PRP bei Fersensporn und Plantarfasziitis: Evidenz, Behandlung und Grenzen

Fachbeitrag für Orthopädie, Sportmedizin und Podologie

PRP bei Fersensporn und Plantarfasziitis: Evidenz, Praxis und Rechtslage 2026

Plättchenreiches Plasma wird bei Fersenschmerz häufig angeboten. Die Studienlage ist differenzierter, als viele Versprechen vermuten lassen: Bei chronischer Plantarfasziopathie zeigt sich ein mittelfristiger Vorteil gegenüber Kortison, an der Achillessehne dagegen kein belegter Nutzen. Dieser Beitrag ordnet die Evidenz ein und trennt bei der Rechtslage zwischen eigenständiger PRP-Behandlung, Blutentnahme, Herstellung und delegierbaren Teilhandlungen.

Stand
11. September 2026
Lesezeit
ca. 12 Minuten
Grundlage
26 Quellen
Zielgruppe
Medizinische Fachkreise

Das Wichtigste in Kürze

  • Der knöcherne Sporn ist selten die Schmerzursache.Er ist ein Röntgenbefund, der auch bei Beschwerdefreien häufig vorkommt. Untersucht und behandelt wird die Plantarfasziopathie.[1]
  • Chronische Plantarfasziitis: mittelfristiger Vorteil gegenüber Kortison.Metaanalyse mit 24 RCTs: bessere Schmerzwerte nach 3 und 6 Monaten, kein Unterschied nach 1 und 12 Monaten.[2]
  • Gegenüber Stoßwellentherapie nur ein kleiner Abstand.Im Mittel −0,67 Punkte auf der 10-Punkte-Schmerzskala nach 3–6 Monaten. Die ESWT ist unter Bedingungen GKV-Leistung.[3][4]
  • Achillessehne: kein belegter Nutzen.Weder bei chronischer Tendinopathie noch bei akuter Ruptur zeigte PRP einen Vorteil gegenüber Placebo.[5][6]
  • Eigenständige PRP-Behandlung bleibt ärztlich verantwortet.Die Entnahme einer Spende darf nach § 7 Abs. 2 TFG durch eine ärztliche Person oder qualifiziertes Personal unter ärztlicher Verantwortung erfolgen. Heilpraktiker und Podologie dürfen PRP nach der aktuellen Rechtsprechung nicht eigenständig als Eigenblutbehandlung anbieten.[7][25]

Fersensporn oder Plantarfasziopathie?

Im Praxisalltag steht „Fersensporn“ oft als Sammelbegriff für Schmerzen unter der Ferse. Medizinisch beschreibt der Begriff eine knöcherne Ausziehung am Tuber calcanei, also einen bildgebenden Befund und keine Schmerzdiagnose. Plantare Fersensporne werden mit dem Alter häufiger und finden sich auch bei vielen Menschen ohne Beschwerden.[1] Ein deutschsprachiger Fortbildungsbeitrag hält das seitliche Röntgenbild zum Spornnachweis deshalb für verzichtbar: Der Befund hat keine therapeutische Konsequenz.[10]

Hinter dem typischen Anlaufschmerz steckt meist eine Plantarfasziopathie am Faszienursprung. Da selten eine klassische Entzündung vorliegt, ist „Fasziopathie“ präziser als „Fasziitis“.[9] Die Diagnose ist klinisch: Schmerz bei den ersten Schritten nach Ruhe, Druckschmerz am medialen Fersenbeinhöcker. Im Ultraschall sprechen eine Faszien­dicke über 4 mm und eine echoarme Struktur für den Befund. Differenzialdiagnostisch nennt die Leitlinie der APTA unter anderem Fettpolster-Syndrom, Stressfraktur, Tarsaltunnelsyndrom, Kompression des N. calcaneus inferior und S1-Radikulopathie.[11]

Für die Aufklärung wichtig: PRP-Studien untersuchen die Plantarfasziopathie, nicht den Sporn. Dass PRP einen knöchernen Sporn verändert, ist nicht belegt.

