PRP-Wissen · Stand August 2026
Wie stabil ist PRP nach der Aufbereitung – bei Raumtemperatur, gekühlt oder tiefgefroren? Die Forschung liefert wichtige Teilantworten, aber keine universelle Haltbarkeitszahl.
Die kurze Antwort: Für PRP gibt es keine allgemein gültige Lagerdauer. Ergebnisse hängen vom konkreten Präparat, vom Aufbereitungssystem, Behältnis, Temperaturverlauf und untersuchten Endpunkt ab. Dass nach einer Lagerung einzelne Wachstumsfaktoren noch messbar sind, belegt weder intakte Thrombozyten noch Sterilität oder eine dem frischen PRP vergleichbare klinische Wirkung.
Warum PRP kein einheitliches Verfallsdatum hat
PRP ist keine überall identische Substanz, sondern eine Gruppe autologer Blutpräparate. Schon unmittelbar nach der Aufbereitung können sich zwei Produkte deutlich unterscheiden.
Thrombozytenzahl, Leukozyten- und Erythrozytenanteil, Antikoagulans, Plasmavolumen und Aktivierungszustand werden unter anderem durch Röhrchensystem, Zentrifugalkraft, Laufzeit, Rotor und Entnahmetechnik beeinflusst. Die Grundlagen zu Zusammensetzung und Biologie von PRP zeigen, warum der Produktname allein für einen Stabilitätsvergleich nicht ausreicht.
Selbst die Übertragung eines Zentrifugationsprotokolls kann das Endprodukt verändern. Der RCF/RPM-Rechner unterstützt lediglich die mathematische Umrechnung von × g und U/min; er ist weder ein Aufbereitungs- noch ein Lagerungsprotokoll.
Die entscheidende Leseregel: Eine in einer Studie untersuchte Zeit gilt zunächst nur für das dort verwendete Präparat, Verfahren, Behältnis und die gemessenen Endpunkte. Sie ist keine allgemeine Freigabe für andere PRP-Systeme.
„Stabil“ ist nicht automatisch „verwendbar“
Publikationen verwenden den Begriff Stabilität für sehr verschiedene Messgrößen. Öffnen Sie die vier Prüfsteine: Jeder beantwortet eine andere Frage.
Interaktive Erklärgrafik
Vier Prüfsteine der PRP-Stabilität
Die Felder lassen sich einzeln öffnen. Kein einzelner Prüfstein ersetzt die anderen.
Anzahl und Struktur
Wie viele Thrombozyten werden gezählt – und sind ihre Membranen und Granula noch intakt?
Belegt nicht: Funktion, Sterilität oder klinische Eignung.
Funktion
Reagieren die Thrombozyten noch kontrolliert auf Aktivierungsreize, und wie verändern sich Aggregation und Gerinnselbildung?
Belegt nicht: eine sichere Anwendungsfrist.
Lösliche Faktoren
Sind einzelne Proteine weiterhin messbar – und wurde auch ihre biologische Aktivität geprüft?
Belegt nicht: intakte Zellen oder das Freisetzungsprofil von frischem PRP.
Qualität und Wirkung
Wurden Identität, mikrobiologische Qualität und klinische Ergebnisse separat untersucht?
Erst diese Ebene berührt die tatsächliche Verwendbarkeit – und sie fehlt in vielen Laborstudien.
Was Studien zu den Lagerungsbedingungen zeigen
Die Forschung zeichnet kein einfaches Temperatur-Ranking. Je nach Messgröße können Zellstruktur, Aktivierung und einzelne Faktoren unterschiedlich reagieren.
Evidenz-Explorer
Studienbedingungen öffnen und richtig einordnen
Jedes Feld trennt Beobachtung und Aussagegrenze. Die Temperaturen sind Studienbedingungen, keine Empfehlungen.
RaumtemperaturKurze ZeitfensterHumanstudien mit ausgewählten Markern
Wilson et al. fanden bei zwei humanen PRP-Typen bis vier Stunden keine Veränderung von bioaktivem TGF-β1 und MMP-9 [1].
