Aber: sequenzielle, nicht randomisierte Kohorten aus unterschiedlichen Zeiträumen. Die Autoren berechneten für eine verhinderte tiefe Infektion eine NNT von 71 (95-%-KI 41,8–244,5). Die Zahl ist kein allgemeiner Wirksamkeitsbeleg.[8]
PRP in der Herzchirurgie: Wundheilung, Blutmanagement und Forschungsstand 2026
Plättchenreiches Plasma ist in der Herzchirurgie kein einheitliches Verfahren. Unter demselben Begriff werden topisches Thrombozytengel an Operationswunden, autologe Plateletpherese im perioperativen Blutmanagement und experimentelle Anwendungen am Myokard untersucht. Diese drei Forschungsfelder müssen getrennt bewertet werden.
Methodik und Auswahl der Quellen
Für diese Evidenzeinordnung wurden bis 20. August 2026 gezielt PubMed/PubMed Central, ClinicalTrials.gov, einschlägige Leitlinien- und Gesetzesquellen sowie die in den Schlüsselarbeiten zitierten Studien geprüft. Berücksichtigt wurden klinische Arbeiten, die die drei im Beitrag getrennten Forschungsfelder abbilden. Zurückgezogene Publikationen werden sichtbar gekennzeichnet und nicht als Wirksamkeitsbeleg verwendet. Die Auswahl ist narrativ und erhebt keinen Anspruch auf die Methodik einer systematischen Übersichtsarbeit.
Was der derzeitige Forschungsstand mit vertretbarer Sicherheit zeigt
- Topisches PRP an der Sternumwunde: positive Signale aus mehreren Beobachtungsstudien, aber kein robust bestätigter Infektionsvorteil aus randomisierter Evidenz.
- Autologe Plateletpherese: eigener PBM-Forschungszweig mit Signalen für weniger Blutverlust oder Transfusionsbedarf in ausgewählten Settings; ein retrospektives AKI-Sicherheitssignal mahnt zur Zurückhaltung.
- Direkte Anwendung am Herzmuskel: klinisch weiterhin experimentell; kleine Kombinationsstudien erlauben keine isolierte PRP-Wirkungsaussage.
- PRP ist nicht gleich PRP: Aufbereitungssystem, Blutvolumen, Zellzusammensetzung, Aktivierung und Anwendungsweg müssen bei jeder Studie mitgelesen werden.
Ein gemeinsamer Name, verschiedene medizinische Ziele
Wundheilung untersucht lokale biologische Effekte an Sternum oder Venenentnahmestelle.
Plateletpherese zielt primär auf Hämostase und Blutmanagement rund um die Herz-Lungen-Maschine.
Myokardiale Anwendungen untersuchen regenerative bzw. angiogene Ansätze und gehören nicht in dieselbe Wirksamkeitsbewertung.
Interaktiv: Drei Forschungswege, die in Publikationen alle „PRP“ heißen
Die Grafik ist bewusst als Auswahlfluss gebaut. Auf Mobilgeräten ordnet sie sich vertikal an, ohne überlappende Elemente.
Topische Anwendung an Sternum und Wunde
Mehrere große Beobachtungsstudien berichten deutliche Vorteile. Kontrollierte und randomisierte Daten bestätigen einen sicheren Schutz vor sternalen Wundinfektionen bislang jedoch nicht.
Kernaussage: biologisch plausibel, aber kein robuster randomisierter Wirksamkeitsnachweis für die Infektionsprävention.
Herzchirurgie kam nicht „50 Jahre nach der Zahnmedizin“
Der Begriff platelet-rich plasma wurde bereits in den 1950er-Jahren in der Transfusionsmedizin verwendet. Ein früher und häufig zitierter Meilenstein der autologen PRP-Nutzung in der Herzchirurgie ist die Arbeit von Ferrari et al. aus dem Jahr 1987: Dort wurde PRP im Rahmen einer autologen Transfusionsstrategie während Herzoperationen gewonnen und später reinfundiert.[1]
Damit ist die verbreitete Erzählung „zuerst Zahnmedizin, rund 50 Jahre später Herzchirurgie“ chronologisch falsch. Die später verbreiteten dentalen und kieferchirurgischen Anwendungen ab den 1990er-Jahren sind ein anderer Entwicklungspfad. Für die heutige Einordnung ist wichtiger: Schon historisch stand in der Herzchirurgie nicht nur Wundheilung, sondern auch Blutmanagement im Vordergrund.
