Hettich EBA 200 MD Typ 1810 für PRP & PRF: RCF, RPM, Rotor und Protokolle
Was die Medizinprodukt-Ausführung Typ 1810 von der EBA 200 Typ 1800 unterscheidet, welche Rolle der Rotor E4413 und der Rotorradius spielen und wie sich dokumentierte RCF-Werte technisch nachvollziehbar einordnen lassen.
Die Hettich EBA 200 MD, Typ 1810 ist ein Medizinprodukt der Klasse IIa nach MDR (EU) 2017/745 und laut Hettich zur Trennung von Vollblut oder Blutbestandteilen menschlichen Ursprungs bestimmt. Sie ist nicht identisch mit der EBA 200 Typ 1800: Typ 1800 ist die IVDR-Ausführung für die In-vitro-Diagnostik. Beide tragen den Modellnamen EBA 200; für Einkauf, SOP und Geräteverzeichnis ist deshalb die Typnummer entscheidend. PRP oder PRF nennt Hettich für Typ 1810 nicht als eigenständige Zweckbestimmung.
Ob ein konkretes PRP- oder PRF-System mit dieser Zentrifuge verarbeitet werden kann und welche Parameter gelten, muss aus den Herstellerunterlagen des Röhrchen- bzw. Aufbereitungssystems sowie der Geräte- und Rotordokumentation hervorgehen. RCF, Laufzeit, Röhrchengeometrie, Rotor, Adapter und gegebenenfalls weitere Prozessparameter gehören zusammen. Die Drehzahl lässt sich erst dann aus Ziel-RCF und wirksamem Rotorradius ableiten.
Praktische Konsequenz: Eine RPM-Angabe aus einer anderen Zentrifuge darf nicht ungeprüft übernommen werden. Ein RCF-Wert ist physikalisch vergleichbarer, ersetzt aber nicht die Prüfung, ob das konkrete System für Rotor, Röhrchen und Prozess freigegeben bzw. vorgesehen ist.
Typ 1810 oder Typ 1800? Zwei Ausführungen, zwei Rechtsrahmen
Unter der Bezeichnung „EBA 200“ werden regulatorisch unterschiedliche Ausführungen angeboten. Typ 1800 ist die IVDR-Variante, Typ 1810 die MDR-Medizinprodukt-Ausführung. Drehzahl und maximale RCF sind zwar gleich, die aktuelle Hettich-Dokumentation führt jedoch unterschiedliche Rotorbezeichnungen und einen unterschiedlichen regulatorischen Einsatzkontext. Für Beschaffung und Dokumentation reicht der Modellname deshalb nicht aus.
| Merkmal | EBA 200 · Typ 1800 | EBA 200 MD · Typ 1810 |
|---|---|---|
| Status | IVD-Ausführung | Medizinprodukt Klasse IIa |
| Rechtsrahmen | IVDR (EU) 2017/746 | MDR (EU) 2017/745 |
| Einsatzkontext | In-vitro-Diagnostik: Probe wird zentrifugiert, um daraus diagnostische Informationen zu gewinnen | Trennung von Vollblut oder Blutbestandteilen menschlichen Ursprungs |
| Max. Drehzahl | 6.000 min⁻¹ | 6.000 min⁻¹ |
| Max. RCF | 3.461 × g | 3.461 × g |
| Serienmäßiger Rotor | E3694, 8-fach, 33° | E4413, 8-fach, 33° |
| Kapazitätsangabe | 8 × 15 ml | Aktuelle Hettich-Produktseite / MD-Datenblatt: 8 × 10 ml; konkrete Gefäßmaße nach E4413-Rotortabelle |
Aus der MD-Klassifizierung lässt sich keine höhere PRP- oder PRF-Qualität ableiten. Der belastbare Unterschied liegt in der Hersteller-Zweckbestimmung und dem regulatorischen Rahmen. Genau deshalb sollte im QM nicht nur „EBA 200“, sondern Typ 1810 mit der zugehörigen aktuellen Geräte- und Rotordokumentation erfasst werden.
