Fachbeitrag · Chronische Wunden

PRP bei chronischen Wunden: Studienlage, klinischer Einsatz und Grenzen

Plättchenreiches Plasma (PRP) wird als ergänzender Ansatz bei schwer heilenden Wunden untersucht. Neue Meta-Analysen und randomisierte Studien aus 2025 und 2026 liefern positive Signale für mehrere Wundarten. Gleichzeitig bleiben Leitlinien zurückhaltend – vor allem wegen unterschiedlicher PRP-Präparate, heterogener Protokolle und begrenzter Standardisierung.

Evidenz-Update · Stand 03.09.2026
Standardversorgung bleibt die Basis

Débridement, Druckentlastung, Infektionskontrolle, Gefäßdiagnostik und Behandlung der Grunderkrankung sind zentral.

Die Evidenz ist breiter geworden

Neben diabetischen Fußulzera liegen inzwischen auch Meta-Analysen zu venösen Ulzera und Druckulzera vor.

Leitlinien bleiben zurückhaltend

Positive Meta-Analysen sind nicht gleichbedeutend mit einer allgemeinen Empfehlung für PRP als Routinetherapie.

Warum chronische Wunden so schwierig sind

Eine chronische Wunde ist kein isoliertes Oberflächenproblem. Entscheidend ist, warum die normale Heilung gestört ist.

Wundheilung verläuft in überlappenden Phasen. Blutstillung, Entzündungsreaktion, Zellmigration, Gefäßneubildung, Matrixaufbau und späterer Gewebeumbau müssen zeitlich koordiniert ablaufen. Bei Diabetes, arterieller oder venöser Gefäßerkrankung, wiederholter Druckbelastung, Infektion oder weiteren Begleiterkrankungen kann dieser Ablauf gestört sein.

Für die Behandlung ist deshalb zunächst die Ursache der Heilungsstörung entscheidend. Ein lokales Zusatzverfahren kann eine relevante Ischämie, anhaltenden Druck oder eine unzureichend behandelte Infektion nicht kompensieren.

Blutstillung

Thrombozyten und Gerinnungssystem reagieren unmittelbar auf Gewebeschädigung.

Entzündung

Immunzellen räumen geschädigtes Gewebe ab und reagieren auf mögliche Erreger.

Proliferation

Granulationsgewebe, Gefäße und eine neue Oberflächenbedeckung entstehen.

Remodelling

Das neu gebildete Gewebe wird über längere Zeit strukturell reorganisiert.

Eine chronische Wunde braucht Ursachenbehandlung.

Gefäßstatus, Druckverteilung, Infektionszeichen, Stoffwechsellage und das bisherige Wundmanagement gehören vor jeder Zusatztherapie zur fachlichen Einordnung.

Warum Thrombozyten für die Wundheilung interessant sind

Thrombozyten sind nicht nur an der Gerinnung beteiligt. Nach Aktivierung setzen sie zahlreiche biologisch aktive Mediatoren frei.

PRP wird aus patienteneigenem Blut gewonnen. Nach der Zentrifugation entsteht eine Plasmafraktion, deren Zusammensetzung je nach System und Protokoll deutlich variieren kann. Aktivierte Thrombozyten setzen unter anderem PDGF, TGF-β und VEGF sowie weitere Signalstoffe frei, die an Zellmigration, Angiogenese und Matrixumbau beteiligt sind.

Diese biologische Plausibilität erklärt das Forschungsinteresse. Sie beweist für sich allein aber keinen klinischen Behandlungserfolg. Ob PRP einen Zusatznutzen bringt, muss für die jeweilige Wundart, das konkrete Präparat und die Anwendungsform klinisch untersucht werden.

Mehr zum biologischen Hintergrund: Warum Thrombozyten für Dermatologen interessant sind.

Die Bezeichnung „PRP“ beschreibt keine einheitliche Rezeptur.

Ergebnisse eines Studienprotokolls lassen sich deshalb nicht automatisch auf ein anderes Röhrchen, eine andere Zentrifuge oder eine andere Applikationsform übertragen.

