Kaufratgeber / PRP & PRF

Welche Zentrifuge für PRP und PRF? Worauf Praxen beim Kauf achten sollten

Die Zentrifuge ist ein zentraler Teil der PRP- und PRF-Aufbereitung. Entscheidend sind aber nicht nur Drehzahl oder Preis, sondern Zweckbestimmung, Röhrchenkompatibilität, RCF-Bereich, Rotor, Bedienbarkeit und Dokumentation.

01Regulatorik

MDR- oder IVDR-Variante, Zweckbestimmung und Gebrauchsanweisung genau prüfen.

02Technik

RCF-Bereich, Rotorradius, Rotorwinkel, Laufzeit und Bremsverhalten beeinflussen die Aufbereitung.

03Praxisalltag

Röhrchen passen? Programme speicherbar? Service verfügbar? Reinigung praktikabel?

Warum die Zentrifuge mehr ist als ein Laborgerät

Wer PRP oder PRF in der Praxis anbietet, arbeitet nicht einfach mit Blutproben, sondern mit einem Aufbereitungsprozess, der später in einen medizinischen oder ästhetisch-medizinischen Behandlungsablauf eingebunden wird. Deshalb reicht es nicht, eine Zentrifuge nur nach maximaler Drehzahl oder günstigem Anschaffungspreis auszuwählen.

Eine passende Zentrifuge soll reproduzierbare Aufbereitungsbedingungen ermöglichen: geeigneter Rotor, passende Adapter, stabile Einstellung von Drehzahl beziehungsweise RCF, definierte Laufzeiten und eine Handhabung, die im Praxisalltag dokumentierbar ist.

Regulatorik: MDR, IVDR und Zweckbestimmung richtig einordnen

Der wichtigste Punkt ist die Zweckbestimmung des Herstellers. Sie ergibt sich aus Kennzeichnung, Gebrauchsanweisung, technischen Unterlagen und Herstellerangaben. Eine Zentrifuge kann als Labor- oder IVD-Gerät für diagnostische Zwecke vorgesehen sein oder als Medizinprodukt für bestimmte medizinische Anwendungen bereitgestellt werden.

Für PRP- oder PRF-Anwendungen, bei denen aufbereitete Blutbestandteile wieder appliziert werden, sollte die gesamte Prozesskette geprüft werden: Zentrifuge, Röhrchen, Entnahmesystem, sterile Handhabung, Dokumentation und ärztliche Indikationsstellung. Eine MDR-Kennzeichnung allein ist keine rechtliche Garantie, sie ist aber ein wichtiger Baustein, wenn das Gerät entsprechend seiner Zweckbestimmung eingesetzt wird.

Praktisch bedeutet das: Nicht nur fragen „Dreht die Zentrifuge schnell genug?“, sondern zuerst: „Ist dieses Gerät für meinen geplanten Anwendungsprozess vorgesehen und passt es zu den eingesetzten Röhrchen?“

RCF statt nur RPM: Der wichtigste technische Unterschied

Viele Protokolle nennen entweder RPM, also Umdrehungen pro Minute, oder RCF, also relative Zentrifugalkraft in x g. Für die Vergleichbarkeit ist RCF meist hilfreicher, weil sie den Rotorradius berücksichtigt. Zwei Zentrifugen können mit derselben RPM-Zahl unterschiedliche g-Kräfte erzeugen.

Die Grundformel lautet: RCF = 1,118 × 10-5 × Radius in cm × RPM². Einen praxisnahen Einstieg finden Sie im internen Beitrag PRP-Zentrifugation richtig einstellen: RCF, RPM, Rotor und Zeit.

Die konkrete Einstellung sollte immer zum verwendeten Röhrchen, System und Protokoll passen. Besonders bei PRF sollte auch das Bremsverhalten nicht ignoriert werden.

Rotor-Typ: Festwinkelrotor oder Ausschwingrotor?

Der Rotor beeinflusst, wie sich Blutbestandteile während der Zentrifugation trennen. Festwinkelrotoren sind kompakt, schnell einsatzbereit und in vielen Praxiszentrifugen verbaut. Ausschwingrotoren können eine horizontale Schichtung begünstigen, benötigen aber meist mehr Platz und sind häufig in größeren Geräten zu finden.

Für die Entscheidung zählt nicht pauschal besser oder schlechter, sondern das passende System: Rotorwinkel, Röhrchenlänge, Adapter und Sedimentlage sollten zum Protokoll passen.

Rotor-TypTypische StärkeWorauf achten?
FestwinkelrotorKompakt, robust, in vielen Praxiszentrifugen integriertRotorwinkel, Röhrchenlänge, Adapter und Sedimentlage prüfen
AusschwingrotorHorizontale Schichtung während der ZentrifugationGröße, Preis, Laufzeit, Kompatibilität und Wartung berücksichtigen

PRP und PRF stellen unterschiedliche Anforderungen

PRP und PRF werden oft zusammen genannt, unterscheiden sich aber in der Aufbereitung. PRP wird meist mit Antikoagulans gewonnen, damit das Plasma vor der Applikation flüssig bleibt. PRF wird typischerweise ohne Antikoagulans hergestellt; deshalb ist der Zeitfaktor zwischen Blutentnahme und Zentrifugation besonders relevant.