Warum die großen Prozentzahlen allein nicht reichen
Nach medianer Sternotomie gehören tiefe sternale Wundinfektionen zu den klinisch relevanten Komplikationen. Untersucht wurde deshalb, ob aktiviertes autologes PRP beziehungsweise Platelet Gel als zusätzliche lokale Maßnahme beim Wundverschluss einen Vorteil bringen kann. PRP ersetzt dabei keine etablierte Infektionsprävention.
Der Studiendesign-Effekt
In retrospektiven Kohorten waren SWI und DSWI unter PRP seltener. In der Untergruppe randomisierter Studien zeigte sich dagegen kein signifikanter Unterschied.[13]
Einordnung: Nicht „wirkungslos“, aber für eine sichere Präventionsaussage reicht die hochwertige Evidenz nicht.
Was in einer häufig zitierten Sternumstudie konkret gemacht wurde
In der Patel-Kohorte wurde vor dem Hautschnitt Vollblut entnommen, in einem Point-of-Care-System separiert, das gewonnene PRP aktiviert und beim Verschluss lokal an Sternum und Weichteilen appliziert. Die Details zeigen, warum diese Studien nicht mit einem beliebigen ambulanten Röhrchensystem gleichgesetzt werden dürfen.[8]
Studienbeschreibung, keine Anwendungsanleitung.
Studien nach Forschungsbereich und Studiendesign filtern
Die Übersicht zeigt bewusst auch die positiven Beobachtungsstudien. So wird der Unterschied zwischen Studiendesigns sichtbar, statt nur eine Richtung der Literatur auszuwählen.
n = 2.259
retrospektiv
Platelet Gel und Wundinfektionen
382 behandelte Patienten wurden mit 948 parallelen und 929 historischen Kontrollen verglichen. Oberflächliche Infektionen lagen bei 0,3 % versus 1,8 % bzw. 1,5 %, tiefe Sternuminfektionen bei 0 % versus 1,5 % bzw. 1,7 %. Das Design bleibt anfällig für Verzerrung.[2]
n = 44
prospektiv
Hochrisikopatienten in der Koronarchirurgie
Prospektiv und doppelblind. Keine signifikanten Unterschiede bei größeren oder kleineren Wundkomplikationen; auch weitere perioperative Endpunkte waren vergleichbar.[3]
n = 140
randomisiert
Venenentnahmestelle nach CABG
Wundinfektionen bei 9/70 Patienten mit topischem PRP versus 8/70 Kontrollen; kein signifikanter Vorteil.[4]
n = 196
randomisiert
Tiefe Sternuminfektion bei Hochrisikopatienten
Revisionspflichtige DSWI bei 6/97 unter PRP und 3/99 in der Kontrollgruppe. Der Unterschied war nicht signifikant. Die Publikation nennt Biomet Deutschland GmbH als Förderer.[5]
Ein negatives Ergebnis in einer herstellerfinanzierten Studie ist ein relevanter Teil der Evidenz, ohne allein die Gesamtfrage zu entscheiden.n = 1.866
retrospektiv
PRP-Paste zusammen mit Vancomycin
Alle 11 schweren DSWI traten in der Kontrollgruppe auf; in der Interventionsgruppe mit PRP, Calcium-Thrombin und Vancomycin keine. Adjustierte OR 0,05 (95-%-KI 0,01–0,50). Der PRP-Effekt lässt sich wegen der kombinierten Vancomycin-Intervention nicht isolieren.[6]
n = 1.093
nicht randomisiert
PRP in der Sternotomiewunde
DSWI 1/422 (0,20 %) mit PRP versus 10/671 (1,5 %) ohne PRP; p = 0,043. Oberflächliche Infektionen waren ebenfalls seltener. Positives Signal, aber kein randomisierter Vergleich.[7]
n = 2.000
sequenzielle Kohorten
