegend.
| Merkmal | Therapeutisches Spenderplasma | Autologes PRP |
|---|---|---|
| Herkunft | Fremdspende aus Blut- oder Plasmaspende | Eigenblut der behandelten Person |
| Schwerpunkt | Breites Spektrum an Plasmaproteinen und Gerinnungsfaktoren | Aufbereitung einer thrombozytenreichen Plasmafraktion |
| Verwendung | Transfusionsmedizin oder Herstellung von Plasmaderivaten | Verwendung im Rahmen eines ärztlich verantworteten PRP-Verfahrens |
| Technik | Gewinnung und Verarbeitung in zugelassenen Spende- und Herstellungsstrukturen | Aufbereitung mit dafür vorgesehenen Röhrchen, Zentrifuge und dokumentiertem Protokoll |
Die verlinkten Produkte betreffen ausschließlich die professionelle Aufbereitung von autologem PRP. Sie stehen nicht mit Blutspenden, Plasmatransfusionen oder der Herstellung von Plasmaderivaten in Verbindung.
Blutplasma kurz eingeordnet
Kann Blutplasma bei jeder starken Blutung eingesetzt werden?
Nein. Entscheidend sind die Art der Blutung, die Gerinnungssituation und der klinische Verlauf. Plasma ist nur ein möglicher Bestandteil eines umfassenden Transfusionskonzepts.
Ist Plasma ein Mittel zur „Entgiftung“?
Diese pauschale Formulierung ist medizinisch irreführend. Plasma übernimmt im Körper Transport- und Regulationsfunktionen. Daraus folgt jedoch keine allgemeine therapeutische „Entgiftungswirkung“ einer Plasmatransfusion.
Wird jede Plasmaspende direkt transfundiert?
Nein. Plasma kann als Blutkomponente verwendet oder zur Herstellung bestimmter plasmabasierter Arzneimittel weiterverarbeitet werden.
Sind PRP-Röhrchen für Spenderplasma geeignet?
Nein. PRP-Röhrchen sind für definierte autologe PRP-Workflows vorgesehen. Sie sind keine Behältnisse für die Gewinnung, Lagerung oder Transfusion von therapeutischem Spenderplasma.