Technische und regulatorische Kenndaten von Typ 1810
| Modell / Typ | Hettich EBA 200 MD · Typ 1810 |
|---|---|
| Regulatorischer Status | Medizinprodukt Klasse IIa, MDR (EU) 2017/745 |
| CE-Kennzeichnung | CE 0483 |
| Basic-UDI-DI | 040506740100249W |
| Hersteller-SRN | DE-MF-000010680 |
| Serienmäßiger Rotor | Winkelrotor E4413, 8-fach, 33° |
| Röhrchen / Kapazität | Hettich-Produktseite und MD-Datenblatt: 8 × 10 ml; zulässige Formate zusätzlich nach E4413-Rotortabelle und konkreten Röhrchenmaßen prüfen |
| Maximale Drehzahl | 6.000 min⁻¹ |
| Maximale RCF | 3.461 × g |
| Max. zulässige Dichte | 1,2 kg/dm³ |
| Laufzeit | 1–99 min bzw. 1–59 s, zusätzlich Dauerlauf |
| Bremsstufen | fast / slow |
| Abmessungen (B × T × H) | 261 × 353 × 228 mm |
| Gewicht / Anschlusswert | ca. 9 kg · 100 VA |
Hettichs aktuelle Produktseite und das MD-Datenblatt nennen für Typ 1810 eine maximale Kapazität von 8 × 10 ml. In der allgemeinen technischen Tabelle der Gebrauchsanweisung Rev. 02 / 03.2026 steht zugleich 8 × 15 ml. Die spezifische Rotortabelle für E4413 listet Gefäßformate bis 10 ml und konkrete Maße. Für die praktische Kompatibilitätsprüfung sollten deshalb die E4413-Rotortabelle, Außendurchmesser, Länge und die Herstellerangaben des verwendeten Röhrchens herangezogen werden.
Für Betrieb, Aufstellung, Wartung und sichere Verwendung gelten die Vorgaben der aktuellen Hettich-Gebrauchsanweisung. Diese technischen Betriebsanforderungen sollten in die praxisinterne Geräte- und QM-Dokumentation übernommen werden.
Warum die MD-Ausführung bei autologer Blutaufbereitung relevant ist
Bei PRP und PRF wird patienteneigenes Blut entnommen, außerhalb des Körpers aufbereitet und anschließend wieder appliziert. Die aufbereitete Fraktion ist also zur Verabreichung in den Körper bestimmt – das ist ein anderer Arbeitsablauf als die In-vitro-Diagnostik, bei der die Probe zentrifugiert wird, um daraus Informationen zu gewinnen.
Anhang VIII, Regel 3 der MDR ordnet nicht invasive Produkte zur Veränderung der biologischen oder chemischen Zusammensetzung von Blut oder anderen Körperflüssigkeiten grundsätzlich Klasse IIb zu; wenn die Behandlung aus Filtration, Zentrifugierung oder dem Austausch von Gas oder Wärme besteht, sieht die Regel Klasse IIa vor. Hettich führt die EBA 200 Typ 1810 entsprechend als Medizinprodukt-Ausführung. Die konkrete rechtliche Bewertung eines vollständigen PRP-/PRF-Workflows folgt jedoch nicht allein aus der Geräteklasse.
Für Deutschland ist zusätzlich § 4 MPBetreibV relevant: Produkte dürfen nur ihrer Zweckbestimmung entsprechend und nach den geltenden Anforderungen betrieben und benutzt werden. Für SOP und Geräteverzeichnis sind deshalb Typnummer, Zweckbestimmung, Rotor, CE-Kennzeichnung und die zugehörigen Herstellerunterlagen sinnvoller als eine pauschale Bezeichnung wie „PRP-Zentrifuge“.
Es gibt keine pauschale Vorschrift, nach der jede PRP-Behandlung zwingend mit genau dieser Zentrifuge durchgeführt werden müsste. Und umgekehrt: Der Medizinprodukt-Status der Zentrifuge macht kein Verfahren automatisch zulässig und ersetzt keine Freigabe des Röhrchensystems. Maßgeblich sind der konkrete Arbeitsablauf und die Zweckbestimmungen aller eingesetzten Produkte.
