PRP-Therapie bei Sehnenentzündung: Evidenz, Einsatzbereiche und Grenzen
PRP wird bei unterschiedlichen Sehnenbeschwerden untersucht und eingesetzt. Die Ergebnisse sind jedoch nicht auf jede Sehne übertragbar: Beim Tennisellenbogen bestehen andere Studiensignale als bei Achilles-, Patellar- oder Rotatorenmanschetten-Tendinopathien.
PRP ist eine aus patienteneigenem Blut gewonnene Plasmafraktion. Thrombozyten setzen Proteine und Botenstoffe frei, die an Gerinnung und Gewebereaktionen beteiligt sind. Ein biologisch plausibler Ansatz ist jedoch kein Nachweis dafür, dass PRP Schmerzen reduziert, eine Sehne strukturell repariert oder die Rückkehr zu Belastung beschleunigt.
Für die laterale Ellenbogentendinopathie zeigen einige randomisierte Studien längerfristige Vorteile gegenüber Kortikosteroidinjektionen. Placebo-kontrollierte Vergleiche bestätigen eine Überlegenheit jedoch nicht durchgehend. Für die Achillessehne zeigen hochwertige Studien überwiegend keinen zusätzlichen klinischen Nutzen gegenüber Placebo. Bei Patellar- und Rotatorenmanschetten-Tendinopathien bleibt die Datenlage widersprüchlich beziehungsweise begrenzt.
Redaktioneller und kommerzieller Kontext: prpmed ist Fachhändler für PRP-Röhrchen, Zentrifugen und Zubehör, keine behandelnde Einrichtung. Kommerzielle Links sind gekennzeichnet. Der Beitrag enthält keine individuelle Therapieempfehlung.
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Ist jede „Sehnenentzündung“ tatsächlich entzündlich?
Der umgangssprachliche Begriff fasst unterschiedliche Krankheitsbilder zusammen.
Nein. Eine akute Tendinitis kann entzündliche Bestandteile haben. Bei länger bestehenden Beschwerden wird häufig der umfassendere Begriff Tendinopathie verwendet, weil neben Entzündung auch strukturelle, zelluläre und belastungsbezogene Veränderungen beteiligt sein können.
Tendinitis
Bezeichnet im engeren Sinn eine akute entzündliche Reaktion der Sehne.
Tendinose
Beschreibt überwiegend degenerative beziehungsweise strukturelle Veränderungen.
Tendinopathie
Ist ein übergeordneter klinischer Begriff für Schmerzen und Funktionsstörungen einer Sehne.
Warum die Unterscheidung wichtig ist: PRP-Daten zu einer chronischen Mittelsubstanz-Tendinopathie lassen sich nicht ohne Weiteres auf einen akuten Sehnenriss oder eine Ansatzproblematik übertragen.
Was ist PRP?
PRP ist eine aufbereitete Plasmafraktion aus patienteneigenem Blut.
Für PRP wird venöses Blut in einem vorgesehenen Röhrchensystem entnommen und zentrifugiert. Das Ergebnis ist eine Plasmafraktion mit einer gegenüber dem Ausgangsblut veränderten Konzentration von Thrombozyten und – je nach System – Leukozyten und Resterythrozyten.
„PRP“ beschreibt kein weltweit einheitliches Präparat. Relevant sind Ausgangsblutvolumen, Röhrchentyp, Antikoagulans, Trenngel, Zentrifugationsprotokoll, Entnahmezone und Aktivierung.
Thrombozyten
Thrombozyten sind Blutbestandteile und an der Gerinnung beteiligt. Nach Aktivierung setzen sie unterschiedliche Proteine und Botenstoffe frei.
Plasma
Plasma ist der flüssige Blutanteil und enthält Wasser, Proteine, Elektrolyte und weitere gelöste Bestandteile.
Weiterführend: PRP-Behandlung: Ablauf, Wirkung und Grenzen.
Warum wird PRP bei Tendinopathien untersucht?
Das Forschungsinteresse beruht auf einem biologischen Wirkmodell – nicht auf einer garantierten „Sehnenreparatur“.