PRP ist ein Zusatzverfahren – nicht die Basistherapie

Der Nutzen lokaler Verfahren kann nur sinnvoll beurteilt werden, wenn die wesentlichen Ursachen der Wunde parallel behandelt werden.

Schritt 1

Wundursache klären

Wundtyp, Durchblutung, venöse Situation, Druckbelastung, Infektionszeichen und Begleiterkrankungen fachlich beurteilen.

Schritt 2

Standardversorgung sichern

Je nach Wundart gehören Débridement, geeignete Wundauflage, Druckentlastung, Kompression, Infektionskontrolle oder Revaskularisation zur Basis.

Schritt 3

Zusatzverfahren einordnen

Erst danach kann geprüft werden, ob ein autologes Präparat in einer definierten klinischen Situation ergänzend sinnvoll erscheint.

Evidenz-Update 2025/2026: Was die Studien tatsächlich zeigen

Die Studienlage ist inzwischen breiter als noch vor wenigen Jahren. Die Aussagekraft bleibt je nach Wundart unterschiedlich.

Für diabetische Fußulzera ist die Datenbasis am umfangreichsten. Neue Meta-Analysen zeigen auch bei venösen Ulzera und Druckulzera positive Signale. Diese Ergebnisse sind relevant, erlauben aber keine pauschale Aussage „PRP heilt chronische Wunden“.

Diabetische Fußulzera Umfangreichste positive Evidenz; Leitlinie dennoch zurückhaltend.
15 RCTsMeta-Analyse Xu et al. 2025
1.010eingeschlossene Patientinnen und Patienten
RR 1,53für vollständige Heilung gegenüber konventioneller Versorgung

Die Meta-Analyse von Xu, Huang und Tao berichtete zusätzlich eine im Mittel um 19,48 Tage kürzere Heilungszeit. Auch Infektions- und Amputationsraten waren in der gepoolten Auswertung niedriger. Das ist ein relevantes Studiensignal, aber keine Garantie für den Einzelfall und keine universelle Empfehlung für jedes PRP-Protokoll.

PubMed: Xu et al., Acta Diabetologica 2025

Venöse Ulzera Neue Meta-Analyse 2026 positiv, aber mit relevanter Heterogenität.
13 StudienMeta-Analyse Rodrigues-Guimarães et al. 2026
554eingeschlossene Patientinnen und Patienten
1,50gepooltes Verhältnis für vollständige Heilung; 95%-KI 1,09–2,07

Die Analyse fand bessere Heilungsoutcomes unter PRP. Gleichzeitig lag die Heterogenität für vollständige Heilung bei I² = 58 % und für die Flächenreduktion bei I² = 97 %. Die Autoren fordern deshalb weitere hochwertige, größere randomisierte Studien.

PubMed: Rodrigues-Guimarães et al. 2026

Druckulzera / Dekubitus Positive RCT-Meta-Analyse, aber weiterhin Bedarf an unabhängiger Bestätigung.
9 RCTsMeta-Analyse Hu et al.; online 2024, Ausgabe 2026
511Patienten mit insgesamt 523 Druckulzera
OR 3,40gepoolte Heilungsrate; 95%-KI 1,87–6,21

Die Autoren berichten eine höhere Heilungsrate und Verbesserungen bei einzelnen Wundmaßen. Für Komplikationen und die Volumenreduktion zeigten sich nicht in allen Auswertungen signifikante Unterschiede. Trotz des positiven Signals werden weitere gut strukturierte RCTs benötigt.

PubMed: Hu et al., International Journal of Lower Extremity Wounds

Andere chronische Wunden Keine pauschale Übertragung aus Diabetes-, Venen- oder Druckulkus-Studien.

Chronische Wunden haben unterschiedliche Ursachen. Ergebnisse aus einer definierten Wundart dürfen nicht ohne Weiteres auf arterielle Ulzera, postoperative Wundheilungsstörungen, entzündliche Ulzera oder andere komplexe Wundbilder übertragen werden.