Für PRF-Protokolle können niedrigere g-Kräfte, definierte Laufzeiten und ein angepasstes Bremsverhalten wichtig sein. Für PRP stehen dagegen häufig Trennschärfe, reproduzierbare Plasmaausbeute und saubere Separation im Vordergrund.

Ein Protokoll aus einer anderen Zentrifuge lässt sich nicht blind übertragen. RPM-Werte müssen über den Rotorradius in RCF umgerechnet werden. Zusätzlich sollten Rotorwinkel, Röhrchenformat und Bremsverhalten berücksichtigt werden.

Beispiel aus der Praxis: Hettich EBA 200 MD

Die Hettich EBA 200 MD ist eine kompakte Zentrifuge für kleine Probenmengen und wird als MDR-Version für medizinische Anwendungen angeboten. Laut Herstellerdatenblatt handelt es sich um ein Medizinprodukt nach Verordnung (EU) 2017/745 zur Trennung von Vollblut beziehungsweise Blutbestandteilen menschlichen Ursprungs.

Technisch bietet die EBA 200 MD einen integrierten 8-fach-Festwinkelrotor, einen Drehzahlbereich bis 6.000 min-1, eine maximale RCF von 3.461 x g und eine maximale Kapazität von 8 x 10 ml. Vor dem Kauf sollte trotzdem geprüft werden, ob Röhrchenformat, Protokoll und vorgesehene Anwendung zur Zentrifuge passen.

KriteriumEinordnung für die Praxis
RegulatorikMDR-Version verfügbar; Zweckbestimmung und IFU müssen zur Anwendung passen
Rotorintegrierter 8-fach-Festwinkelrotor
RCF/RPMbis 3.461 x g beziehungsweise 6.000 min-1
RöhrchenRöhrchenformat, Durchmesser, Länge und Adapter müssen vorab geprüft werden
Praxisnutzenkompakt, überschaubarer Bedienaufwand, geeignet für kleine Probenmengen

Checkliste vor dem Kauf einer PRP- oder PRF-Zentrifuge

  • Ist die Zweckbestimmung des Geräts für den geplanten Einsatz passend?
  • Handelt es sich um die gewünschte MDR- oder IVDR-Variante?
  • Erreicht das Gerät die benötigten RCF-Werte für die verwendeten Protokolle?
  • Ist der Rotorradius bekannt, damit RPM korrekt in RCF umgerechnet werden kann?
  • Passen Röhrchenlänge, Durchmesser und Füllvolumen in Rotor und Adapter?
  • Ist das Brems- und Beschleunigungsverhalten für PRP oder PRF geeignet?
  • Sind technische Dokumentation, Service, Ersatzteile und Support verfügbar?

Häufige Fehler bei der Auswahl

Viele Fehlkäufe entstehen nicht, weil das Gerät grundsätzlich schlecht ist, sondern weil es nicht zum geplanten Prozess passt.

  • Nur nach maximaler RPM-Zahl kaufen und RCF sowie Rotorradius ignorieren.
  • Eine IVD- oder Laborzentrifuge einsetzen, ohne die Zweckbestimmung zu prüfen.
  • Röhrchen nur nach Nennvolumen auswählen, aber Länge und Durchmesser nicht kontrollieren.
  • PRP- und PRF-Protokolle gleich behandeln, obwohl Antikoagulans und Gerinnungszeit eine Rolle spielen.
  • Bremsverhalten und Rotorwinkel nicht berücksichtigen.
  • Service, Ersatzteile und Herstellerdokumentation erst nach dem Kauf prüfen.

Fazit: Die passende Zentrifuge ist Teil eines Systems

Für PRP und PRF ist die Zentrifuge ein zentrales Gerät, aber sie arbeitet nie isoliert. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Zentrifuge, Rotor, Röhrchen, Protokoll, steriler Arbeitsweise und Dokumentation.

Eine kompakte MDR-Zentrifuge wie die Hettich EBA 200 MD kann für viele Praxen eine sinnvolle Option sein, wenn die gewünschten Röhrchen und Protokolle kompatibel sind. Die Entscheidung sollte nicht allein über den Preis oder eine einzelne technische Kennzahl getroffen werden.

Neutraler Produktverweis für Fachanwender

Eine Übersicht passender Geräte finden Fachanwender in der Kategorie Zentrifugen. Die Produktseite zur Hettich EBA 200 MD enthält weitere produktbezogene Informationen. Für die Aufbereitung sind außerdem passende PRP-Röhrchen relevant. Der Verweis bezieht sich auf Material, Geräteauswahl und Prozessorganisation, nicht auf eine klinische Wirksamkeit.

Hinweis für Fachkreise

Dieser Beitrag richtet sich an medizinische Fachkreise und dient der allgemeinen Information zur Geräteauswahl. Er ersetzt keine Prüfung der Zweckbestimmung, Gebrauchsanweisung, lokalen regulatorischen Anforderungen, Hygienevorgaben oder fachlichen Verantwortung des Behandlers.

Quellen und weiterführende Hinweise

  1. Hettich: EBA 200 MD Datenblatt
  2. Hettich: EBA 200 / EBA 200 S Produktinformationen
  3. EU MDR: Regulation (EU) 2017/745 on medical devices
  4. EU IVDR: Regulation (EU) 2017/746 on in vitro diagnostic medical devices
  5. prpmed.de: PRP-Zentrifugation richtig einstellen: RCF, RPM, Rotor und Zeit
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