Fersen-Map: Ursache, Hinweise und PRP-Evidenz

Wählen Sie eine Struktur am Fuß. Mit dem Filter sehen Sie, wo die Evidenz für PRP steht.

Schematische Innenansicht des rechten Fußes mit Unterschenkel, Fersenbein, Achillessehne, Plantarfaszie und Nervenverlauf Plantarfaszie Achillessehne Innenansicht, rechter Fuß
Schematische Darstellung, nicht maßstabsgetreu. Evidenzstand September 2026; Ziffern in eckigen Klammern verweisen auf das Quellenverzeichnis.

Was die Studien bei Plantarfasziitis zeigen

PRP im Vergleich zu Kortison

Die meisten randomisierten Studien vergleichen PRP mit einer Kortisoninjektion. Die aktuellste paarweise Metaanalyse mit 24 RCTs und 1.653 Personen fand nach 3 und 6 Monaten signifikant bessere Schmerzwerte unter PRP, nach 1 Monat und nach 12 Monaten dagegen keinen Unterschied.[2]

Einen ähnlichen Verlauf zeigt das niederländische, doppelblinde Multicenter-RCT von Peerbooms et al. mit 115 Patienten: Unter Kortison sank der Schmerz schnell und blieb dann stabil, unter PRP langsamer, nach zwölf Monaten aber auf ein niedrigeres Niveau. 84 % der PRP-Gruppe erreichten mindestens 25 % Besserung, unter Kortison 56 %. Rund 30 % der Teilnehmenden beendeten die Studie allerdings nicht, und die Ergebnisse mussten für Ausgangsunterschiede adjustiert werden.[12]

Die Grenzen dieser Evidenz

14 der 24 Studien der Metaanalyse stammen aus Indien, vier aus Ägypten.[2] Viele Studien sind klein, PRP-Herstellung und Injektionstechnik unterscheiden sich stark. Eine Netzwerk-Metaanalyse über 63 RCTs bestätigt 2026 die mittel- und langfristige Tendenz zugunsten von PRP gegenüber Kortison. Das Vertrauen in die einzelnen Vergleiche bewerten die Autoren aber als sehr niedrig bis hoch.[13] Einige dort berichtete Effektstärken gegenüber Placebo sind so groß, dass sie eher auf Heterogenität der Primärdaten hindeuten. Die Rangfolgen sind deshalb als Signal zu lesen, nicht als feste Hierarchie.

PRP im Vergleich zur Stoßwellentherapie

Sechs RCTs mit 432 Personen ergeben nach 3–6 Monaten einen statistisch signifikanten Vorteil für PRP beim Schmerz: im Mittel −0,67 Punkte auf einer 10-Punkte-Skala.[3] Das ist ein kleiner Abstand. Ob er für Betroffene spürbar ist, bleibt offen. Die Netzwerk-Metaanalyse zeigt für die ESWT eine breite Wirksamkeit über alle Zeitpunkte.[13] In Deutschland ist die Stoßwellentherapie beim Fersenschmerz bei Fasciitis plantaris unter definierten Voraussetzungen Kassenleistung.[4] Das gehört in jede Aufklärung über PRP.

Zeitverlauf: Liegt PRP oder Kortison vorn?

Wählen Sie einen Zeitpunkt nach der Injektion. Dargestellt ist die Richtung der Ergebnisse aus drei Quellen, keine Effektgröße.

Direkter statistischer Vergleich Verlaufsbeschreibung oder Rangfolge Kein Punkt: im Abstract keine Angabe zu diesem Zeitpunkt
Metaanalyse: 1 Monat dem Zeitpunkt 4–6 Wochen zugeordnet. Netzwerk-Metaanalyse: kurzfristig bis 6 Wochen, mittelfristig über 6 bis 12 Wochen, langfristig über 12 Wochen gepoolt (bei 6 und 12 Monaten identisch dargestellt).