PRP enthält aus Thrombozyten freigesetzte Botenstoffe, die in Labor- und Gewebemodellen mit Zellkommunikation, Gefäßreaktionen und Umbauprozessen in Verbindung gebracht werden. Daraus entstand die Hypothese, dass eine lokale PRP-Applikation das biologische Umfeld einer chronisch veränderten Sehne beeinflussen könnte.
Die entscheidende Einschränkung: Laborbefunde können nicht vorhersagen, ob eine behandelte Person weniger Schmerzen hat, ihre Funktion schneller zurückgewinnt oder strukturelle Veränderungen dauerhaft verbessert werden.
Aussagen wie „PRP repariert die Sehne“, „verhindert eine weitere Schwächung“ oder „beschleunigt die Heilung sicher“ sind ohne indikationsbezogene klinische Belege zu weitgehend.
Wie ist die Evidenz bei verschiedenen Sehnen einzuordnen?
Die Ergebnisse unterscheiden sich nach Körperregion, Vergleichsbehandlung und PRP-Protokoll.
Keine pauschale Aussage „PRP wirkt bei Sehnenentzündungen“: Eine sachgerechte Aussage muss mindestens Sehne, Lokalisation, Dauer, Vergleichsbehandlung und PRP-Zusammensetzung benennen.
Warum kommen PRP-Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen?
„PRP“ ist technisch und biologisch nicht vollständig standardisiert.
| Einflussfaktor | Mögliche Unterschiede | Bedeutung |
|---|---|---|
| Diagnose | Akut oder chronisch, Ansatz oder Mittelsubstanz, Teilruptur oder Tendinopathie | Unterschiedliche Erkrankungen werden teilweise zusammengefasst. |
| PRP-Zusammensetzung | Thrombozyten-, Leukozyten- und Erythrozytenkonzentration | Präparate mit derselben Bezeichnung können biologisch verschieden sein. |
| Herstellung | Röhrchen, Antikoagulans, Rotor, RCF, Laufzeit, Einfach- oder Doppelzentrifugation | Prozessparameter beeinflussen die Plasmafraktion. |
| Applikation | Volumen, Zahl der Anwendungen, Ultraschallführung und Zielregion | Unterschiedliche Interventionen werden als „PRP-Injektion“ bezeichnet. |
| Begleittherapie | Training, Belastungssteuerung, Immobilisation oder weitere Verfahren | Verbesserungen lassen sich nicht immer der Injektion zuordnen. |
| Vergleichsgruppe | Kochsalzlösung, Scheinbehandlung, Kortikosteroid oder Dry Needling | „Besser als Kortison“ ist nicht dasselbe wie „besser als Placebo“. |
Wie sollte PRP in den Praxisablauf eingeordnet werden?
Die Injektion ersetzt weder eine belastbare Diagnose noch ein strukturiertes Rehabilitationskonzept.
Diagnostik und Indikation
- Beschwerden und Belastungsverlauf einordnen
- Akute Ruptur und andere Ursachen ausschließen
- Sehnenregion und Pathologie präzise benennen
- Bisherige Maßnahmen prüfen
- Erwartungen realistisch besprechen
Protokoll und Dokumentation
- PRP-System dokumentieren
- Aufbereitungsparameter festhalten
- Applikationstechnik und Zielregion beschreiben
- Begleitendes Rehabilitationskonzept festlegen
- Ergebnisse strukturiert erfassen
Fachliche Einordnung: Die NICE-Empfehlung wurde 2013 veröffentlicht und im Januar 2026 ohne inhaltliche Änderung in die HealthTech Guidance HTG299 überführt. Sie bewertet die Wirksamkeit autologer Blut- und PRP-Injektionen bei Tendinopathien weiterhin als unzureichend belegt und fordert besondere Vorkehrungen bei Governance, Einwilligung und Ergebniserfassung. [11]
Welche Risiken und Grenzen müssen angesprochen werden?
„Autolog“ bedeutet nicht automatisch risikofrei.
Nach einer lokalen PRP-Applikation können Schmerzen, Reizung, Schwellung oder Hämatome auftreten. Hinzu kommen allgemeine Risiken invasiver Verfahren wie Infektion, Blutung, Verletzung benachbarter Strukturen oder fehlerhafte Platzierung.
