PRP-Therapie bei Augenkrankheiten
PRP-Augentropfen in der Augenheilkunde: Evidenz, Aufbereitung und Grenzen
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Fachartikel · Augenoberfläche · Stand Juli 2026

PRP-Augentropfen in der Augenheilkunde: Was ist wissenschaftlich belegt?

Blutbasierte Augentropfen werden vor allem bei schweren oder hartnäckigen Erkrankungen der Augenoberfläche untersucht. Dieser Beitrag ordnet die Studienlage ein und zeigt, warum Röhrchen, Zentrifuge und Herstellungsprozess als zusammenhängendes System betrachtet werden müssen.

Lesedauer: etwa 11 MinutenSchwerpunkt: trockene Augen und HornhautepithelFür Fachkreise und interessierte Leser

Kurz eingeordnet

PRP-Augentropfen sind kein allgemeines Verfahren gegen „Augenkrankheiten“. Untersucht werden sie hauptsächlich als biologischer Tränenersatz bei Erkrankungen der Augenoberfläche, insbesondere bei trockenem Auge und bei anhaltenden Defekten des Hornhautepithels. Aktuelle Übersichtsarbeiten zeigen mögliche Vorteile bei Symptomen und Oberflächenfärbung. Die Studien unterscheiden sich jedoch deutlich in Herstellung, Konzentration, Anwendung und Beobachtungsdauer. Eine pauschale Heilungs- oder Überlegenheitsaussage ist deshalb nicht gerechtfertigt.1, 2, 3

Was sind PRP-Augentropfen?

PRP steht für platelet-rich plasma, auf Deutsch plättchenreiches Plasma. Für autologe PRP-Augentropfen wird Blut der betreffenden Person medizinisch aufbereitet. Ziel ist eine Plasmafraktion mit einer gegenüber dem Ausgangsblut erhöhten Konzentration an Thrombozyten. Nach ihrer Aktivierung können Thrombozyten unter anderem Wachstumsfaktoren und weitere Signalproteine freisetzen, die an Reparatur- und Entzündungsprozessen der Augenoberfläche beteiligt sind.

Die Bezeichnung beschreibt allerdings kein einheitliches Produkt. Je nach Verfahren unterscheiden sich Thrombozytenkonzentration, Leukozytenanteil, Aktivierung, Verdünnung, Lagerung und Dosierung. Diese Unterschiede erschweren den direkten Vergleich klinischer Studien.

Wichtig zur Begrifflichkeit: PRP-Augentropfen, autologe Serumaugentropfen, Plättchenlysat und „plasma rich in growth factors“ sind verwandte, aber nicht identische Blutprodukte. Sie sollten fachlich nicht gleichgesetzt werden. PRP ist außerdem keine Stammzelltherapie.

Bei welchen Befunden wird PRP untersucht?

Bessere Datenlage

Trockenes Auge

PRP-Augentropfen werden vor allem bei mittelgradigem bis schwerem oder therapieresistentem trockenem Auge untersucht. Eine Netzwerk-Metaanalyse mit 16 randomisierten Studien und insgesamt 898 Teilnehmenden fand gegenüber künstlichen Tränen Vorteile bei bestimmten Endpunkten, darunter der Ocular Surface Disease Index und die Fluoreszeinfärbung der Hornhaut. Die Aussagekraft bleibt wegen methodischer Unterschiede und Verzerrungsrisiken begrenzt.2

Kleinere klinische Studien

Persistierende Hornhautepitheldefekte

Bei Defekten, die trotz Standardversorgung nicht abheilen, wurden PRP- oder PRGF-Augentropfen in Fallserien und kleineren Vergleichsstudien eingesetzt. Mehrere Arbeiten berichten eine beschleunigte Re-Epithelisierung. Die zugrunde liegenden Ursachen waren jedoch unterschiedlich, und große, einheitlich durchgeführte Studien fehlen.4, 5

Spezialisierte Versorgung

Neurotrophe Keratopathie und komplexe Augenoberfläche

Blutbasierte Tränenersatzprodukte können in spezialisierten Behandlungskonzepten bei neurotrophen oder anderweitig schwer geschädigten Augenoberflächen eine Rolle spielen. Entscheidend bleibt die Behandlung der Ursache sowie eine engmaschige augenärztliche Kontrolle.3, 6

Nicht belegt als Pauschaltherapie

Andere Augenerkrankungen

Die hier ausgewertete Evidenz betrifft vor allem die Augenoberfläche. Daraus lässt sich keine Wirksamkeit bei Katarakt, Glaukom, Netzhauterkrankungen oder akuten Augeninfektionen ableiten. PRP-Augentropfen ersetzen keine antiinfektive, operative oder andere ursachenspezifische Behandlung.