Wo PRP keinen Nutzen zeigt

Chronische Achillessehnen-Tendinopathie

Eine Metaanalyse randomisierter Studien von 2025 fand gegenüber Placebo keine Verbesserung von Schmerz oder Funktion. Die Autoren sehen Hinweise auf Publikationsbias und raten vom Einsatz ab, bis hochwertige Studien einen klaren Nutzen zeigen.[5] Ein Umbrella-Review über acht systematische Übersichten kommt zum selben Ergebnis: Einzelne kurzfristige Schmerzvorteile waren weder klinisch bedeutsam noch anhaltend.[14] Zu den Schlüsselstudien zählt ein scheinkontrolliertes RCT im JAMA.[15]

Akute Achillessehnenruptur

Im britischen PATH-2-Trial erhielten 230 konservativ behandelte Patientinnen und Patienten aus 19 Kliniken PRP oder eine Placebo-Injektion. PRP brachte weder nach 24 Wochen noch nach zwei Jahren einen Vorteil.[6]

Andere Fußschmerzen

Für PRP-Injektionen bei Sprunggelenksarthrose und konservativ behandelten Knorpelläsionen des Talus ist die Evidenz unzureichend.[16] Für Nervenkompressionen, Bursitis retrocalcanea oder Vorfußschmerzen haben wir keine belastbaren Studien gefunden.

Evidenzübersicht

IndikationBewertungKernaussage
Chronische Plantarfasziitis, PRP vs. Kortison nach 3–6 MonatenMäßig belegtVorteil für PRP, heterogene Studienqualität[2][13]
Chronische Plantarfasziitis nach 12 MonatenUneinheitlichMetaanalyse ohne Unterschied, RCT und Netzwerk-Metaanalyse zugunsten von PRP[2][12][13]
Plantarfasziitis, PRP vs. StoßwellentherapieUneinheitlichKleiner Vorteil für PRP aus wenigen Studien[3]
Akute PlantarfasziitisNicht ausreichend belegtStudien schließen überwiegend chronische Verläufe ein
Knöcherner FersenspornNicht ausreichend belegtKein Therapieziel, kein Wirkbeleg[1][10]
Chronische Achillessehnen-TendinopathieKein Nutzen belegtKein Vorteil gegenüber Placebo[5][14]
Akute AchillessehnenrupturKein Nutzen belegtKein Vorteil nach 24 Wochen und 2 Jahren[6]
Sprunggelenksarthrose, Talus-Knorpelläsion (konservativ)Nicht ausreichend belegtUnzureichende Evidenz für Injektionen[16]

Indikation und Protokoll in der Praxis

Die Studien schließen überwiegend chronische, konservativ therapieresistente Verläufe ein, etwa mit mindestens sechs Monaten Beschwerdedauer.[12] Als Orientierung, wann konservative Maßnahmen als ausgeschöpft gelten, kann das G-BA-Kriterium für die ESWT dienen: mindestens sechs Monate Einschränkung trotz Schonung, Dehnübungen und Einlagen.[4] Dehnung der Plantarfaszie und der Wadenmuskulatur sowie manuelle Therapie sind leitliniengestützte Basismaßnahmen.[11] Eine Injektion ersetzt sie nicht, und sie korrigiert keine biomechanische Ursache wie einen Rückfußvalgus.[13]

Nicht standardisiert sind dagegen fast alle Protokollvariablen:

Injektionsvolumen
2–5 ml in den Vergleichsstudien mit Kortison[2]
Leukozytengehalt
Ob leukozytenreiches oder -armes PRP an der Faszie überlegen ist, ist offen
Anzahl der Sitzungen
Viele Studien mit Einzelinjektion[12]; eine optimale Zahl ist nicht belegt
Injektionstechnik
Ultraschall- oder tastgesteuert, teils Peppering[13]; eine Überlegenheit ist nicht gesichert
Lokalanästhesie
In Studien teils vorab gesetzt[12]; Einfluss auf die PRP-Wirkung ungeklärt
NSAR-/Thrombozytenhemmer-Pause
Wird häufig empfohlen; ein Review fand keine Humanstudien mit klinischen Endpunkten und keine ausreichende Grundlage für ein generelles Absetzen.[26] Medikamente nie eigenmächtig pausieren.