Statistische Verbesserung und Leitlinienempfehlung sind nicht dasselbe.

Leitlinien bewerten zusätzlich Studienqualität, Verzerrungsrisiken, Vergleichbarkeit der Präparate, praktische Umsetzbarkeit und die Einbettung in die Standardversorgung.

Mehr Thrombozyten bedeuten nicht automatisch bessere Wundheilung

Eine randomisierte Studie von 2026 stellt die einfache Gleichung „höhere Konzentration = bessere Wirkung“ infrage.

Eine 2026 im Journal of the American Academy of Dermatology publizierte randomisierte Nichtunterlegenheitsstudie verglich bei 56 Menschen mit diabetischen Wunden ein Präparat mit ungefähr physiologischer Thrombozytenkonzentration (1× Ausgangswert) mit stärker konzentriertem PRP (4× Ausgangswert). Alle Teilnehmenden waren für eine Débridement- und Nahtoperation vorgesehen; Infektion, Ischämie, Stase und Scherkräfte wurden zuvor behandelt.

4-Wochen-Heilungsrate in dieser Studie

Die physiologische Konzentration war dem 4× konzentrierten PRP im primären Endpunkt nicht unterlegen.

1× Thrombozytenkonzentration (PFP)78,6 %
4× Thrombozytenkonzentration (PRP)71,4 %

Wichtig: kleine, monozentrische Studie mit spezifischem operativem Setting. Die Ergebnisse sind kein Beweis dafür, dass 1× generell besser ist als 4× oder dass sich das Ergebnis auf andere PRP-Anwendungen übertragen lässt.

Die Arbeit unterstreicht einen zentralen Punkt der PRP-Forschung: Die Qualität eines Präparats lässt sich nicht sinnvoll allein über eine möglichst hohe Thrombozytenzahl definieren. Zusammensetzung, Aktivierung, Fibrinstruktur, Ausgangsmaterial und klinischer Kontext spielen ebenfalls eine Rolle. Zur Studie bei PubMed.

PRP erreicht spezialisierte Wundzentren in Deutschland

Ein aktuelles Praxisbeispiel zeigt, dass das Thema nicht mehr ausschließlich in Studien diskutiert wird.

Praxisbeispiel · 01.09.2026

Helios Klinikum Krefeld berichtet über PRP bei schwer heilenden und diabetischen Wunden

Das Helios Klinikum Krefeld berichtet, dass die Dermatologische Klinik PRP im zertifizierten Wundzentrum bei schwer heilenden und diabetischen Wunden einsetzt. Die Versorgung erfolgt dort interdisziplinär unter Beteiligung von Dermatologie, Angiologie, Gefäßchirurgie, plastischer Chirurgie und diabetischer Fußambulanz.

Für die wissenschaftliche Einordnung ist entscheidend: Der Einsatz an einem spezialisierten Zentrum ist ein Praxisbeispiel und kein Wirksamkeitsnachweis. Aus der klinischen Anwendung lässt sich weder eine allgemeine Empfehlung noch eine Überlegenheit gegenüber leitliniengerechter Standardversorgung ableiten.

Original-Pressemitteilung des Helios Klinikums Krefeld

Warum dieses Beispiel trotzdem relevant ist

Es zeigt, dass thrombozytenbasierte Verfahren zunehmend in spezialisierten klinischen Versorgungsstrukturen auftauchen. Für die Bewertung des Nutzens bleiben kontrollierte Studien und Leitlinien maßgeblich.

Warum die IWGDF-Leitlinie weiterhin zurückhaltend ist

Die aktuelle Leitlinienposition ist der wichtigste Gegenpol zu den positiven Meta-Analysen.