Was zeigt die aktuelle Studienlage?

Die verfügbaren Daten sind insgesamt ermutigend, aber nicht einheitlich. Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse von 2024 bewertete PRP bei trockenem Auge als potenziell wirksam hinsichtlich subjektiver Beschwerden und objektiver Zeichen.1 Eine weitere Netzwerk-Metaanalyse verglich verschiedene Blutprodukte und fand für PRP-Augentropfen Vorteile gegenüber künstlichen Tränen bei einzelnen Endpunkten. Zwischen den verschiedenen Blutprodukten ergaben sich jedoch in mehreren direkten Vergleichen keine statistisch eindeutigen Unterschiede.2

Der aktuelle TFOS-DEWS-III-Bericht führt autologes Serum und PRP als biologische Tränenersatzprodukte innerhalb eines abgestuften Managements des trockenen Auges auf. Damit sind sie fachlich als mögliche Spezialoptionen einzuordnen, nicht als universelle Erstlinientherapie.3

  • Mögliche Symptomverbesserung: In mehreren Studien sanken Beschwerden, gemessen etwa mit dem OSDI.
  • Mögliche Verbesserung der Hornhautoberfläche: Besonders die Fluoreszeinfärbung zeigte in Metaanalysen positive Signale.
  • Biologische Plausibilität: Thrombozyten setzen Faktoren frei, die an epithelialer Migration, Zellproliferation und Gewebereparatur beteiligt sind.
  • Keine einheitliche Herstellung: Die untersuchten PRP-Präparate unterscheiden sich teils erheblich.
  • Begrenzte Vergleichbarkeit: Diagnosen, Schweregrade, Begleittherapien und Endpunkte sind nicht durchgehend standardisiert.
  • Teilweise kleine Studien: Für viele spezielle Hornhautbefunde liegen nur Fallserien oder kleine Vergleichsgruppen vor.
  • Wenig Langzeitdaten: Aussagen zu dauerhafter Wirkung, optimaler Behandlungsdauer und seltenen Risiken sind noch begrenzt.

PRP-Augentropfen und autologes Serum: nicht dasselbe

Merkmal PRP-Augentropfen Autologe Serumaugentropfen
Ausgangsmaterial Plasmafraktion mit angereichertem Thrombozytenanteil Serum nach Gerinnung des Blutes
Thrombozyten Je nach Herstellungsverfahren vorhanden und konzentriert Im fertigen Serum grundsätzlich nicht als Zellfraktion enthalten
Biologische Zusammensetzung Stark protokollabhängig; Freisetzung plättchenbezogener Faktoren möglich Enthält serumtypische Proteine und epitheliotrophe Faktoren
Evidenz Zunehmende, aber heterogene klinische Daten Länger klinisch untersucht; ebenfalls keine vollständig standardisierte Herstellung
Technische Einordnung für Fachanwender

PRP-Röhrchen und Zentrifuge: relevant für den Prozess, aber keine ophthalmische Freigabe

Die Zusammensetzung einer PRP-Fraktion hängt nicht nur vom Ausgangsblut ab. Röhrchenmaterial, Antikoagulans, Trenngel, relative Zentrifugalkraft, Laufzeit, Rotor, Adapter und die anschließende Verarbeitung beeinflussen das Ergebnis. Genau deshalb lassen sich Studien zu PRP-Augentropfen nicht pauschal auf jedes handelsübliche PRP-System übertragen.

Vi PRP-PRO PRP-Röhrchen aus Borosilikatglas
PRP-Röhrchen

Vi PRP-PRO

Vi PRP-PRO ist ein steriles PRP-Röhrchen aus Borosilikatglas für die professionelle PRP-Aufbereitung. Es enthält 0,8 ml Natriumcitrat und ein thixotropes Trenngel. Als technischer Standardwert werden 1200 × g für 7 Minuten angegeben.7

  • Medizinprodukt Klasse IIa
  • CE 0425
  • etwa 9 ml Blutaufnahme
  • 10 sterile Röhrchen je VPE

Abgrenzung: Diese Produktdaten beschreiben einen professionellen PRP-Workflow. Sie belegen keine spezielle Zweckbestimmung für die Herstellung von Augentropfen und ersetzen keine ophthalmische Prozessvalidierung.