Weil Studienergebnisse an konkrete Protokolle gebunden sind, sollten System, Blutvolumen, Zentrifugationsparameter und injiziertes Volumen dokumentiert werden. Worauf es bei der Kombination von Röhrchen und Zentrifuge ankommt, beschreiben wir im Beitrag PRP-Röhrchen und Zentrifugen: Kompatibilität und Einstellungen. Grundlagen zu Aufbau und Auswahl finden Sie unter Was sind PRP-Röhrchen?. Begriffe wie LR-PRP, LP-PRP und RCF sind im PRP/PRF-Fachglossar erläutert; für die geräteabhängige Umrechnung steht der RCF/RPM-Rechner zur PRP-Zentrifugation zur Verfügung.

Sicherheit und Warnzeichen

Der 2025 vollständig publizierte systematische Review zu PRP an Fuß und Sprunggelenk umfasst 16 RCTs mit 674 PRP-Patienten und 749 Vergleichspatienten. Unerwünschte Ereignisse wurden unter PRP häufiger erfasst (41,1 % vs. 33,7 %); am häufigsten war Schmerz an der Behandlungsstelle (15,1 % vs. 10,2 %). Die Number Needed to Harm lag bei 13. Eine schwere Schmerzreaktion erforderte ein operatives Débridement; weitere schwere Komplikationen oder Infektionen wurden nicht berichtet.[17] Das spricht gegen die pauschale Aussage „nebenwirkungsfrei“, zugleich waren schwere Ereignisse in den eingeschlossenen RCTs selten.

Für infektiöse, onkologische und hämatologische Begleiterkrankungen liegt ein formaler GRIIP-Konsens von 2025 vor.[18] Er ist differenzierter als pauschale Ausschlusslisten: Eine bereits abgeklärte Thrombozytopenie über 50.000/µl ohne hämatologische Malignität gilt dort nicht automatisch als Kontraindikation; bei aktiver Krebserkrankung wird PRP grundsätzlich nicht empfohlen, außer in begründeten Ausnahmefällen nach onkologischer Abstimmung. Viele dieser Empfehlungen beruhen auf Expertenkonsens (überwiegend Evidenzgrad D), nicht auf hochwertigen RCTs. Im PATH-2-Trial waren unter anderem Diabetes, Gerinnungsstörungen und Antikoagulation Ausschlusskriterien.[6] Wiederholte Kortisoninjektionen werden mit Faszienruptur und Fettpolsteratrophie in Verbindung gebracht.[13]

Ausführlich zu Nebenwirkungen und Ausschlusskriterien: PRP-Nebenwirkungen: Risiken erkennen und sicher managen sowie PRP-Therapie: Für wen ist sie nicht geeignet?

Vor jeder Injektion abklären

  • Fieber, Rötung, Überwärmung
  • Schwellung ohne Trauma bei Diabetes (Charcot-Fuß)
  • Taubheit, Kribbeln, Brennen, ausstrahlender Rückenschmerz
  • Belastung kaum möglich, zunehmender Knochenschmerz
  • Nacht- und Ruheschmerz, ungewollter Gewichtsverlust
  • Kalter, blasser Fuß, Wadenschmerz beim Gehen
  • Beidseitige Beschwerden mit entzündlichem Rückenschmerz
  • Gerinnungsstörung, Antikoagulation, aktive Tumorerkrankung

Rechtslage: Wer darf PRP anwenden?