Der Rotor E4413: 8 Plätze, 33° – und ein Radius, der nicht konstant ist
Die aktuelle Gebrauchsanweisung Rev. 02 / 03.2026 führt für Typ 1810 den 8-fach-Winkelrotor E4413 mit 33° auf. Die Rotortabelle nennt unter anderem Gefäße mit 9–10 ml (16 × 92 mm), 10 ml (15 × 102 mm) sowie 5–10 ml (16 × 100 mm). Der Rotor ist mit maximal 50.000 Laufzyklen und fünf Jahren angegeben. Entscheidend ist nicht nur das Nennvolumen, sondern die konkrete Gefäßgeometrie.
Die Hettich-Unterlagen für Typ 1810 enthalten derzeit unterschiedliche übergeordnete Kapazitätsangaben. Für die Auswahl eines Röhrchens ist deshalb die spezifische E4413-Rotortabelle belastbarer: Außendurchmesser, Länge, Adapter, Gefäßzahl pro Rotor und zulässige RCF müssen zur konkreten Konfiguration passen.
Der Punkt, der in Datenblättern regelmäßig untergeht: Der wirksame Radius hängt vom eingesetzten Röhrchen ab. Ein kürzeres Röhrchen sitzt im Winkelrotor weiter innen, ein längeres reicht weiter nach außen. Der Maximalwert von 3.461 × g gilt für den größten Radius bei maximaler Drehzahl – rechnerisch entspricht das rund 86 mm. Die aktuelle E4413-Rotortabelle nennt je nach aufgeführtem Gefäß 67 mm oder 86 mm. Maßgeblich ist der Radius der tatsächlich freigegebenen bzw. dokumentierten Röhrchen-/Adapterkonfiguration.
Dieselbe eingestellte Drehzahl erzeugt bei 67 mm und bei 86 mm Radius unterschiedliche g-Kräfte – der Unterschied liegt bei rund 28 %. Wer ein g-Protokoll in eine Drehzahl umrechnet, muss deshalb den Radius verwenden, der zu seinem konkreten Röhrchen im E4413 gehört. Komfortabler ist der andere Weg: Die EBA 200 MD erlaubt die direkte Eingabe des RCF-Werts, wobei der Zentrifugationsradius berücksichtigt werden kann. Dann entfällt die Handrechnung als Fehlerquelle.
Zweite Grenze, oft übersehen: Die maximale RCF eines Rotors sagt nichts darüber aus, welche g-Belastung das Röhrchen aushält. Die zulässige maximale Belastung des Zentrifugiergefäßes ist beim Röhrchenhersteller zu erfragen. Bei Glasröhrchen und bei Trenngel-Systemen ist das keine theoretische Frage.
RCF statt RPM: warum nur der g-Wert übertragbar ist
Die relative Zentrifugalbeschleunigung (RCF, angegeben in × g) beschreibt die radiale Beschleunigung an einem definierten Radius. RPM beschreibt dagegen die Drehzahl des Rotors. Für den Vergleich zweier Zentrifugenkonfigurationen ist eine RPM-Angabe ohne Radius deshalb nicht ausreichend.
n = √( RCF ÷ ( 1,118 × 10⁻⁶ × r ) )
Weil n quadratisch eingeht, führen 10 % mehr Drehzahl rechnerisch zu rund 21 % mehr RCF am gleichen Radius. Ein dokumentierter RCF-Wert ist deshalb für die technische Einordnung wesentlich aussagekräftiger als eine isolierte RPM-Zahl. Die Freigabe eines kompletten Protokolls ist damit allerdings noch nicht geklärt.
Drehzahl-/RCF-Tabelle für den Rotor E4413
Die folgende Tabelle zeigt, wie stark der Radius das Ergebnis verschiebt. Alle Werte sind rechnerisch aus der RCF-Formel abgeleitet und dienen der Orientierung.