Hettich EBA 200 MD Zentrifuge mit integriertem Winkelrotor
Medizinprodukt-Zentrifuge

Hettich EBA 200 MD

Die MD-Version der EBA 200, Bestellnummer 1810, ist für die Trennung von Vollblut oder Blutbestandteilen menschlichen Ursprungs vorgesehen. Der integrierte 8-Platz-Winkelrotor nimmt Röhrchen bis 10 ml auf; maximal werden 3.461 × g und 6.000 U/min erreicht.8

  • 8-Platz-Winkelrotor
  • bis 10 ml je Röhrchen
  • max. 3.461 × g
  • max. 6.000 U/min

Für den Standardwert von Vi PRP-PRO nennt die Produktdokumentation für EBA 200 und EBA 200 MD rund 3.500 U/min als Orientierungswert für 1200 × g. Verbindlich sind der tatsächliche Rotorradius, die konkrete Röhrchenposition sowie beide Gebrauchsanweisungen.9

Was vor einer medizinischen Nutzung als System geprüft werden muss

Ein technisch passendes Röhrchen und eine leistungsfähige Zentrifuge reichen allein nicht aus. Die verantwortliche Einrichtung muss den gesamten Prozess bewerten und dokumentieren.

  1. Zweckbestimmung: Produktunterlagen, Gebrauchsanweisungen und regulatorischen Status beider Komponenten prüfen.
  2. Kompatibilität: Röhrchenmaß, Rotor, Adapter, Beladung, RCF und Laufzeit als konkrete Konfiguration verifizieren.
  3. Weiterverarbeitung: Sterile Entnahme, Abfüllung, Lagerung, Haltbarkeit und Qualitätskontrollen separat festlegen.
  4. Ophthalmischer Kontext: Die Eignung für ein Augenpräparat fachlich und rechtlich eigenständig bewerten; keine Übertragung allein aus allgemeinen PRP-Daten.
Die zentrale Grenze: Weder Vi PRP-PRO noch die Hettich EBA 200 MD werden durch ihre technischen Daten automatisch zu einem validierten System für PRP-Augentropfen. Der Artikel stellt die Komponenten deshalb nur als Beispiele für einen professionellen, dokumentierbaren PRP-Aufbereitungsworkflow vor.

Sicherheit, Hygiene und fachliche Verantwortung

Autolog bedeutet nicht automatisch risikofrei. Blutentnahme, Verarbeitung, Abfüllung, Lagerung und Anwendung müssen unter geeigneten hygienischen und medizinischen Bedingungen erfolgen. Augenpräparate sind besonders empfindlich gegenüber mikrobieller Kontamination. Hinzu kommen individuelle Faktoren wie aktive Infektionen, Entzündungsursachen, Gerinnungsstörungen, systemische Erkrankungen oder begleitende Medikamente.

Die Entscheidung für ein blutbasiertes Augenpräparat gehört deshalb in die Hand einer augenärztlich qualifizierten Einrichtung. Herstellung und Qualitätssicherung müssen den jeweils geltenden medizinischen, arzneimittelrechtlichen, transfusionsrechtlichen und hygienischen Vorgaben entsprechen. Eine Eigenherstellung oder Selbstanwendung ist nicht vertretbar.

Akute Beschwerden sind kein Fall für Selbstversuche: Plötzliche Sehverschlechterung, starke Schmerzen, Lichtscheu, Verletzungen, eitriges Sekret oder der Verdacht auf eine Infektion erfordern eine zeitnahe augenärztliche Abklärung.

Was bedeutet das für die Praxis?

PRP-Augentropfen sind eine spezialisierte Option für ausgewählte Erkrankungen der Augenoberfläche. Am besten untersucht sind das trockene Auge und persistierende Defekte des Hornhautepithels. Die derzeitige Evidenz rechtfertigt eine vorsichtig positive Einordnung, aber keine Aussage, PRP sei die „beste“, „sicherste“ oder generell wirksamste Behandlung.

Für eine belastbare Therapieentscheidung sind Diagnose, Ursache, Schweregrad, bisherige Behandlungen und das konkrete Herstellungsprotokoll entscheidend. Ebenso wichtig ist die klare Trennung zwischen PRP, autologem Serum und anderen Blutkomponenten. Nur so lassen sich Studienergebnisse sinnvoll auf den jeweiligen klinischen Fall übertragen.

Für Einrichtungen, die PRP technisch aufbereiten, ist deshalb nicht das einzelne Produkt, sondern die validierte Kombination aus Röhrchen, Zentrifuge, Rotor, RCF, Laufzeit, Hygiene und Weiterverarbeitung maßgeblich. Eine dokumentierte Kompatibilität für einen allgemeinen PRP-Workflow darf nicht mit einer Freigabe für ophthalmische Augentropfen gleichgesetzt werden.

Häufige Fragen zu PRP-Augentropfen

Helfen PRP-Augentropfen bei jedem trockenen Auge?