Die Quelle der bekannten 2,0-auf-0,6-%-Zahl
Große sequenzielle Kohortenanalyse mit positiven Ergebnissen, aber zeitlich vorgelagerter Kontrollgruppe und ohne Randomisierung. Die Gruppen unterschieden sich auch bei VAD/Transplantation und Notfalleingriffen. NNT für eine verhinderte DSWI: 71.[8]
7 Studien
Metaanalyse
Positiver Pool-Effekt – mit wichtigem Designproblem
4.692 Patienten; gepoolt signifikant weniger sternale Wundinfektionen und Mediastinitis. Die Autoren betonen jedoch die schlechte Qualität der zugrunde liegenden Daten. In der RCT-Untergruppe lag kein Behandlungseffekt vor.[9]
n = 262
historisch
Adipöse Patienten mit Diabetes Typ 2
DSWP 6/144 (4,2 %) mit Platelet-Leukocyte-Gel versus 13/118 (11 %) in der historischen Referenzgruppe; p = 0,03. Die Autoren nennen unter anderem Änderungen bei Antibiotikaregime und Verschlusstechnik als Limitation.[10]
10 Studien
Metaanalyse
Retrospektive und randomisierte Daten trennen sich
Positive Effekte in retrospektiven Kohorten; in der randomisierten Untergruppe kein signifikanter Unterschied bei SWI oder DSWI. Die Autoren bewerten die Evidenz als zu schwach für eine sichere Schlussfolgerung.[13]
15 RCT
Metaanalyse
Platelet-rich Plasmapherese bei kardiovaskulärer Chirurgie
Weniger postoperativer Blutverlust und geringerer Bedarf an allogenen Blutprodukten; gleichzeitig erhebliche Heterogenität zwischen den Studien.[11]
n = 660
Sicherheitssignal
Akute Nierenschädigung nach Typ-A-Dissektionschirurgie
Retrospektive Kohorte: aPRP war nach Adjustierung unabhängig mit mehr postoperativer AKI assoziiert (OR 1,729; 95-%-KI 1,225–2,440), bei gleichzeitig weniger intraoperativen Transfusionen. Das ist kein Kausalitätsnachweis, aber ein relevantes Schadenssignal.[12]
n = 134
randomisiert
Autologe Plateletpherese / APC in der Aortenchirurgie
Single-Center-RCT mit weniger Erythrozytentransfusionen. Die Autoren bezeichnen das gewonnene Produkt im Ablauf als autologous platelet concentrate (APC); deshalb nicht mit topischem PRP-Gel gleichsetzen. Mehr Calcium und längere Vorbereitungszeit wurden ebenfalls berichtet.[14]
6 Studien
Metaanalyse
Akute Typ-A-Aortendissektion
2.150 Patienten, davon 906 mit aPRP. Berichtet wurden unter anderem weniger Reoperationen wegen Blutung, weniger Thrombozyten/Kryopräzipitat und günstigere Beatmungsendpunkte; Mortalität, Krankenhausdauer sowie neurologische und renale Komplikationen unterschieden sich nicht signifikant. Ein großer Teil der Evidenz war beobachtend.[15]
n = 52
experimentell
CABG, TMR und intramyokardiales PRP
Publiziert in Cureus. Vier kleine Gruppen: CABG 16, CABG+TMR 17, CABG+PRP 10, CABG+TMR+PRP 9. Ein GLS-Signal betraf den Kombinationsansatz; postoperative Vorhofflimmern war in der TMR+PRP-Gruppe häufiger (67 % vs. 25 %). Keine isolierte regenerative PRP-Wirkung ableitbar.[17]
zurückgezogen
Metaanalyse zur Sternumwundheilung
Im Januar 2025 zurückgezogen, nachdem das Begutachtungsverfahren als kompromittiert bewertet wurde. Nicht als Wirksamkeitsbeleg verwendbar.[18]
zurückgezogen
Metaanalyse zu topischem Platelet Gel