Medizinische Grenzen
- Keine garantierte Schmerzreduktion
- Keine garantierte strukturelle Heilung
- Kein einheitlicher Nutzen für alle Sehnen
- Keine allgemeine Standardzahl an Anwendungen
- Keine pauschal beschleunigte Sportfreigabe
Prozessbezogene Risiken
- Nicht kompatibles Material
- Unzureichende Asepsis
- Nicht reproduzierbare Aufbereitung
- Fehlende Präparatdokumentation
- Ungeprüfte Übertragung von RPM-Werten
Welche Komponenten gehören zu einem technischen PRP-Workflow?
Produkte müssen anhand von Zweckbestimmung, Gebrauchsanweisung und Kompatibilität ausgewählt werden.
Blutentnahme, Röhrchensystem, Zentrifuge, Rotor, Prozessparameter und sterile Weiterverarbeitung sollten als zusammenhängender Workflow betrachtet werden.
PRP-Ausstattung für Praxen im In- und Ausland
prpmed unterstützt professionelle PRP-Workflows und beliefert Geschäftskunden in Deutschland sowie in weiteren europäischen und ausgewählten internationalen Märkten.
Die Lieferbarkeit hängt vom Zielland, von der Produktkategorie und von den jeweils geltenden Einfuhr- und Anwendungsvorschriften ab. Bei Lieferungen in Drittländer können zusätzliche Zoll-, Steuer- und Einfuhranforderungen entstehen.
Die internationale Lieferbarkeit stellt keine Aussage zur medizinischen Eignung eines Produkts für eine bestimmte Sehnenerkrankung oder Behandlung dar.
Technischer Hinweis: Eine Drehzahl in RPM beschreibt nicht allein die auf die Probe wirkende Belastung. Für die RCF sind Drehzahl und Rotorradius entscheidend. Herstellerangaben und das vorgesehene Protokoll bleiben maßgeblich.
Häufige Fragen zu PRP bei Sehnenbeschwerden
Kompakte Antworten ohne individuelle Behandlungsempfehlung.
Kann PRP eine geschädigte Sehne sicher reparieren?
Nein. Eine garantierte strukturelle Reparatur ist klinisch nicht belegt. Studien untersuchen vor allem Schmerzen, Funktion und teilweise Bildgebung.
Ist PRP bei jeder Sehnenentzündung wirksam?
Nein. Die Evidenz ist sehnenabhängig. Bei der Achillessehnen-Tendinopathie zeigen hochwertige placebo-kontrollierte Studien keinen gesicherten Zusatznutzen.
Wo ist die Studienlage am günstigsten?
Bei der lateralen Ellenbogentendinopathie bestehen vergleichsweise viele randomisierte Studien. Einige zeigen mittel- bis längerfristige Vorteile gegenüber Kortikosteroiden, während placebo-kontrollierte Studien keine durchgehend klare Überlegenheit gegenüber Kochsalzlösung belegen.
Warum ist die Achillessehne besonders kritisch?
Für chronische Mittelsubstanz-Tendinopathien liegen mehrere placebo-kontrollierte Studien ohne relevanten Zusatznutzen vor.
Ist leukozytenreiches oder leukozytenarmes PRP besser?
Eine allgemein gültige Antwort gibt es nicht. Die optimale Zusammensetzung kann von Gewebe, Fragestellung und Protokoll abhängen.
Wie oft muss PRP angewendet werden?
Es gibt keine für alle Tendinopathien anerkannte Standardzahl. Studien verwenden unterschiedliche Einzel- oder Mehrfachprotokolle.
Ist Ultraschallführung erforderlich?
Die Anforderungen hängen von Zielstruktur, Technik, Qualifikation und Protokoll ab.
Kann PRP ein Rehabilitationsprogramm ersetzen?
Nein. Eine PRP-Anwendung sollte nicht isoliert von Diagnose, Belastungssteuerung und Rehabilitation betrachtet werden.
Ist PRP risikofrei, weil es autolog ist?
Nein. Es bestehen Risiken durch Blutentnahme, Aufbereitung und Injektion.
Welche technischen Angaben sollten dokumentiert werden?
Röhrchensystem, Ausgangsvolumen, Antikoagulans, Zentrifuge, Rotor, RCF, Laufzeit, gewonnenes Volumen, Entnahmefraktion und Applikationsprotokoll.