Die weiterhin aktuelle IWGDF-Leitlinie zu wundheilungsfördernden Interventionen bei diabetesassoziierten Fußulzera bewertet autologe Thrombozytenpräparate differenziert. Mit Ausnahme eines definierten autologen Leukozyten-Thrombozyten-Fibrin-Patches wird vorgeschlagen, autologe Thrombozytentherapien nicht routinemäßig als Ergänzung zur Standardversorgung einzusetzen. Die Empfehlung ist bedingt und beruht auf niedriger Evidenzsicherheit.

Diese Zurückhaltung widerspricht positiven neueren Studien nicht zwingend. Leitlinien müssen beurteilen, ob ein Effekt über verschiedene Präparate und Protokolle hinweg belastbar, reproduzierbar und praktisch standardisierbar ist.

Studienebene

Mehrere aktuelle Meta-Analysen berichten bei definierten chronischen Wunden bessere Heilungsoutcomes unter PRP.

Leitlinienebene

Für allgemeine autologe Plättchenpräparate besteht weiterhin keine routinemäßige Empfehlung. Standardversorgung und klare Indikation bleiben entscheidend.

IWGDF Wound Healing Guideline 2023

Hygiene und Prozesssicherheit sind Teil der Behandlung

Autolog bedeutet nicht automatisch risikofrei. Bei offenen Wunden ist ein standardisierter Workflow besonders wichtig.

Eine 2026 publizierte Arbeit zur Infektionsprävention bei PRP dokumentierte Unterschiede zwischen klinischen Bereichen bei Kennzeichnung, Zentrifugation, Handhabung und Applikation. Die Autoren entwickelten daraus einen standardisierten SOP-Ansatz und betonen die Zusammenarbeit von Behandlern, Infektionsprävention, Blut- und Qualitätssicherheit.

Mögliche Belastungen

Blutentnahme, lokale Schmerzen, Blutung und anwendungsbezogene Komplikationen sind möglich. Bei offenen Wunden kommt zusätzlich der Prozesshygiene besondere Bedeutung zu.

Standardisierte Abläufe

Identifikation, Kennzeichnung, Zentrifugation, aseptische Handhabung, Applikation und Dokumentation sollten als zusammenhängender Prozess betrachtet werden.

Stern et al.: Infection prevention bei PRP

Technische PRP-Aufbereitung: reproduzierbar statt pauschal

Röhrchen, Zentrifuge, Rotor, Adapter und Prozessparameter beeinflussen die gewonnene Fraktion – sie belegen aber keine klinische Wirksamkeit.

Für professionelle Anwender ist wichtig, dass PRP-Röhrchen, PRP-Zentrifuge, Rotor, Adapter und Prozessparameter technisch zusammenpassen. Maßgeblich bleiben Zweckbestimmung, aktuelle Gebrauchsanweisung und die validierten Arbeitsabläufe der verantwortlichen medizinischen Einrichtung.

Vi PRP-PRO PRP-Röhrchen
PRP-Röhrchen · Artikel 100101

Vi PRP-PRO

Steriles Röhrchensystem für die professionelle PRP-Aufbereitung mit Natriumcitrat und Trenngel. Die Produktdaten beschreiben den technischen Workflow, nicht die Behandlung einer bestimmten Wundindikation.

  • Medizinprodukt der Klasse IIa, CE 0425
  • ca. 9 ml vorgesehene Blutaufnahme
  • 0,8 ml Natriumcitrat und Trenngel
  • technischer Standardwert: 1200 × g für 7 Minuten
Hettich EBA 200 MD Medizinprodukt-Zentrifuge
Medizinprodukt-Zentrifuge · Artikel 100347

Hettich EBA 200 MD

Kompakte Medizinprodukt-Zentrifuge für professionelle Einrichtungen. RCF, RPM und Laufzeit müssen zum verwendeten Röhrchensystem und validierten Protokoll passen.

  • Medizinprodukt der Klasse IIa
  • 8-Platz-Festwinkelrotor E3694
  • maximale Kapazität 8 × 15 ml
  • RCF, RPM und Laufzeit einstellbar
RCF statt RPM ungeprüft zu übertragen

Gleiche RPM bedeuten bei unterschiedlichen Rotorradien nicht dieselbe relative Zentrifugalkraft. Protokolle sollten deshalb über RCF, Radius, Rotor, Adapter und Laufzeit technisch eingeordnet werden. RCF und RPM berechnen.