Der Originalartikel hat PMID 38420690 und wird von PubMed ausdrücklich als Retracted Publication geführt. Die Retraktionsnotiz (PMID 39317945) erschien im September 2024 wegen eines manipulierten Begutachtungs- und Publikationsprozesses. Nicht als Wirksamkeitsbeleg verwenden.[19]
Plateletpherese ist ein eigener Blutmanagement-Ansatz
Bei Operationen mit Herz-Lungen-Maschine können Thrombozyten durch Hämodilution, Kontakt mit Fremdoberflächen und mechanische Belastung beeinträchtigt werden. Die autologe Plateletpherese separiert vor dem kardiopulmonalen Bypass eine thrombozytenreiche autologe Fraktion, die später zurückgegeben wird. Das Ziel ist primär Hämostase und Blutmanagement – nicht regenerative Wundheilung.[11]
Zhai 2019: 15 randomisierte Studien
Die Metaanalyse mit 1.002 Patienten fand Signale für weniger postoperativen Blutverlust und geringeren Bedarf an mehreren allogenen Blutprodukten. Die erhebliche Heterogenität begrenzt die Übertragbarkeit.[11]
AKI-Signal aus einer retrospektiven Kohorte
Bei 660 Patienten mit Typ-A-Aortendissektion war aPRP nach Adjustierung mit mehr postoperativer akuter Nierenschädigung assoziiert (OR 1,729). Gleichzeitig wurden weniger intraoperative Transfusionen berichtet. Das Design erlaubt keine Kausalitätsaussage, das Signal gehört aber in die Nutzen-Risiko-Einordnung.[12]
Interaktive Studiengrafik mit fester 0–60-%-Skala
Die gemeinsame Skala verhindert, dass kleine Unterschiede künstlich „auf Vollbreite“ gezogen werden.
| Datensatz | Population | Endpunkt | Statistische Einordnung |
|---|---|---|---|
| Gao 2025 | Aortenchirurgie, Single-Center | RBC-Transfusion 14,9 % vs. 50,7 % | p < 0,001; spezifische Population, nicht generalisierbar |
Die Grafik zeigt einen einzelnen RCT-Endpunkt. Sie ist kein allgemeiner Wirksamkeitsbeleg für PRP in der Herzchirurgie.
Aktuelle Aortenchirurgie: auffällige Signale, aber kein Freifahrtschein
Die 2025 publizierte Single-Center-RCT von Gao et al. randomisierte 134 Patienten. Die Autoren sprechen im Ablauf vom gewonnenen autologous platelet concentrate (APC) im Rahmen der Plateletpherese. Die Gesamt-RBC-Transfusionsrate betrug 10/67 (14,9 %) versus 34/67 (50,7 %); gleichzeitig waren mehr Calcium und längere Vorbereitungszeiten erforderlich.[14]
Die 2026 publizierte Metaanalyse zur akuten Typ-A-Aortendissektion umfasste sechs Studien mit 2.150 Patienten. Sie berichtete unter anderem weniger Reoperationen wegen Blutung, geringeren Verbrauch von Thrombozyten/Kryopräzipitat und günstigere Beatmungsendpunkte. Mortalität, Krankenhausdauer sowie neurologische und renale Komplikationen unterschieden sich nicht signifikant. Der größte Teil der Daten war beobachtend.[15]
Multizentrische RCT zur Typ-A-Aortendissektion
ClinicalTrials.gov führt eine randomisierte multizentrische Studie mit geplanter Teilnehmerzahl 250. Ergebnisse liegen noch nicht vor.
98 CABG-Patienten, topisches PRP am Sternum
Der Registereintrag ist als abgeschlossen geführt, enthält bislang aber keine veröffentlichten Ergebnisse. Daraus lässt sich aktuell keine Wirksamkeitsaussage ableiten.