| Drehzahl | RCF bei r = 67 mm | RCF bei r = 86 mm |
|---|---|---|
| 1.000 min⁻¹ | 75 × g | 96 × g |
| 1.500 min⁻¹ | 169 × g | 216 × g |
| 2.000 min⁻¹ | 300 × g | 385 × g |
| 2.500 min⁻¹ | 468 × g | 601 × g |
| 3.000 min⁻¹ | 674 × g | 865 × g |
| 3.500 min⁻¹ | 918 × g | 1.178 × g |
| 4.000 min⁻¹ | 1.198 × g | 1.538 × g |
| 4.500 min⁻¹ | 1.517 × g | 1.947 × g |
| 5.000 min⁻¹ | 1.873 × g | 2.404 × g |
| 6.000 min⁻¹ | 2.697 × g | 3.461 × g |
Lesebeispiel: Ein Zielwert von 1.200 × g erfordert bei 86 mm Radius rechnerisch rund 3.530 min⁻¹, bei 67 mm Radius rund 4.000 min⁻¹. Wird der falsche Radius verwendet, weicht die tatsächlich erzeugte RCF deutlich vom vorgesehenen Wert ab. Welche Auswirkung das auf die resultierende Fraktion hat, ist system- und protokollabhängig.
PRP mit der EBA 200 MD
Viele PRP-Systeme arbeiten mit einem Antikoagulans; das Vi PRP-PRO verwendet beispielsweise Natriumcitrat und ein Trenngel. Andere Systeme nutzen andere Zusätze oder Aufbereitungsschritte. Deshalb sollten PRP-Röhrchen, Rotor, RCF, Laufzeit und Entnahmeschritte als zusammenhängendes System betrachtet werden.
Single-Spin und Double-Spin
Single-Spin bezeichnet Systeme mit einem Zentrifugationslauf. Bei einigen Gel-Systemen entsteht dabei eine physische Trennbarriere zwischen Fraktionen. Welche Schicht anschließend entnommen wird, ergibt sich aus der jeweiligen Systemanweisung.
Double-Spin bezeichnet Verfahren mit einem zweiten Zentrifugationsschritt. Ziel und Ablauf unterscheiden sich je nach System. Ergebnisse aus Single- und Double-Spin-Protokollen sollten deshalb nicht allein anhand der Anzahl der Läufe oder einer einzelnen Konzentrationsangabe miteinander gleichgesetzt werden.
Welche Parameter zusätzlich dokumentiert werden sollten
- Beladung: Der E4413 ist entsprechend der Hettich-Gebrauchsanweisung symmetrisch und massenausgeglichen zu beladen.
- Röhrchen und Adapter: Außendurchmesser, Länge, Füllvolumen und gegebenenfalls Adapter müssen zur Rotortabelle passen.
- Bremsprofil: Die EBA 200 MD bietet unterschiedliche An-/Auslaufprofile. Falls das Röhrchensystem hierzu Vorgaben macht, gehören diese in die SOP.
- Handhabung nach dem Lauf: Entnahme und weitere Verarbeitung sollten dem vorgesehenen Systemablauf folgen; unnötige Erschütterungen sind zu vermeiden.
- Temperatur: Das Gerät ist nicht aktiv gekühlt. Hettich nennt für E4413 bei maximaler Drehzahl und einer Stunde Laufzeit eine Probenerwärmung von 8 °C.
Vom IFU-Protokoll zur Geräteeinstellung: Vi PRP-PRO
Ein konkretes Rechenbeispiel liefert Vi PRP-PRO: Das Vakuumröhrchen aus Borosilikatglas ist für etwa 9 ml Blutaufnahme ausgelegt und enthält 0,8 ml Natriumcitrat sowie ein thixotropes Trenngel. Als produktspezifischer Standardwert werden 1.200 × g für 7 Minuten angegeben. Dieser Wert gehört zum Röhrchensystem; die daraus berechnete RPM hängt von der konkreten Rotorkonfiguration ab.
n = √( 1.200 ÷ ( 1,118 × 10⁻⁶ × 86 ) )
n = √( 1.200 ÷ 0,0000961 ) = √ 12.480.000
n ≈ 3.533 min⁻¹ → Einstellung: 3.530 min⁻¹
Die EBA 200 MD erlaubt die direkte Eingabe von RCF und Radius. Wird dieser Modus genutzt, muss der korrekte RAD-Wert für die konkrete Gefäß-/Adapterkonfiguration eingestellt sein. Die Rechnung oben eignet sich als Plausibilitätskontrolle; verbindlich bleiben die aktuellen Herstellerunterlagen.
1.200 × g / 7 min gehört zu Vi PRP-PRO, nicht zur EBA 200 MD. Ein anderes Röhrchensystem in derselben Zentrifuge kann ein völlig anderes Protokoll erfordern.