PRP ist eine Blutzubereitung und damit arzneimittelrechtlich relevant. Für die Einordnung müssen Blutentnahme, Herstellung, Injektion und fachliche Verantwortung getrennt betrachtet werden. § 7 Abs. 2 TFG erlaubt die Entnahme einer Spende durch eine ärztliche Person oder durch anderes qualifiziertes Personal unter Verantwortung einer ärztlichen Person.[19] Das ist etwas anderes als ein eigenständiges PRP-Angebot durch eine nichtärztliche Berufsgruppe.

  • Das Bundesverwaltungsgericht hat 2023 entschieden, dass auch die Entnahme von Eigenblut unabhängig von der Menge eine Spende im Sinne des TFG ist und damit unter den Arztvorbehalt fällt.[19]
  • Das VG München verlangte für die PRP-Eigenbluttherapie durch Heilpraktiker eine Herstellungserlaubnis[20]; der VGH München ordnete die PRP-Plasma-Eigenbluttherapie 2024 ausdrücklich dem Arztvorbehalt zu.[7] Das Bundesverwaltungsgericht wies am 27.06.2025 die Beschwerden gegen die Nichtzulassung der Revision zurück; der zugrunde liegende Fall umfasste ausdrücklich Blutentnahme, Zentrifugation und anschließende Injektion von plättchenreichem Plasma.[25]
  • Ärztinnen und Ärzte dürfen PRP für die Anwendung bei eigenen Patienten erlaubnisfrei herstellen, müssen dies aber nach § 67 AMG der zuständigen Landesbehörde anzeigen.[21]
BerufsgruppeEigenständige PRP-Behandlung?Einordnung
Ärztin, ArztGrundsätzlich jaBei fachlicher Qualifikation und unter den weiteren gesetzlichen, berufsrechtlichen und organisatorischen Voraussetzungen; erlaubnisfreie Herstellung für eigene Patienten mit Anzeige nach § 67 AMG.[21]
Qualifiziertes Assistenzpersonal, z. B. MFANein; nur delegierte TeilhandlungenDie Blutentnahme ist nach § 7 Abs. 2 TFG unter ärztlicher Verantwortung möglich.[19] Ob weitere invasive Schritte delegierbar sind, hängt von Qualifikation, konkreter Tätigkeit und ärztlicher Verantwortung ab.
Heilpraktikerin, HeilpraktikerNein, nicht eigenständigDie aktuelle Rechtsprechung erfasst auch PRP-Eigenblutbehandlungen; Arztvorbehalt und arzneimittelrechtliche Anforderungen stehen einem eigenständigen Angebot entgegen.[7][25]
Podologie mit sektoraler HeilpraktikererlaubnisNein, nicht eigenständigDie sektorale Erlaubnis ist auf das podologische Fachgebiet beschränkt. Eine spezielle Gerichtsentscheidung „SHP Podologie + PRP“ wurde nicht gefunden; die Einordnung folgt aus TFG-Rechtsprechung und dem Umfang der sektoralen Erlaubnis.[8][25]
Podologie ohne HeilpraktikererlaubnisNein, nicht eigenständigKeine eigenständige Heilkundebefugnis für PRP; Blutentnahme zur PRP-Herstellung unterliegt den Vorgaben des TFG.

Einordnung nach der recherchierten Rechtsprechung, Stand September 2026. Zur Kombination aus sektoraler Heilpraktikererlaubnis Podologie und PRP liegt keine eigene Gerichtsentscheidung vor; diese Zeile ist eine Schlussfolgerung. Keine Rechtsberatung. Verbindliche Auskunft zur Anzeige nach AMG erteilt die zuständige Landesbehörde. Eine ausführlichere Trennung von Blutentnahme, Herstellung, Anwendung und Delegation finden Sie im Beitrag Wer darf PRP-Therapie durchführen?