PRP ist nicht gleich PRP – selbst bei Point-of-Care-Systemen
Blutvolumen, Thrombozyten- und Leukozytengehalt, Antikoagulans, Aktivierung und Separation unterscheiden sich je nach System. Eine im Juni 2026 veröffentlichte prospektive randomisierte, einfach verblindete Studie verglich bei 60 herzchirurgischen Fällen zwei Point-of-Care-Systeme. Die mittlere Thrombozytenanreicherung lag beim Magellan-System beim 6,58-Fachen und beim Angel-System beim 6,31-Fachen des Ausgangswerts.[16]
Die Studie misst die Zielerreichung der Aufbereitung und keine klinische Wirksamkeit. Genau deshalb ist sie nützlich: Sie zeigt, warum ein Ergebnis aus einem konkreten System nicht automatisch auf ein anderes System übertragbar ist.
PRP direkt am Herzmuskel: kleine Kombinationsstudie, kein etablierter Therapieeffekt
Eine 2024 in Cureus veröffentlichte Studie randomisierte 52 Patienten auf CABG allein (16), CABG+TMR (17), CABG+PRP (10) oder CABG+TMR+PRP (9). Das berichtete GLS-Signal nach einem Jahr betraf insbesondere den Kombinationsansatz TMR+PRP; die LVEF unterschied sich nicht signifikant.[17]
Zur vollständigen Einordnung gehört auch ein vorläufiges Sicherheitssignal: Postoperatives Vorhofflimmern trat in der TMR+PRP-Gruppe häufiger auf als in der CABG-Kontrolle (67 % vs. 25 %, p = 0,04). Bei neun Patienten in dieser Gruppe ist das kein belastbarer Schadensnachweis, aber ein Grund mehr, die Arbeit nicht als isolierten Beleg für „PRP-Regeneration des Herzens“ zu verwenden.[17]
Vier Aussagen, die man so nicht stehen lassen sollte
„PRP senkt DSWI generell von 2,0 auf 0,6 %.“
Diese Zahlen stammen aus einer einzelnen nicht randomisierten sequenziellen Kohortenanalyse. Sie sind kein allgemeingültiger Effektwert.[8]
„PRP verhindert die Abstoßung von Fremdblut.“
Falsch formuliert. Bei Plateletpherese wird untersucht, ob patienteneigene Thrombozyten geschont und dadurch Blutverlust beziehungsweise der Bedarf an allogenen Blutprodukten reduziert werden können.
„PRP wirkt bei Herztransplantation und VAD.“
Die Patel-Kohorte enthielt solche Patienten, belegt aber keine eigenständige Wirksamkeit von PRP speziell bei VAD oder Herztransplantation.
„Metaanalysen belegen den Nutzen eindeutig.“
Nein. Kirmani 2017 fand einen positiven Pool-Effekt auf überwiegend nicht randomisierter Datenbasis, Yao 2021 zeigte den Effekt vor allem in retrospektiven Studien. Zwei spätere Metaanalysen wurden zurückgezogen.
Wichtig: PMID 38420690 ist nicht eine „andere, gültige“ 2024er Metaanalyse
PMID 38420690 gehört zur Arbeit von Yifan Li und Zhong Wu, DOI 10.1111/iwj.14761. PubMed kennzeichnet genau diesen Artikel als Retracted Publication. Die Retraktionsnotiz hat PMID 39317945 und wurde im September 2024 veröffentlicht.[19]
Die Zhu-Metaanalyse von 2023 wurde im Januar 2025 ebenfalls zurückgezogen.[18] Beide Arbeiten bleiben im Explorer sichtbar, tragen aber keine Wirksamkeitsaussage.
Präparat, Gerät, Herstellung und Kommunikation getrennt betrachten
Die herzchirurgischen Studien verwenden unterschiedliche Separatoren, Apheresegeräte und Aufbereitungssysteme. Aus einer Studie mit einem konkreten System folgt nicht, dass ein anderes PRP-Röhrchen, eine andere Zentrifuge oder ein anderes Separationssystem für denselben intraoperativen Einsatz bestimmt ist.