PRF: Warum hier die Uhr mitläuft
Klassische PRF-Systeme werden häufig ohne Antikoagulans verarbeitet. Dadurch beginnt die Gerinnung bereits nach der Blutentnahme; Zeit bis zum Zentrifugenstart, Röhrchenmaterial und Prozessablauf können deshalb relevante Protokollparameter sein. Welche Schritte und Zeitfenster gelten, muss aus dem konkreten PRF-System hervorgehen.
Eine Kurzformel wie „PRF = 1.300 U/min“ reicht deshalb nicht aus: Sie nennt eine Drehzahl ohne Radius, Zentrifugenmodell, Röhrchengeometrie und Systembezug. Genau diese Angaben entscheiden darüber, ob ein publiziertes Protokoll überhaupt mit der eigenen Konfiguration vergleichbar ist.
Flüssiges und festes PRF
In der Literatur werden unterschiedliche flüssige und feste PRF-Varianten beschrieben. Diese unterscheiden sich nicht nur in Laufzeit und Zentrifugalkraft, sondern auch in Röhrchen, Zentrifuge, Rotorgeometrie und nachgeschalteter Verarbeitung. Namen wie i-PRF, A-PRF oder L-PRF sind deshalb keine universellen Geräteeinstellungen.
PRF-Protokolle aus der Literatur: Beispiele, keine EBA-200-MD-Vorgaben
Die folgenden Werte zeigen, warum PRF-Protokolle immer mit ihrem Versuchsaufbau gelesen werden müssen. Sie stammen aus konkreten Studienkonfigurationen und werden hier nicht als Anwendungsempfehlung für die EBA 200 MD dargestellt.
| Bezeichnung | Publiziertes Protokoll | Kontext | Einordnung für EBA 200 MD |
|---|---|---|---|
| L-PRF | ca. 400 × g · 12 min | Studie mit spezifischem L-PRF-System, Glas-beschichteten Röhrchen und definierter Zentrifuge | nicht 1:1 übertragen |
| A-PRF | 1.500 min⁻¹ · 14 min | Publiziertes Studienprotokoll mit definierter Zentrifuge und Röhrchenkonfiguration | RPM systemgebunden |
| i-PRF | 700 min⁻¹ · ca. 60 × g · 3 min | In-vitro-Studie mit definierter Zentrifuge; Untersuchung der flüssigen PRF-Fraktion | keine E4413-Freigabe |
Wissenschaftlicher Hintergrund: Dohan Ehrenfest et al. untersuchten 2018 den Einfluss verschiedener Zentrifugen und Protokolle auf L-PRF; Ghanaati et al. beschrieben A-PRF mit 1.500 min⁻¹ / 14 min; Miron et al. untersuchten i-PRF mit 700 min⁻¹ (ca. 60 × g) / 3 min. Die Werte gelten jeweils für den untersuchten Aufbau.
Hettich veröffentlicht für Typ 1810 kein universelles „PRF-Programm“. Zahlen aus Publikationen können wissenschaftlich einordnen, wie bestimmte Autoren gearbeitet haben; sie sind keine Freigabe für E4413 oder ein anderes Röhrchensystem. Vor einer praktischen Übertragung müssen Herstellerangaben, Röhrchengeometrie, Rotor und Prozess zusammenpassen.
Belegt, rechnerisch übertragen oder ungedeckt?
Nicht jede Zahl hat denselben Quellenstatus. Für eine nachvollziehbare SOP sollte erkennbar sein, ob ein Parameter aus der Herstellerdokumentation stammt, lediglich mathematisch umgerechnet wurde oder aus einer fremden Studien-/Gerätekonfiguration übernommen wäre.