Wo die Grenzen der Aussage liegen

Die konkrete Wunde und ihre Ursache sind wichtiger als das allgemeine Etikett „PRP-Therapie“.

Bei diabetischen Fußulzera kann ohne ausreichende Druckentlastung oder bei unbehandelter arterieller Durchblutungsstörung die zugrunde liegende Ursache fortbestehen. Bei venösen Ulzera ist die venöse Pathophysiologie relevant, bei Druckulzera die konsequente Druckentlastung. Infektionen erfordern eine eigenständige fachliche Behandlung.

Hinzu kommt die fehlende Standardisierung der PRP-Präparate. Konzentration, Zellgehalt, Aktivierung, Fibrinstruktur und Anwendungsweg können zwischen Studien deutlich abweichen. Deshalb sind Ergebnisse nicht ohne Weiteres zwischen Systemen übertragbar.

Die Aussage „PRP heilt chronische Wunden“ wäre fachlich zu weitgehend.

Korrekt ist: Für bestimmte chronische Wundarten gibt es zunehmend positive klinische Daten zu PRP als ergänzendem Verfahren. Die Evidenz, Leitlinienposition und Übertragbarkeit hängen jedoch von Wundart und Protokoll ab.

Häufige Fragen zu PRP bei chronischen Wunden

Kurz beantwortet, ohne pauschale Heilversprechen.

Ist PRP eine Standardtherapie für chronische Wunden?

Nein. PRP wird als ergänzender Ansatz untersucht und in einzelnen spezialisierten Einrichtungen eingesetzt. Die Ursachenbehandlung und leitliniengerechte Standardversorgung bleiben die Basis.

Bei welcher Wundart ist die Evidenz am umfangreichsten?

Unter den hier betrachteten Wundarten liegen die umfangreichsten klinischen Daten für diabetische Fußulzera vor. Auch für venöse Ulzera und Druckulzera existieren inzwischen positive Meta-Analysen.

Empfiehlt die IWGDF PRP beim diabetischen Fußulkus?

Die IWGDF-Leitlinie empfiehlt allgemeine autologe Thrombozytenpräparate nicht routinemäßig als Ergänzung zur Standardversorgung. Ein definierter autologer Leukozyten-Thrombozyten-Fibrin-Patch wird gesondert bewertet.

Bedeutet eine höhere Thrombozytenkonzentration automatisch eine bessere Wirkung?

Nein. Eine randomisierte Studie von 2026 fand bei einem spezifischen Setting keine Überlegenheit von 4× konzentriertem PRP gegenüber einem Präparat mit physiologischer Thrombozytenkonzentration. Die optimale Zusammensetzung ist weiterhin nicht abschließend geklärt.

Was zeigt das Beispiel des Helios Klinikums Krefeld?

Es zeigt, dass PRP inzwischen auch in einem spezialisierten deutschen Wundzentrum bei schwer heilenden und diabetischen Wunden eingesetzt wird. Das ist ein Praxisbeispiel, aber kein Beweis für eine allgemeine Wirksamkeit oder Leitlinienempfehlung.

Warum ist die PRP-Aufbereitung so wichtig?

PRP-Präparate unterscheiden sich je nach Röhrchen, Zentrifugation, Zellgehalt, Aktivierung und Anwendungsform. Ein reproduzierbarer technischer Workflow ist deshalb für Dokumentation und Vergleichbarkeit wichtig.