Nicht geprüft: vollständige Thrombozytenfunktion, Sterilität und klinische Gleichwertigkeit. Daraus folgt keine universelle Stundenfrist.
etwa 4 °CKühlungFaktor-, zeit- und aktivierungsabhängig
Kim et al. berichteten je nach Lagerzeit, Aktivierung und untersuchtem Faktor konstante, steigende oder fallende Werte [2]. Eine kleine Studie mit sechs Spendern fand nach gekühlter Lagerung noch Aktivität in einem epithelialen Zellmodell; nach zwei Wochen verhielten sich die Proben jedoch nicht mehr wie frisches PRP [3].
Nicht belegt: allgemeine Kühlschrank-Haltbarkeit, Sterilität oder klinische Wirksamkeit.
−20 °CTiefkühlungwidersprüchliche Veränderungen
Hosnuter et al. fanden nach sieben und 14 Tagen niedrigere Konzentrationen mehrerer Faktoren als in frischen Proben [4]. Andere Untersuchungen zeigen ebenfalls, dass Messwerte nicht einheitlich reagieren.
Nicht belegt: eine pauschale Haltbarkeit über Wochen oder Monate.
−80 °CLangzeitmessungenAnalyte können unterschiedlich reagieren
Liu et al. fanden mehrere untersuchte Faktoren über sechs Monate nicht vermindert [6]. Beitia et al. beschrieben zugleich Veränderungen der Plättchenstruktur und Aktivierung sowie Abnahmen einzelner Faktoren [5]. Cheng et al. verglichen außerdem −20, −40 und −80 °C anhand von Laborendpunkten [7].
Nicht belegt: Gleichwertigkeit mit frischem PRP oder Eignung für eine spätere Anwendung.
Warum widersprechen sich solche Ergebnisse? Weil ein messbares Protein, eine intakte Membran und eine funktionierende Thrombozytenantwort verschiedene Endpunkte sind. Hinzu kommen Unterschiede bei Antikoagulans, Leukozytenanteil, Aktivierung, Gefriergeschwindigkeit, Behältnis und Analysemethode.
| Messgröße | Beantwortet | Beantwortet nicht |
|---|---|---|
| Thrombozytenzahl | Wie viele Partikel das Analysegerät zählt | Ob die Zellen intakt, aktivierbar oder klinisch geeignet sind |
| Einzelner Wachstumsfaktor | Ob ein definierter Analyt in der verwendeten Methode nachweisbar ist | Vollständige Bioaktivität und Zusammenspiel des gesamten Präparats |
| Zell- oder Gewebemodell | Ob eine Probe unter definierten Laborbedingungen eine Reaktion auslöst | Klinische Wirkung und Sicherheit beim Menschen |
| Mikrobiologische Prüfung | Kontaminationsstatus innerhalb des geprüften Verfahrens | Biologische Funktion oder therapeutische Wirksamkeit |
Gefriergetautes PRP ist nicht einfach „frisches PRP von später“
Temperaturwechsel können Membranen schädigen, Aktivierung auslösen und Zellinhalte freisetzen. Dadurch kann aus derselben Ausgangsprobe biologisch eine andere Produktform entstehen.
Interaktiver Produktvergleich
Fünf Begriffe, fünf unterschiedliche Zustände
Die Darstellung erklärt Unterschiede und ist keine Herstellungs- oder Prozessfolge.
Frisches PRPintakte Zellen vorgesehen
Ausgangsform nach der Aufbereitung. Zusammensetzung und Funktion bleiben systemabhängig.
Gekühltes PRPveränderte Zellprozesse
Kühlung konserviert nicht automatisch den biologischen Ausgangszustand.
Gefriergetautes PRPMembranschäden möglich
Proteine können messbar bleiben, obwohl Zellstruktur und Aktivierung verändert sind.
Plättchenlysateigene Produktform
Lysat ist kein Synonym für beliebig aufgetautes PRP, sondern Ergebnis eines festgelegten Herstellungsverfahrens.
Lyophilisiertes Derivateigene Validierung nötig
Formulierung, Restfeuchte, Verpackung und Rekonstitution prägen das Endprodukt.