Rolle der Podologie, Kosten und Erstattung

Seit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 29. August 2024 kann die sektorale Heilpraktikererlaubnis für Podologie bundesweit erteilt werden.[8] Sie erlaubt eigenständige heilkundliche Tätigkeit innerhalb des podologischen Fachgebiets. Injektionen mit Eigenblutprodukten gehören nicht dazu. Im Behandlungspfad bei Fersenschmerz bleibt die Podologie trotzdem ein wichtiger Partner: Sie sieht Patientinnen und Patienten oft früh, erkennt Warnzeichen, entlastet, berät zu Schuhwerk und Belastung und begleitet den Verlauf, besonders bei Diabetes.

  1. ErstkontaktHausarztpraxis oder Podologie: Anamnese, Fußstatus, Warnzeichen erkennen und weiterleiten
  2. Diagnose sichernOrthopädie: klinische Untersuchung, Ultraschall, gezielte Bildgebung nur bei Verdacht
  3. Konservative BasisDehnung, manuelle Therapie, Einlagen, Belastungsanpassung über mehrere Monate
  4. Eskalation nach AufklärungESWT als Kassenleistung, Injektionsverfahren wie Kortison oder PRP als ärztliche Leistung
  5. Verlauf begleitenPhysiotherapie und Podologie: Übungen fortführen, Entlastung, Rückmeldung an die Ärztin oder den Arzt

Kosten und Erstattung

PRP ist bei Fersenschmerz keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung und wird als Selbstzahlerleistung nach GOÄ abgerechnet. Veröffentlichte Praxispreise liegen häufig bei rund 100 bis 400 Euro pro Sitzung (Deutschland, Stand 2025/2026; Angaben aus Praxis-Websites, nicht repräsentativ). Für private Krankenversicherungen ist die Erstattung nicht gesichert: Das AG Laufen verneinte 2024 die medizinische Notwendigkeit einer Eigenbluttherapie bei chronischer Achillessehnen-Tendinopathie.[22]

Die ESWT ist dagegen seit 2019 Kassenleistung, wenn der Fersenschmerz die gewohnte Aktivität mindestens sechs Monate eingeschränkt hat und konservative Maßnahmen ohne relevante Besserung angewandt wurden. Je Fuß und Krankheitsepisode sind höchstens drei Sitzungen vorgesehen; erbringen dürfen sie Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie für Physikalische und Rehabilitative Medizin.[4][24] Mehr zu Kostenfaktoren einer PRP-Behandlung lesen Sie unter PRP-Behandlung: Kosten, Ablauf und Grenzen.

Fazit

PRP ist bei chronischer, konservativ therapieresistenter Plantarfasziopathie eine vertretbare ärztliche Option. Die Evidenz spricht mäßig belastbar für einen mittelfristigen Vorteil gegenüber Kortison. Schwere Komplikationen waren in den ausgewerteten RCTs selten, lokale unerwünschte Ereignisse – vor allem Injektionsschmerz – traten unter PRP jedoch häufiger auf als unter Vergleichsinjektionen.[17] Wer PRP anbietet, sollte die Grenzen offen kommunizieren: langsamer Wirkungseintritt, widersprüchliche Langzeitdaten, geringer Abstand zur Stoßwellentherapie, kein belegter Nutzen an der Achillessehne und keine Wirkung auf den knöchernen Sporn.

Zur vollständigen Aufklärung gehören auch die Alternativen: die ESWT als Kassenleistung[4] und die niedrig dosierte Strahlentherapie, für die die fachgruppenspezifische DEGRO-Leitlinie bei Kalkaneodynie einen Empfehlungsgrad A vergibt.[23] Offen sind vor allem große placebokontrollierte Studien mit Langzeitverlauf, standardisierte PRP-Protokolle und Daten zu Risikogruppen wie Menschen mit Diabetes.

Häufige Fragen

Hilft PRP gegen einen Fersensporn?

Der knöcherne Fersensporn ist ein Röntgenbefund, der auch bei vielen Beschwerdefreien vorkommt und allein keine therapeutische Konsequenz hat. PRP-Studien untersuchen die plantare Fasziopathie. Ein Effekt von PRP auf den Sporn selbst ist nicht belegt.