Nach der MDR ergibt sich die Zweckbestimmung eines Medizinprodukts aus den Herstellerangaben. Eine CE-Kennzeichnung ist deshalb kein pauschaler Nachweis für jede wissenschaftlich beschriebene PRP-Anwendung.[22]
Für die arzneimittelrechtliche Seite ist § 13 AMG relevant. Absatz 2b enthält die Erlaubnis-Ausnahme für die patientenindividuelle Herstellung unter unmittelbarer fachlicher Verantwortung bei persönlicher Anwendung; daneben können die allgemeine Anzeigepflicht nach § 67 AMG und die behördliche Überwachung nach § 64 AMG relevant sein. Die Blutentnahme unterliegt den Anforderungen des § 7 TFG.[23][24][25][26]
Für die Außendarstellung ist außerdem § 3 HWG relevant: Irreführende Werbung, insbesondere unbelegte therapeutische Wirksamkeits- oder Erfolgsaussagen, ist unzulässig. Dieser Beitrag leitet deshalb keine Produktwirkung und keine Eignung eines konkreten Systems für die Herzchirurgie ab.[27]
Prüffragen für eine Einrichtung
- Zweckbestimmung: Deckt die Herstellerdokumentation des konkreten Systems den geplanten Workflow ab?
- Herstellung: Welche arzneimittelrechtliche Einordnung gilt für den konkreten patientenindividuellen Prozess und wurden erforderliche Anzeigen vorgenommen?
- Präparatbeschreibung: Welches System, welches Volumen, welche Zellkonzentration und welcher Aktivator wurden verwendet?
- Basisversorgung: Sind etablierte chirurgische, infektiologische und PBM-Maßnahmen vollständig umgesetzt?
- Kommunikation: Sind Aussagen zu Nutzen, Grenzen und Evidenz so formuliert, dass keine ungesicherte Wirksamkeit oder Produktzulässigkeit suggeriert wird?
Was aktuell als belastbar gelten kann
Sternum & Operationswunden
Beobachtungsdaten liefern positive Signale. Kontrollierte Studien haben einen robusten Schutz vor Sternuminfektionen bislang nicht bestätigt. PRP ersetzt keine etablierte Infektionsprävention.
Blutmanagement
Randomisierte Daten und Aortenanalysen zeigen interessante Transfusions- und Blutungssignale. Dem steht ein retrospektives AKI-Sicherheitssignal gegenüber. Keine Routineempfehlung für jeden herzchirurgischen Eingriff.
Regenerative Forschung
Die kleine 2024er Studie untersucht Kombinationen aus CABG, TMR und PRP. Ein isolierter PRP-Effekt ist nicht belegt; Vorhofflimmern war in der kleinsten Kombinationsgruppe häufiger.
Die entscheidende Frage
Nicht „Funktioniert PRP?“, sondern: Welches genau definierte PRP-Verfahren zeigt bei welcher Patientengruppe für welchen Endpunkt einen reproduzierbaren klinischen Nutzen?
Häufige Fragen zur PRP-Forschung in der Herzchirurgie
Ist PRP in der Herzchirurgie ein etabliertes Standardverfahren?
Nicht pauschal. Topisches PRP ist in etablierten Empfehlungen zur Prävention sternaler Wundinfektionen nicht als Standardbaustein geführt. Plateletpherese ist ein untersuchter Blutmanagementansatz; aus diesem Beitrag ergibt sich keine allgemeine Leitlinienempfehlung für eine Routineanwendung.
Warum widersprechen sich die Studien zur Sternumwunde?
Große positive Studien sind häufig historische oder retrospektive Vergleiche. Parallel können sich Infektionsprävention, Patientenselektion und Operationstechnik verändert haben. Randomisierte Studien reduzieren solche Verzerrungen, sind hier aber bislang relativ klein.
Ist die Plateletpherese dasselbe wie PRP aus einem normalen Röhrchensystem?