| Status | Bedeutung | Verwendbar als … |
|---|---|---|
| IFU-belegt | Parameter stehen in der aktuellen Herstellerdokumentation des verwendeten Systems | Primäre Protokollgrundlage |
| umgerechnet | Dokumentierter Ziel-RCF wird mit dem konkreten Rotorradius mathematisch in RPM übersetzt | Technische Umrechnung; Systemkompatibilität separat prüfen |
| ungedeckt | RPM-Wert aus anderer Zentrifuge oder Publikation ohne passenden Radius-/Systembezug | Nicht als eigene Geräteeinstellung übernehmen |
So sollte die Protokollübersicht in der Praxis aussehen
| System | Zweck | Ziel-RCF | Zeit | Drehzahl EBA 200 MD | Status |
|---|---|---|---|---|---|
| Vi PRP-PRO | PRP, Single-Spin | 1.200 × g | 7 min | ≈ 3.530 min⁻¹ (r = 86 mm) | Produktwert + Umrechnung |
| PRF-System A | flüssiges PRF | laut IFU | laut IFU | aus IFU-g berechnen | umgerechnet |
| PRF-System B | PRF-Membran | laut IFU | laut IFU | aus IFU-g berechnen | umgerechnet |
| „PRP allgemein“ | — | — | — | — | ungedeckt |
Der praktische Vorteil einer solchen Dokumentation ist die Rückverfolgbarkeit: Es bleibt sichtbar, aus welcher Herstellerangabe ein Wert stammt, welcher Radius verwendet wurde und welcher Teil lediglich eine mathematische Umrechnung ist.
Umstieg von einer anderen Zentrifuge: was mitgenommen werden darf
Der häufigste Fehler beim Gerätewechsel ist das Übernehmen der gewohnten Drehzahl. Eine Praxis, die bislang eine andere Zentrifuge mit anderem Rotorradius genutzt hat, arbeitet nach dem Umstieg auf denselben Einstellwert mit einer anderen g-Kraft – oft ohne es zu bemerken, weil das Trennbild optisch zunächst „irgendwie passt“.
| Größe | Übertragbar? | Begründung |
|---|---|---|
| RCF (× g) | bedingt | Physikalisch vergleichbar, aber nur innerhalb eines kompatiblen und dokumentierten Systemaufbaus |
| Laufzeit | bedingt | Nur zusammen mit dem übrigen Protokoll und bei bestätigter Systemkompatibilität |
| Drehzahl (min⁻¹) | nein | Nur gültig für den Radius, für den sie ermittelt wurde |
| Beschleunigungs-/Bremsstufe | bedingt | Stufenskalen sind herstellerspezifisch; Ziel ist das Verhalten, nicht die Zahl |
| Programmplatz-Nummer | nein | Reine Speicherplatzbezeichnung ohne inhaltliche Bedeutung |
Beim Geräteumstieg sollten zuerst Herstellerunterlagen des Röhrchensystems und der neuen Zentrifuge abgeglichen werden: Rotor, Adapter, Gefäßmaße, zulässige RCF, Ziel-RCF, Laufzeit und weitere Prozessparameter. Erst wenn die Kombination technisch und regulatorisch passt, ist eine RPM-Umrechnung sinnvoll. Ein optisch ähnliches Trennbild allein validiert keinen Prozess. Der ausführliche Leitfaden PRP-Röhrchen und Zentrifugen richtig kombinieren behandelt diesen Abgleich im Detail.
Sieben typische Fehler
- Drehzahl aus dem alten Gerät übernommenFührt zu systematisch zu hoher oder zu niedriger g-Kraft. Immer über den g-Wert gehen.
- Falscher Radius in der UmrechnungZwischen 67 mm und 86 mm liegen rund 28 % Unterschied in der RCF bei identischer Drehzahl.
- Ungleichmäßige BeladungKann Unwucht, Vibrationen oder eine Abschaltung auslösen. Rotor nach Hettich-Vorgaben symmetrisch und massenausgeglichen beladen.
- Röhrchengeometrie nicht geprüftZu lange oder zu breite Röhrchen passen nicht sicher in den Rotor; zu kurze verändern den wirksamen Radius.
- Zeit bis zum PRF-Start nicht standardisiertBei Systemen ohne Antikoagulans beginnt die Gerinnung nach der Blutentnahme. Das vorgesehene Zeitfenster sollte daher systembezogen festgelegt und reproduzierbar eingehalten werden.
- An-/Auslaufprofil nicht geprüftWenn das verwendete System hierzu Vorgaben macht, muss die EBA-200-MD-Einstellung dazu passen; Stufennamen anderer Geräte sind nicht direkt vergleichbar.
- Belastungsgrenze des Röhrchens ignoriertDie Rotorleistung sagt nichts über die zulässige Belastung des Gefäßes aus. Beim Röhrchenhersteller erfragen.