Freeze-thaw und Plättchenlysat
Gefrieren und Auftauen können Thrombozyten lysieren. In definierten Verfahren wird dieser Effekt gezielt zur Herstellung eines Plättchenlysats genutzt. Humanstudien zeigen jedoch, dass Anzahl der Zyklen und Prozessführung das Freisetzungsprofil beeinflussen können [8] [9]. Ein Lysat und frisches PRP dürfen daher nicht ohne Äquivalenznachweis gleichgesetzt werden.
Lyophilisierung als eigenes Produktkonzept
Bei der Gefriertrocknung wird Wasser unter kontrollierten Bedingungen entzogen. Ein Review beschreibt sehr unterschiedliche Schutzstoffe, Formulierungen und Prüfmethoden und fordert produktspezifische Qualitätskontrollen [10]. Eine Arbeit zu gefriergetrockneten PRGF-Augentropfen zeigt zudem, wie anwendungs- und produktspezifisch solche Daten sind; sie ist kein Nachweis für gewöhnliches injizierbares PRP [11].
Was das für Qualität und Verantwortung bedeutet
Fragen, die eine verantwortliche Einrichtung produktspezifisch klären muss
Die folgende Einordnung ist weder eine Validierungsanleitung noch eine Freigabe-Checkliste.
- Decken Zweckbestimmung und aktuelle Gebrauchsanweisung die geplante Handhabung ab?
- Ist der vollständige Herstellungs- und gegebenenfalls Lagerungsprozess für das konkrete Präparat validiert?
- Sind Identität, Asepsis, Behältnis, Rückverfolgbarkeit und Temperaturüberwachung geregelt?
- Welche physikalischen, biologischen und mikrobiologischen Prüfungen tragen eine Freigabe?
- Wie werden Abweichungen dokumentiert und bewertet?
Einfrieren sterilisiert PRP nicht. Kontaminationen können entlang der Prozesskette entstehen. Arita et al. identifizierten mögliche Kontaminationsquellen bei Entnahme und Herstellung; die Studie belegt keine sterilisierende Wirkung einer Lagerungsbedingung [12].
Auch eine CE-Kennzeichnung ist keine PRP-Haltbarkeitsfreigabe. Sie betrifft das konkrete Produkt innerhalb seiner Zweckbestimmung und belegt nicht automatisch Sterilität, Wirksamkeit oder Lagerfähigkeit des erzeugten PRP.
Häufige Fragen zur PRP-Lagerung
Wie lange kann PRP nach der Zentrifugation stehen?
Eine allgemeine Stundenangabe gibt es nicht. Maßgeblich sind das konkrete System, dessen Gebrauchsanweisung sowie der validierte Prozess der verantwortlichen Einrichtung. Kurze Laborstudien lassen sich nicht als universelle Anwendungsfrist lesen.
Darf PRP im Kühlschrank gelagert werden?
Nicht allein auf Grundlage einer allgemeinen Empfehlung. Kühlung kann Aktivierung, Funktion und Freisetzungsprofil verändern. Die Zulässigkeit muss produkt-, behältnis- und prozessspezifisch geklärt sein.
Kann PRP bei −20 °C oder −80 °C eingefroren werden?
Technisch lässt sich PRP einfrieren; biologisch entsteht dadurch aber nicht zwingend ein dem frischen PRP gleichwertiges Produkt. Laborbefunde erlauben ohne validierten Gesamtprozess keine klinische Verwendungsfreigabe.
Bleiben Wachstumsfaktoren nach dem Einfrieren erhalten?
Einzelne Faktoren können weiterhin messbar sein, andere nehmen ab. Der Proteinnachweis sagt nicht automatisch etwas über Bioaktivität, Zellfunktion, Sterilität oder klinische Wirkung aus.
Ist aufgetautes PRP dasselbe wie frisches PRP?
Nicht ohne produktspezifischen Äquivalenznachweis. Gefrieren und Auftauen können Zellmembranen, Aktivierungszustand und Freisetzungsprofil verändern.
Was unterscheidet gefrorenes und lyophilisiertes PRP?