Stand 03.09.2026: interessanter als noch vor wenigen Jahren – aber kein Freibrief

Die Evidenz zu PRP bei chronischen Wunden hat sich erweitert. Bei diabetischen Fußulzera liegen inzwischen zahlreiche randomisierte Daten vor; für venöse Ulzera und Druckulzera zeigen aktuelle Meta-Analysen ebenfalls positive Signale. Gleichzeitig bleibt die IWGDF bei allgemeinen autologen Thrombozytenpräparaten zurückhaltend. Das aktuelle Beispiel aus dem Helios Klinikum Krefeld zeigt eine zunehmende klinische Umsetzung, ersetzt aber keine kontrollierte Evidenz. Entscheidend bleibt die Behandlung der Wundursache und eine fachgerechte Standardversorgung.

Ausgewählte Fachquellen

  1. Wilkinson HN, Hardman MJ. Wound healing: cellular mechanisms and pathological outcomes. Open Biology. 2020. PubMed Central
  2. Xu H, Huang K, Tao X. Efficacy and safety of platelet-rich plasma versus conventional care in diabetic foot ulcers: a meta-analysis of randomized controlled trials. Acta Diabetologica. 2025;62(10):1585–1596. DOI 10.1007/s00592-025-02555-7. PubMed
  3. Rodrigues-Guimarães T, Horta R, Marques-Vieira M, Andrade J, Rocha-Neves J. Meta-analysis of platelet-rich plasma for venous ulcers: Clinical efficacy and complications. Journal of Plastic, Reconstructive & Aesthetic Surgery. 2026;114:212–224. DOI 10.1016/j.bjps.2026.01.020. PubMed
  4. Hu Z, Xv H, Feng A, Wang S, Han X. Efficacy and Safety of Platelet-Rich Plasma for Pressure Ulcers: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. International Journal of Lower Extremity Wounds. 2026;25(1):45–54. DOI 10.1177/15347346241227001. PubMed
  5. Li Y, Zhang J, Yang Z et al. Physiological-concentration Platelet Fibrin Plasma vs. Supra-Physiological-concentration Platelet Rich Plasma for Neuro-ischemic Diabetic Foot Ulcer and other Diabetic Wounds: A Randomized Controlled Trial. Journal of the American Academy of Dermatology. 2026. DOI 10.1016/j.jaad.2026.07.025. PubMed
  6. Parsa H, Haji Maghsoudi L, Mohammadzadeh A, Afshar H. A Comparative Study on the Effect of PRP in Healing Diabetic Foot Ulcers Compared to Standard Treatment in Diabetic Patients: A Randomized Clinical Trial Study. Health Science Reports. 2026;9(3):e71906. DOI 10.1002/hsr2.71906. PubMed
  7. International Working Group on the Diabetic Foot (IWGDF). Guidelines on interventions to enhance healing of foot ulcers in people with diabetes. 2023 update. Leitlinie
  8. Stern RA, Andrews J, Bashaw K, Talbot TR. Platelet-rich plasma therapy: key infection prevention practices and strategies for safety risk reduction. Infection Control & Hospital Epidemiology. 2026;47(1):1–5. DOI 10.1017/ice.2025.10316. PubMed
  9. Helios Klinikum Krefeld. Mit Eigenblut chronische Wunden behandeln: die PRP-Therapie am Helios Klinikum Krefeld. Pressemitteilung vom 01.09.2026. Originalquelle
Hinweis zur Literaturauswahl: Zwei häufig zitierte Meta-Analysen zu PRP bei diabetischen Wunden aus dem International Wound Journal wurden 2025 nach einer Untersuchung des Peer-Review-Prozesses zurückgezogen und für dieses Update nicht als Evidenzquelle verwendet (PubMed PMID 40118527 und 40118538).
Medizinischer Hinweis: Dieser Beitrag dient der fachlichen Information und beschreibt den Stand der wissenschaftlichen Diskussion bis 03.09.2026. Er ersetzt weder die Untersuchung einer Wunde noch eine individuelle ärztliche Diagnose, Therapieentscheidung, Gebrauchsanweisung oder interne SOP. Aussagen zu Studienergebnissen beziehen sich auf die jeweils untersuchten Populationen und Verfahren und sind nicht als Erfolgsversprechen zu verstehen.
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