Ausgewählte wissenschaftliche Quellen
Randomisierte Studien und fachliche Leitlinien zur Einordnung.
Quellenstand: Berücksichtigt wurden randomisierte Studien bis Juli 2026 sowie die AAOS-Leitlinie von 2025. Die NICE-Empfehlung stammt ursprünglich aus 2013 und wurde 2026 ohne inhaltliche Änderung in die aktuelle Guidance-Struktur überführt.
- Gosens T. et al.: Ongoing positive effect of platelet-rich plasma versus corticosteroid injection in lateral epicondylitis: a double-blind randomized controlled trial with 2-year follow-up. American Journal of Sports Medicine, 2011. PubMed PMID 21422467
- Krogh T. P. et al.: Treatment of lateral epicondylitis with platelet-rich plasma, glucocorticoid, or saline: a randomized, double-blind, placebo-controlled trial. American Journal of Sports Medicine, 2013. PubMed PMID 23328738
- Dejnek M. et al.: Comparative Efficacy of Platelet-Rich Plasma, Corticosteroid, Hyaluronic Acid, and Placebo (Saline) Injections in Patients with Lateral Elbow Tendinopathy: A Randomized Controlled Trial. Journal of Clinical Medicine, 2025. PubMed PMID 39860479
- Wilson J. J. et al.: A Randomized Controlled Trial of 1-Year Clinical Outcomes of a Single Platelet-Rich Plasma Injection Versus Corticosteroid for the Treatment of Lateral Elbow Tendinopathy. Orthopaedic Journal of Sports Medicine, 2026. PubMed PMID 41552627
- de Vos R. J. et al.: Platelet-rich plasma injection for chronic Achilles tendinopathy: a randomized controlled trial. JAMA, 2010. PubMed PMID 20068208
- Keene D. J. et al.: Platelet-rich plasma injection for acute Achilles tendon rupture: two-year follow-up of a randomized, placebo-controlled trial. Bone & Joint Journal, 2022. PubMed PMID 36317349
- Scott A. et al.: Platelet-Rich Plasma for Patellar Tendinopathy: A Randomized Controlled Trial of Leukocyte-Rich PRP or Leukocyte-Poor PRP Versus Saline. American Journal of Sports Medicine, 2019. PubMed PMID 31038979
- van der Heijden R. A. et al.: Platelet-rich plasma for patellar tendinopathy: a randomized controlled trial correlating clinical outcomes and quantitative imaging. Radiology Advances, 2024. PubMed PMID 41059395
- Kwong C. A. et al.: Platelet-Rich Plasma in Patients With Partial-Thickness Rotator Cuff Tears or Tendinopathy Leads to Significantly Improved Short-Term Pain Relief and Function Compared With Corticosteroid Injection: A Double-Blind Randomized Controlled Trial. Arthroscopy, 2021. PubMed PMID 33127554
- American Academy of Orthopaedic Surgeons (AAOS).: Management of Rotator Cuff Injuries – Clinical Practice Guideline. 2025. AAOS guideline
- National Institute for Health and Care Excellence (NICE).: Autologous blood injection for tendinopathy. HealthTech Guidance HTG299; first published 2013, migrated in 2026 without content changes. NICE Guidance
Technische Ausstattung für professionelle PRP-Workflows
Bei prpmed finden Sie Röhrchensysteme, Zentrifugen, Blutentnahmezubehör und Starter-Sets für professionelle Anwender.
Kommerzieller Hinweis: Die Produktauswahl muss anhand von Zweckbestimmung, Gebrauchsanweisung, Systemkompatibilität und fachlichen Anforderungen erfolgen.
Medizinischer und rechtlicher Hinweis: Dieser Beitrag richtet sich schwerpunktmäßig an medizinische Fachanwender und dient der allgemeinen literaturbasierten Einordnung. Er enthält keine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung, Erfolgszusage oder Anleitung zur Durchführung einer Behandlung. Maßgeblich sind die medizinische Beurteilung im Einzelfall, aktuelle Fachleitlinien, die Zweckbestimmung und Gebrauchsanweisung der eingesetzten Produkte sowie die geltenden rechtlichen und berufsrechtlichen Vorgaben.