Wofür sich die EBA 200 MD eignet – und wofür nicht
Stärken
- Klare Hersteller-Zweckbestimmung zur Trennung von menschlichem Vollblut oder Blutbestandteilen; Typ 1810 ist als Medizinprodukt-Ausführung dokumentierbar
- Direkte Auswahl von RPM oder RCF – das IFU-Protokoll lässt sich als g-Wert eingeben, der Radius kann berücksichtigt werden
- Breiter Einstellbereich für Laufzeit sowie Kurz- und Dauerlauf; die konkrete Nutzbarkeit hängt vom jeweiligen Systemprotokoll ab
- Unterschiedliche An-/Auslaufprofile, wenn ein Systemprotokoll hierfür eine passende Einstellung vorsieht
- Kompakte Stellfläche von 261 × 353 mm bei ca. 9 kg, überwachte Deckelverriegelung, konfigurierbares Endsignal und automatische Entriegelung
Grenzen
- Aktuelle Hettich-Produktseite / MD-Datenblatt: 8 × 10 ml; konkrete Röhrchengeometrie nach E4413-Tabelle prüfen
- Keine aktive Kühlung; für E4413 nennt Hettich bei 6.000 min⁻¹ und 1 h Laufzeit eine Probenerwärmung von 8 °C
- Festwinkelrotor mit 33°; Protokolle aus Ausschwingrotoren sind deshalb nicht allein anhand von RPM/RCF gleichzusetzen
- Maximal zulässige Dichte des Zentrifugiergutes 1,2 kg/dm³ – bei Sonderanwendungen zu prüfen
- Rotor auf 50.000 Laufzyklen bzw. fünf Jahre spezifiziert – ein planbarer Austauschposten
- Kein herstellerseitiges PRP-/PRF-Programm ab Werk – die Protokolle kommen vom Röhrchensystem
Ob die EBA 200 MD für eine konkrete Praxis die richtige Wahl ist, hängt vor allem von Röhrchensystem, Probenvolumen, gewünschtem Workflow und dokumentierter Kompatibilität ab. Für einen breiteren Gerätevergleich siehe den Kaufratgeber „Welche Zentrifuge für PRP und PRF?“.
Häufige Fragen
Ist die Hettich EBA 200 MD eine PRP-Zentrifuge?
Sie ist ein Medizinprodukt zur Trennung von Vollblut und Blutbestandteilen menschlichen Ursprungs und kann als Zentrifuge in einem PRP-Prozess eingesetzt werden. „PRP-Zentrifuge“ im Sinne einer eigenen herstellerseitigen Zweckbestimmung ist sie nicht – das PRP-Protokoll kommt vom Röhrchensystem.
Ist die EBA 200 MD für PRF geeignet?
Die EBA 200 MD kann RCF, RPM und Laufzeit in einem für viele publizierte PRF-Protokolle relevanten Bereich einstellen. Daraus folgt aber keine pauschale PRF-Freigabe. Für ein konkretes System müssen Herstellerangaben, Röhrchenformat, Rotor E4413, Adapter und Prozessparameter zusammenpassen.
Welche Drehzahl entspricht 1.200 × g?
Bei 86 mm wirksamem Radius rund 3.530 min⁻¹, bei 67 mm rund 4.000 min⁻¹. Die E4413-Rotortabelle nennt derzeit diese beiden Radien für die aufgeführten Gefäßgruppen. Ohne den zur konkreten Konfiguration gehörenden Radius ist eine RPM-Angabe nicht belastbar.
Was unterscheidet Typ 1810 von Typ 1800?
Die Leistungsdaten sind gleich: 6.000 min⁻¹ und 3.461 × g bei beiden. Der Unterschied ist regulatorisch. Typ 1810 ist die Medizinprodukt-Ausführung der Klasse IIa nach MDR (EU) 2017/745 mit der Zweckbestimmung „Trennung von Vollblut oder Blutbestandteilen menschlichen Ursprungs“. Typ 1800 ist die IVD-Ausführung nach IVDR (EU) 2017/746 und für die In-vitro-Diagnostik vorgesehen. Da beide unter dem Namen „EBA 200“ angeboten werden, ist bei Bestellung und Dokumentation immer die Typnummer zu prüfen.