Wie schneidet PRP im Vergleich zu Kortison bei Plantarfasziitis ab?

In einer Metaanalyse von 24 RCTs war PRP nach 3 und 6 Monaten beim Schmerz überlegen, nach 1 und 12 Monaten gab es keinen Unterschied. Kortison wirkt schneller. Die Qualität der Studien ist heterogen.

Ist PRP bei Achillessehnenbeschwerden sinnvoll?

Bei chronischer Achillessehnen-Tendinopathie zeigte PRP in placebokontrollierten Studien keinen Vorteil, bei akuter Ruptur ebenfalls nicht. Eine Metaanalyse von 2025 rät vom Einsatz ab.

Dürfen Podologinnen und Podologen PRP eigenständig anbieten?

Nach der recherchierten Rechtsprechung nicht als eigenständige PRP-Eigenblutbehandlung. § 7 Abs. 2 TFG erlaubt die Blutentnahme durch eine ärztliche Person oder qualifiziertes Personal unter ärztlicher Verantwortung. Eine sektorale Heilpraktikererlaubnis für Podologie erweitert das Fachgebiet nicht auf PRP. Einzelne delegierte Teilhandlungen sind von einem eigenständigen PRP-Angebot zu unterscheiden. Dies ist keine Rechtsberatung.

Übernimmt die Krankenkasse PRP bei Fersenschmerz?

Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt PRP nicht, die Erstattung durch private Versicherer ist nicht gesichert. Die Stoßwellentherapie ist dagegen unter definierten Voraussetzungen Kassenleistung.

Welche Nebenwirkungen sind bei PRP-Injektionen am Fuß beschrieben?

Am häufigsten sind lokale Beschwerden, insbesondere Schmerzen an der Injektionsstelle. In einem 2025 publizierten systematischen Review von 16 RCTs waren unerwünschte Ereignisse unter PRP häufiger als unter Vergleichsinjektionen; schwere Ereignisse waren selten und Infektionen wurden nicht berichtet.

Welches PRP-Protokoll ist bei Plantarfasziitis am besten?

Das ist nicht geklärt. Konzentration, Leukozytengehalt, Volumen, Sitzungszahl und Injektionstechnik unterscheiden sich zwischen den Studien stark. Ein überlegenes Protokoll ist nicht belegt.