Gefrorenes PRP bleibt eine tiefgekühlte Flüssigkeit. Bei der Lyophilisierung wird Wasser in einem kontrollierten Gefriertrocknungsprozess entfernt. Formulierung, Schutzstoffe, Verpackung und Rekonstitution machen sie zu einem eigenständigen Herstellungsverfahren.
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Ausgewählte wissenschaftliche Literatur
- Wilson BH, Cole BJ, Goodale MB, Fortier LA. Short-Term Storage of Platelet-Rich Plasma at Room Temperature Does Not Affect Growth Factor or Catabolic Cytokine Concentration. 2018. PubMed
- Kim JI et al. Effect of Storage Conditions and Activation on Growth Factor Concentration in Platelet-Rich Plasma. 2020. PubMed
- Keren E et al. Evaluation of storage parameters of platelet-rich plasma in functional assay of epithelial gap repair. 2025. PubMed
- Hosnuter M et al. Functional assessment of autologous platelet-rich plasma after long-term storage at −20 °C without any preservation agent. 2017. PubMed
- Beitia M et al. The Effect of Long-Term Cryopreservation on the Properties and Functionality of Platelet-Rich Plasma. 2025. PubMed
- Liu W et al. Long-term stability of frozen platelet-rich plasma under −80 °C storage condition. 2024. PubMed
- Cheng Z et al. Experimental Study on the Influence of Different Storage Conditions (Temperature, Duration) on Platelet Count, LDH, and Growth Factor Concentration in Platelet-Rich Plasma. 2025. DOI
- Roffi A et al. Does platelet-rich plasma freeze-thawing influence growth factor release and their effects on chondrocytes and synoviocytes? 2014. PubMed
- Strandberg G et al. Standardizing the freeze-thaw preparation of growth factors from platelet lysate. 2017. PubMed
- Andia I et al. Freeze-Drying of Platelet-Rich Plasma: The Quest for Standardization. 2020. PubMed
- Anitua E et al. Long term stability of preservative-free and lyophilized PRGF eye drops stored at different temperature conditions: in vitro comparative study. 2025. PubMed
- Arita A et al. Microbial contamination risks and clinical safety in platelet-rich plasma therapy and evaluation of rapid microbial detection methods. 2026. PubMed
- Hauschild G et al. Short term storage stability at room temperature of two different platelet-rich plasma preparations from equine donors and potential impact on growth factor concentrations. 2017. DOI
Rechtliche Grundlagen für Deutschland und die EU
- Arzneimittelgesetz: § 4 AMG, § 13 AMG und § 67 AMG
- Transfusionsgesetz: § 7 TFG, § 13 TFG und § 14 TFG
- Verordnung (EU) 2017/745 über Medizinprodukte – konsolidierte Fassung und § 4 MPBetreibV
Rechts- und Sicherheitshinweis (Deutschland): PRP wird aus Eigenblut gewonnen. Die arzneimittel- und transfusionsrechtliche Einordnung sowie mögliche Anzeige-, Erlaubnis-, Qualitäts- und Dokumentationspflichten hängen vom konkreten Herstellungs- und Anwendungsmodell ab. Die Ausnahme des § 13 Abs. 2b AMG für die Herstellung unter unmittelbarer fachlicher Verantwortung zur persönlichen Anwendung bei einem bestimmten Patienten ist keine allgemeine Herstellungs-, Lager- oder Abgabefreigabe; insbesondere können Anzeigepflichten nach § 67 AMG und Anforderungen des TFG bestehen. Verwendete Medizinprodukte dürfen nur innerhalb ihrer aktuellen Hersteller-Zweckbestimmung und Gebrauchsanweisung sowie durch entsprechend qualifizierte Personen benutzt werden. Eine CE-Kennzeichnung betrifft das jeweilige Produkt, nicht automatisch Wirksamkeit, Sterilität oder Haltbarkeit des erzeugten PRP. Die konkrete Einordnung ist mit der zuständigen Behörde zu klären. Dieser Beitrag ist keine Herstellungs-, Lager-, Auftau-, Therapie- oder Freigabeanweisung und keine medizinische oder rechtliche Beratung. Stand: 25. August 2026.