Nein. Trockenes Auge ist eine heterogene Erkrankung mit unterschiedlichen Ursachen. PRP-Augentropfen werden eher als Spezialoption bei schweren, komplexen oder unzureichend kontrollierten Verläufen diskutiert. Die Auswahl hängt von Diagnose und Befund ab.

Sind PRP-Augentropfen dasselbe wie Eigenserum?

Nein. Beide werden aus körpereigenem Blut gewonnen, unterscheiden sich aber in der Herstellung und Zusammensetzung. PRP enthält eine angereicherte Thrombozytenfraktion; Serum entsteht nach der Gerinnung und enthält keine Thrombozyten als Zellfraktion.

Können PRP-Augentropfen Infektionen verhindern oder behandeln?

Dafür gibt es keine Grundlage als allgemeine Aussage. Bei einer infektiösen Keratitis oder anderen Augeninfektion ist eine gezielte antiinfektive Behandlung erforderlich. PRP darf diese nicht ersetzen.

Sind PRP-Augentropfen zugelassen und standardisiert?

Die rechtliche Einordnung und die Anforderungen an Herstellung und Anwendung hängen vom Land, vom Versorgungskontext und vom konkreten Verfahren ab. Zugleich fehlt international weiterhin ein vollständig einheitliches Herstellungsprotokoll. Kliniken müssen die für sie geltenden Vorgaben prüfen und dokumentieren.

Kann man PRP-Augentropfen selbst herstellen?

Nein. Herstellung, sterile Verarbeitung, Lagerung und Anwendung gehören in eine qualifizierte medizinische Struktur. Unsachgemäße Präparate können das Auge schädigen oder kontaminiert sein.

Kann Vi PRP-PRO für PRP-Augentropfen verwendet werden?

Aus den allgemeinen Produktdaten lässt sich das nicht ableiten. Vi PRP-PRO ist für professionelle PRP-Aufbereitung beschrieben, besitzt aber dadurch keine automatisch belegte ophthalmische Zweckbestimmung. Eine Einrichtung müsste die Eignung des gesamten Herstellungsprozesses fachlich, hygienisch und rechtlich separat prüfen.

Ist die Hettich EBA 200 MD mit Vi PRP-PRO technisch kombinierbar?

Die Röhrchengröße und der Leistungsbereich passen grundsätzlich zu dem dokumentierten PRP-Protokoll. Als Orientierungswert werden etwa 3.500 U/min für 1200 × g genannt. Trotzdem müssen Rotorradius, Adapter, Röhrchenposition, symmetrische Beladung und die aktuellen Gebrauchsanweisungen vor Ort geprüft werden.

Wissenschaftliche Quellen und technische Produktangaben

  1. Akowuah PK et al. Platelet-rich plasma for treating dry eye disease - A systematic review and meta-analysis. Contact Lens and Anterior Eye. 2024;47(1):102091. PubMed
  2. Zhang Y et al. Blood component therapy for dry eye disease: a systematic review and network meta-analysis. Frontiers in Medicine. 2024;11:1500160. Volltext
  3. Jones L et al. TFOS DEWS III: Management and Therapy. American Journal of Ophthalmology. 2025;279:289-386. PubMed
  4. Alizadeh S et al. Autologous Platelet-rich Plasma Eye Drops Accelerate Re-epithelialization of Post-keratoplasty Persistent Corneal Epithelial Defects. Journal of Ophthalmic & Vision Research. 2019;14(2):131-135. Volltext
  5. Kim KM et al. Effect of autologous platelet-rich plasma on persistent corneal epithelial defect after infectious keratitis. Japanese Journal of Ophthalmology. 2012;56(6):544-550. PubMed
  6. Vaidyanathan U et al. Persistent Corneal Epithelial Defects: A Review Article. Medical Hypothesis, Discovery & Innovation in Ophthalmology. 2019;8(3):163-176. Volltext

Technische Produkt- und Herstellerangaben

  1. prpmed.de. Vi PRP-PRO PRP-Röhrchen: technische Produktdaten, CE 0425, Klasse IIa und Standardwert 1200 × g für 7 Minuten. Produktseite
  2. Andreas Hettich GmbH. EBA 200 MD, Bestellnummer 1810: Medizinprodukt-Ausführung, 8-Platz-Winkelrotor, maximale RCF und Drehzahl. Herstellerangaben
  3. prpmed.de. Hettich EBA 200 MD und gerätespezifische technische Orientierung für Vi PRP-PRO; maßgeblich bleiben Rotorradius und Gebrauchsanweisungen. Produktseite
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