Weiterlesen auf prpmed.de

Quellen

  1. Kirkpatrick J, Yassaie O, Mirjalili SA. The plantar calcaneal spur: a review of anatomy, histology, etiology and key associations. J Anat. 2017;230(6):743–751. doi:10.1111/joa.12607
  2. Zuo A, Gao C, Jia Q, Zhang M, Fu T, Li T, Wang L. Platelet-Rich Plasma Versus Corticosteroids in the Treatment of Plantar Fasciitis: A Systematic Review and Meta-analysis. Am J Phys Med Rehabil. 2025;104(7):613–621. doi:10.1097/PHM.0000000000002677
  3. Daher M, Covarrubias O, Herber A, Oh I, Gianakos AL. Platelet-Rich Plasma vs Extracorporeal Shock Wave Therapy in the Treatment of Plantar Fasciitis at 3–6 Months: A Systematic Review and Meta-analysis of Randomized Controlled Trials. Foot Ankle Int. 2024. doi:10.1177/10711007241231959
  4. Gemeinsamer Bundesausschuss. Beschluss über eine Änderung der MVV-RL: Extrakorporale Stoßwellentherapie beim Fersenschmerz vom 19.04.2018. g-ba.de
  5. Barreto ESR, Antunes Júnior CR, Silva IC, Alencar VB, Faleiro TB, Kraychete DC. Is Platelet-rich Plasma Effective in Treating Achilles Tendinopathy? A Meta-analysis of Randomized Clinical Trials. Clin Orthop Relat Res. 2025;483(5):779–790. doi:10.1097/CORR.0000000000003349
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  7. VGH München, Beschluss vom 28.08.2024, 20 BV 23.1807, 20 BV 23.1808 (Eigenbluttherapie durch Heilpraktiker, Arztvorbehalt). gesetze-bayern.de
  8. BVerwG, Urteil vom 29.08.2024, 3 C 4.23 (sektorale Heilpraktikererlaubnis Podologie). bverwg.de
  9. MSD Manual Profi-Ausgabe. Plantarfasziitis. Stand 2026. msdmanuals.com
  10. springermedizin.de. Plantarfasziitis (Fortbildungsbeitrag zum plantaren Fersenschmerz). 2024. springermedizin.de
  11. Koc TA Jr, Bise CG, Martin RL, McDonough CM et al. Heel Pain – Plantar Fasciitis: Revision 2023. Clinical Practice Guidelines. J Orthop Sports Phys Ther. 2023;53(12):CPG1–CPG39. doi:10.2519/jospt.2023.0303
  12. Peerbooms JC, Lodder P, den Oudsten BL, Doorgeest K, Schuller HM, Gosens T. Positive Effect of Platelet-Rich Plasma on Pain in Plantar Fasciitis: A Double-Blind Multicenter Randomized Controlled Trial. Am J Sports Med. 2019;47(13):3238–3246. doi:10.1177/0363546519877181
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  14. Pallikkara Kuttyadan N et al. Effectiveness of Platelet-Rich Plasma Injection for Chronic Achilles Tendinopathy: An Umbrella Systematic Review. Cureus. 2025. doi:10.7759/cureus.92652
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  19. BVerwG, Urteile vom 14.06.2023, 3 C 3.22, 3 C 4.22, 3 C 5.22 (Blutentnahme durch Heilpraktiker zur Herstellung von Eigenblutprodukten); Verfassungsbeschwerden nicht angenommen, BVerfG, 22.01.2024. gesetze.co
  20. VG München, Urteil vom 30.06.2022, M 26a K 21.397 (Eigenbluttherapien durch Heilpraktiker). gesetze-bayern.de
  21. Regierungspräsidien Baden-Württemberg. Anzeige nach § 67 AMG zur erlaubnisfreien Arzneimittelherstellung gemäß § 13 Abs. 2b AMG. rp.baden-wuerttemberg.de
  22. AG Laufen, Endurteil vom 17.04.2024, 1 C 191/23 (medizinische Notwendigkeit einer ACP-Therapie). gesetze-bayern.de
  23. DEGRO-AG Radiotherapie gutartiger Erkrankungen. S2e-Leitlinie Strahlentherapie gutartiger Erkrankungen, Version 3.0 vom 19.11.2022. degro.org
  24. IGeL-Monitor. Von der IGeL zur Kassenleistung: Stoßwellentherapie beim Fersenschmerz. Pressemitteilung vom 14.03.2019. igel-monitor.de
  25. Bundesverwaltungsgericht. Beschluss vom 27.06.2025, 3 B 27.24. Beschwerden gegen die Nichtzulassung der Revision im Verfahren zu Eigenblutbehandlungen durch Heilpraktiker zurückgewiesen; der Sachverhalt umfasste ausdrücklich auch Blutentnahme, Zentrifugation und Injektion von plättchenreichem Plasma. bverwg.de
  26. Magruder M, Rodeo SA. Is Antiplatelet Therapy Contraindicated After Platelet-Rich Plasma Treatment? A Narrative Review. Orthop J Sports Med. 2021;9(6):23259671211010510. doi:10.1177/23259671211010510

Stand der Recherche: 11. September 2026. Inhalte können sich durch neue Studien, Leitlinien oder Rechtsprechung ändern.

Dieser Beitrag dient der Information medizinischer Fachkreise. Er stellt keine Heilversprechen dar und ersetzt nicht die ärztliche Indikationsstellung, Aufklärung und Therapieentscheidung im Einzelfall. Rechtliche Hinweise sind keine Rechtsberatung.

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