Warum kostet die MD-Version mehr?
Aus öffentlich zugänglichen Hettich-Unterlagen lässt sich die konkrete Preiskalkulation nicht ableiten. Fest steht: Typ 1810 wird als Medizinprodukt der Klasse IIa mit CE 0483 geführt und unterliegt damit einem anderen regulatorischen Rahmen als Typ 1800. Wie stark regulatorische, vertriebliche oder andere Kosten den Verkaufspreis beeinflussen, ist eine Hersteller- bzw. Marktfrage.
Welche Röhrchengrößen passen in den Rotor E4413?
Die E4413-Rotortabelle listet unter anderem 9–10-ml-, 10-ml- und 5–10-ml-Gefäße mit konkreten Durchmesser-/Längenangaben. Gleichzeitig enthalten Hettich-Unterlagen für Typ 1810 derzeit unterschiedliche übergeordnete Kapazitätsangaben (8 × 10 ml bzw. 8 × 15 ml). Deshalb nicht nur nach Volumen auswählen, sondern die konkrete Gefäßgeometrie und Rotortabelle prüfen.
Kann ich ein PRF-Protokoll von einer anderen Zentrifuge übernehmen?
Nicht pauschal. Ein RCF-Wert ist physikalisch besser vergleichbar als RPM, aber ein PRF-Protokoll umfasst mehr als RCF und Zeit: Zentrifuge, Rotor, Röhrchen, Geometrie und weitere Prozessparameter können relevant sein. Fremde RPM-Werte dürfen nicht direkt übernommen werden; vor einer Übertragung muss der komplette Systembezug geprüft werden.
Brauche ich zwingend die MD-Version für PRP?
Es gibt keine Vorschrift, die genau dieses Gerät vorschreibt. In Deutschland verlangt § 4 MPBetreibV jedoch, Produkte entsprechend ihrer Zweckbestimmung zu betreiben. Ob eine MD-Ausführung erforderlich ist, hängt daher vom konkreten Arbeitsablauf und von den Zweckbestimmungen aller eingesetzten Produkte ab. Die MD-Klassifizierung belegt im Übrigen weder eine höhere PRP-Qualität noch bessere klinische Ergebnisse – ihr Wert liegt in der klar dokumentierten Zweckbestimmung.
Herstellerunterlagen, Rechtsgrundlagen und wissenschaftliche Einordnung
Technische Gerätedaten wurden gegen die aktuell auffindbaren Hettich-Unterlagen zu Typ 1810 / E4413 geprüft. Wissenschaftliche PRF-Protokolle sind hier ausschließlich als Literaturbeispiele aufgeführt und stellen keine Anwendungsfreigabe für die EBA 200 MD dar.
- HerstellerHettich – EBA 200, Typ 1810 (Medical Device)
- HerstellerHettich – Datenblatt EBA 200 (MDR)
- HerstellerHettich – Gebrauchsanweisung Typ 1810, Rev. 02 / 03.2026 (inkl. E4413-Rotortabelle)
- EU-RechtVerordnung (EU) 2017/745 (MDR), insbesondere Anhang VIII
- DE-Recht§ 4 MPBetreibV – Allgemeine Anforderungen
- StudieDohan Ehrenfest et al. – Einfluss von Zentrifugeneigenschaften und Protokollen auf L-PRF (Platelets, 2018)
- StudieGhanaati et al. – Advanced Platelet-Rich Fibrin, A-PRF (J Oral Implantol, 2014)
- StudieMiron et al. – Injectable PRF, i-PRF (Clin Oral Investig, 2017)
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Hinweis: Dieser Fachbeitrag dient der technischen und regulatorischen Einordnung für medizinisches Fachpersonal. Er ersetzt keine Gebrauchsanweisung, keine Systemfreigabe, keine interne Validierung und keine individuelle medizinische Entscheidung. Herstellerunterlagen können aktualisiert werden; vor Verwendung sind die zum konkreten Gerät, Rotor, Röhrchen und zur Charge gehörenden aktuellen Dokumente zu prüfen. Rechenwerte sind mathematische Orientierungswerte, keine eigenständigen Anwendungsprotokolle.