Nein. Herzchirurgische Plateletpherese nutzt andere Geräte, Blutvolumina und Prozessschritte. In der Gao-RCT wird das gewonnene Produkt im Ablauf als autologes Thrombozytenkonzentrat (APC) bezeichnet. Ein identischer Oberbegriff bedeutet nicht, dass Präparat oder Zweckbestimmung identisch sind.
Kann aus einer CE-Kennzeichnung auf eine herzchirurgische PRP-Eignung geschlossen werden?
Nein. Entscheidend ist die konkrete Zweckbestimmung des jeweiligen Medizinprodukts. Die CE-Kennzeichnung besagt nicht, dass jede wissenschaftlich beschriebene PRP-Anwendung durch das Produkt abgedeckt ist.
Belegt die Forschung eine regenerative Behandlung des Herzmuskels?
Nein. Direkte intra- oder epikardiale Anwendungen befinden sich weiterhin im experimentellen Forschungsbereich. Die kleine 2024er Studie prüfte zudem Kombinationen mit TMR und erlaubt keine isolierte PRP-Wirkungsaussage.
Passende interne Fachseiten
Die sechs Links wurden gegen die Live-Seite geprüft. Sie führen zu Grundlagen, Wundheilung und technischer Einordnung – nicht zu einer herzchirurgischen Produktanwendung.
Primärliteratur, Übersichtsarbeiten und Rechtsquellen
- Ferrari M et al. A new technique for hemodilution, preparation of autologous platelet-rich plasma and intraoperative blood salvage in cardiac surgery. Int J Artif Organs. 1987;10(1):47–50. PMID 3570542.
- Trowbridge CC et al. Use of platelet gel and its effects on infection in cardiac surgery. J Extra Corpor Technol. 2005;37(4):381–386. PMID 16524157.
- Litmathe J et al. The use of autologous platelet gel for high-risk patients in cardiac surgery – is it beneficial? Perfusion. 2009;24(6):381–387. PMID 20093332.
- Almdahl SM et al. Randomized prospective trial of saphenous vein harvest site infection after wound closure with and without topical application of autologous platelet-rich plasma. Eur J Cardiothorac Surg. 2011;39(1):44–48. PMID 20634084.
- Dörge H et al. Incidence of deep sternal wound infection is not reduced with autologous platelet rich plasma in high-risk cardiac surgery patients. Thorac Cardiovasc Surg. 2013;61(3):180–184. Förderangabe: Biomet Deutschland GmbH. PMID 22547304.
- Hamman BL et al. Relation between topical application of platelet-rich plasma and vancomycin and severe deep sternal wound infections after a first median sternotomy. Am J Cardiol. 2014;113(8):1415–1419. PMID 24576548.
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- Zurückgezogen: Zhu S et al. Platelet-rich plasma influence on the sternal wounds healing: a meta-analysis. Retraktionshinweis Januar 2025. PMID 39800334.
- Zurückgezogen: Li Y, Wu Z. Effect of topical application of autologous platelet gel on sternal wound infection after cardiac surgery: A meta-analysis. Original PMID 38420690, von PubMed als Retracted Publication geführt; Retraktionshinweis PMID 39317945.
- Lazar HL. Review of AATS guidance for prevention and management of sternal wound infections. PubMed Central.
- ClinicalTrials.gov: NCT07005661 und NCT07352020.
- Verordnung (EU) 2017/745 (MDR). EUR-Lex.
- § 13 AMG. Herstellungserlaubnis und Ausnahmen, insbesondere Abs. 2b. Gesetze im Internet.
- § 67 AMG. Allgemeine Anzeigepflicht. Gesetze im Internet.
- § 64 AMG. Durchführung der Überwachung. Gesetze im Internet.
- § 7 TFG. Anforderungen an die Entnahme der Spende. Gesetze im Internet.
- § 3 HWG. Verbot irreführender Werbung. Gesetze im Internet.
Redaktioneller Stand: 20.08.2026. Fachbeitrag für medizinische Fachkreise. Keine individuelle Therapieempfehlung, keine Rechtsberatung und keine Aussage zur Eignung eines konkreten Medizinprodukts für eine herzchirurgische Anwendung.