PRP-Röhrchen und Zentrifugen richtig kombinieren
Kompatibilität, RCF, RPM, Rotorradius und ein nachvollziehbares PRP-Protokoll – erklärt am Referenzsystem aus Vi PRP-PRO und Hettich EBA 200 MD.
Die passende Einstellung beginnt beim Röhrchen
Bei der PRP-Aufbereitung bilden Röhrchen, Rotor, Adapter, Zentrifugalkraft und Laufzeit ein zusammenhängendes System. Eine Drehzahl kann deshalb nie losgelöst vom Rotorradius beurteilt werden.
Die vom Röhrchenhersteller definierte Zielgröße ist in erster Linie die relative Zentrifugalkraft, kurz RCF oder × g. Erst anhand des Rotorradius wird daraus die benötigte Drehzahl der konkreten Zentrifuge berechnet.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht: „Welche Drehzahl ist für PRP am besten?“ Sondern: „Welche Kraft und Laufzeit verlangt das eingesetzte Röhrchensystem, und welche Drehzahl erzeugt diese Kraft in meiner Zentrifuge?“
Eine bekannte RPM-Zahl ist kein übertragbares PRP-Protokoll. Ohne Rotorradius bleibt sie technisch unvollständig.
Gleiche Drehzahl, unterschiedliche Kraft
Derselbe RPM-Wert kann bei verschiedenen Rotoren eine andere relative Zentrifugalkraft erzeugen. Der wirksame Radius reicht von der Drehachse bis zum Röhrchenboden in Zentrifugierposition.
Bei einem kleineren Radius liegt die wirkende RCF niedriger. Eine bekannte Drehzahl darf nicht blind übernommen werden.
Mit zunehmendem Abstand zur Drehachse steigt die Zentrifugalkraft – obwohl die eingestellten Umdrehungen gleich bleiben.
Ein größerer Rotor erzeugt bei derselben Drehzahl mehr × g. Deshalb gehört der Rotorradius zu jeder sauberen Umrechnung.
RCF = 1,118 × 10⁻⁵ × r × RPM²
Der Radius r wird in Zentimetern eingesetzt. Für 1.200 × g bei 8,6 cm Radius ergeben sich rechnerisch rund 3.530 U/min.
Das Referenzsystem im Detail
Vi PRP-PRO und Hettich EBA 200 MD dienen hier als klar definierte Kombination. Die Werte dürfen nicht ungeprüft auf andere Röhrchen oder Zentrifugen übertragen werden.
Vi PRP-PRO
Steriles Vakuumröhrchen aus Borosilikatglas mit Natriumcitrat und thixotropem Trenngel.
Hettich EBA 200 MD
Kompakte Zentrifuge mit festem 8-fach-Winkelrotor für medizinische Einrichtungen.
Wann sind Röhrchen und Zentrifuge kompatibel?
Abmessungen und Form
Das Röhrchen muss vollständig, aufrecht und spannungsfrei in der vorgesehenen Aufnahme sitzen. Durchmesser, Länge und Bodenform sind wichtiger als das Nennvolumen allein.
Zulässige Zentrifugalkraft
Die Ziel-RCF des Protokolls muss erreichbar sein, ohne die zulässige Belastung des Röhrchens zu überschreiten.
Wirksamer Rotorradius
Für die Umrechnung wird der Radius der konkreten Röhrchenposition benötigt – nicht der Durchmesser des Rotors und nicht ein Wert eines anderen Gerätes.
Rotor und Adapter
Ein anderer Adapter oder eine abweichende Röhrchenlänge verändert die Position des Röhrchenbodens. Dadurch kann sich auch die berechnete Drehzahl ändern.
Symmetrische Beladung
Gegenüberliegende Positionen werden mit Röhrchen gleicher Bauart und vergleichbarer Masse bestückt. Eine Unwuchtkontrolle ersetzt das korrekte Ausbalancieren nicht.
Referenzprotokoll für Vi PRP-PRO und EBA 200 MD
Der Ablauf beschreibt die technische Aufbereitung auf Systemebene. Er ist keine Therapieanweisung und ersetzt weder die Gebrauchsanweisung noch die medizinische Entscheidung des verantwortlichen Fachanwenders.
| Parameter | Referenzwert | Warum er dokumentiert wird |
|---|---|---|
| Ziel-RCF | 1.200 × g | Beschreibt die tatsächlich wirkende relative Zentrifugalkraft. |
| Laufzeit | 7 Minuten | Ist Teil des produktspezifischen Aufbereitungsablaufs. |
| Rotorradius | 86 mm | Wird für die Umrechnung zwischen RCF und RPM benötigt. |
| Drehzahl | ca. 3.500 U/min | Gilt für die beschriebene Referenzkonfiguration, nicht universell. |
Was in einem PRP-Protokoll stehen sollte
Eine nachvollziehbare Dokumentation erleichtert die Fehleranalyse und verhindert, dass nur eine isolierte Drehzahl ohne Systembezug festgehalten wird.
Was bei der Übertragung von Einstellungen schiefgeht
RPM von einem anderen Gerät übernehmen
Ein anderer Rotorradius kann bei gleicher Drehzahl eine deutlich andere RCF erzeugen.
RCF und RPM gleichsetzen
1.200 × g sind nicht 1.200 U/min. Es handelt sich um verschiedene physikalische Größen.
Zu allgemeine Werte verwenden
Breite Bereiche wie 6–10 Minuten ersetzen kein produktspezifisch definiertes Protokoll.
Röhrchen unterfüllen
Bei einem Vakuumröhrchen verändert eine unzureichende Blutaufnahme das Verhältnis zum vorhandenen Antikoagulans.
Unterschiedliche Massen ausbalancieren
Gegenüberliegende Röhrchen sollten hinsichtlich Bauart und Füllmenge vergleichbar sein.
PRP und PRF vermischen
Röhrchen mit Natriumcitrat und Trenngel folgen einem anderen System als klassische PRF-Röhrchen ohne Antikoagulans.